BVB-Gegner Zenit St. Petersburg Teurer Titel-Hunger der Gazprom-Manager

Bei Dortmunds Champions-League-Gegner Zenit St. Petersburg ist europäischer Spitzenfußball nur dank des Geldes von Gazprom möglich. Das teure Unterfangen könnte bald enden - wenn es die Uefa mit dem Financial Fair Play ernst meint.

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Mit Mittelmaß gibt sich die Führungsriege von Gazprom nicht zufrieden. Weder geschäftlich noch beim Fußball. Zu den Werbepartnern des weltweit größten Erdgasförderers gehören die Uefa mit ihrer Champions League, der FC Schalke 04, Roter Stern Belgrad und der FC Chelsea. Der russische Konzern lässt für diese Engagements eine Menge Geld springen. Für das Trikotsponsoring bei Schalke soll Gazprom schätzungsweise 15 Millionen Euro pro Jahr überweisen. An die Uefa wiederum sollen es je nach Quelle um die 40 Millionen Euro jährlich sein.

Doch das ist nicht zu vergleichen mit den Summen, die Gazprom für sein wichtigstes Fußballprojekt ausgibt. Nachdem der Energiekonzern im Jahr 2005 Zenit St. Petersburg übernommen hatte, machte er aus dem bis dahin mittelmäßigen russischen Verein zumindest aus finanzieller Sicht einen europäischen Top-Club. Für den brasilianischen Stürmer Hulk bezahlte Zenit im Sommer 2012 mehr als 50 Millionen Euro an den FC Porto. Nicht viel weniger kostete den Uefa-Cup-Sieger von 2008 der belgische Nationalspieler Axel Witsel, der von Benfica Lissabon an die Newa wechselte.

Der teure Titel-Hunger der Gazprom-Manager könnte aber bald ein Ende haben. Zumindest dann, wenn die Uefa es ernst meint mit dem Financial Fair Play. Demnach sollen ab 2015 bei den Vereinen die Ausgaben nicht die Einnahmen übersteigen. Damit will der europäische Fußballverband eine Überschuldung der Vereine sowie eine Wettbewerbsverzerrung durch von Investoren finanzierte Clubs verhindern. Verstöße gegen das Financial Fair Play sollen mit Sanktionen geahndet werden, die bis zum Ausschluss aus allen Vereinswettbewerben der Uefa reichen können.

Für Zenit St. Petersburg wäre dies ein Horrorszenario. Mit rund 40 Millionen Euro, die der Verein pro Saison durch Ticketverkauf, Merchandising und Prämien aus der Champions League einnimmt, ist Zenit zwar eine Ausnahme im russischen Fußball, doch ohne die Subventionen seines potenten Besitzers könnte der 1925 gegründete Fußballclub nicht im europäischen Spitzenfußball mitmischen. Nach Schätzungen russischer Medien hat Zenit dank der Zuwendungen von Gazprom einen Etat von rund 200 Millionen Euro zur Verfügung. Zum Vergleich: Der Etat von Borussia Dortmund, St. Petersburgs Gegner im Achtelfinale der Champions League (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), beläuft sich auf 68 Millionen Euro.

Gazprom will eine Liga russischer und ukrainischer Vereine

Die Abhängigkeit des Vereins von Gazprom ist beispielhaft für die Teams der russischen Premjer Liga. "Die russischen Clubs werden entweder von den Kommunalverwaltungen oder Oligarchen finanziert, die auf ihr Geld nicht ganz achten", sagt Iwan Kalaschnikow SPIEGEL ONLINE. Er ist Chefredakteur des Internetportals Sports.ru. Der Hauptgrund für die Abhängigkeit: Während die Bundesliga pro Saison mehr als 600 Millionen Euro aus der Vermarktung seiner TV-Rechte einnimmt, sind es in Russland gerade mal rund 87 Millionen - für insgesamt drei Jahre.

Bei Gazprom schien man eine Lösung gefunden zu haben, um Zenit und die anderen russischen Vereine vor möglichen zukünftigen Sanktionen der Uefa zu bewahren und die Fair-Play-Regelung zu umgehen. Eine Arbeitskommission, an deren Spitze der ehemalige russische Nationaltrainer Waleri Gassajew saß, stellte im Sommer die Pläne für eine gemeinsame Liga russischer und ukrainischer Vereine vor. 730 Millionen Euro sollen die 16 Clubs aus einem von Gazprom initiierten Fond aus Werbegeldern, TV-Einnahmen und Merchandising erhalten. "Es wäre genug, um die Vereine unabhängiger von ihren Besitzern zu machen", so Kalaschnikow. Doch die Pläne scheitern bisher an dem Widerstand der meisten ukrainischen Vereine, die finanziell mit den russischen Clubs nicht mithalten können, sowie an einem Nein der Uefa.

So konzentriert sich Zenit zur Zeit auf sich selbst. Mit einem neuen Stadion, das spätestens in zwei Jahren fertiggestellt werden soll, bieten sich dem Verein neue Einnahmequellen. Zudem arbeitet die Vereinsführung weiterhin an der Professionalisierung des Clubs. Fraglich ist aber, ob die Zenit-Besitzer bis dahin ohne große europäische Titel leben können. Journalist Kalaschnikow hat da jedenfalls seine Zweifel: "Die Gazprom-Bosse wollen immer Titel. Deswegen kann es sein, dass sie noch einmal viel Geld für neue Spieler investieren werden. Bevor das Financial Fair Play mit all seinen Regeln in Kraft tritt."

insgesamt 24 Beiträge
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hobbyleser 25.02.2014
1. Klar!
Klar will die UEFA Financial Fair Play. Das sieht man doch in Brasilien und Katar. Das sieht man an dem steuerlichen Schaden, den diese korrupte Sportart in Spanien und sonstwo anrichtet. Das sieht man an den enormen Sicherheitskosten, die diese fairplayer dem Steuerzahler mit jedem Polizeieinsatz überhelfen, weil ihre Fans gewalttätig sind.
marcmoves 25.02.2014
2. Financial Fair Play
Solange man Schlupflöcher wie das 200 mio Sponsoring von PSG zulässt gibt es de facto kein Financial Fair Play.
stefansaa 25.02.2014
3.
Zitat von hobbyleserKlar will die UEFA Financial Fair Play. Das sieht man doch in Brasilien und Katar. Das sieht man an dem steuerlichen Schaden, den diese korrupte Sportart in Spanien und sonstwo anrichtet. Das sieht man an den enormen Sicherheitskosten, die diese fairplayer dem Steuerzahler mit jedem Polizeieinsatz überhelfen, weil ihre Fans gewalttätig sind.
Alte Leier im Kasten? Schauen Sie sich mal an, was die Bundesliga Clubs an Steuern jährlich bezahlen. Rechnen Sie dagegen mal die Kosten für die Polizeieinsätze. Danach bleibt immer noch ein ziemlich dickes Plus für Vater-Staat. Beim Rest geben ich Ihnen Recht. Die UEFA / FIFA wird sich kaum selbst ins Fleisch schneiden und Fiancial Fairplay wirklich einführen.
Boesor 25.02.2014
4.
mal sehen, Gazprom sponsort also die UEFA und soll tatsächlich in Sachen FFP bestraft werden? Na sicher...
frenchhornplayer85 25.02.2014
5. optional
das fairplay wird niemals so durchgesetzt wie es sollte! da haben leider zuviele der großen tiere etwas dagegen! wobei es für den deutschen fußball durchaus gut wäre, denn es gibt hier ein paar sehr gesunde vereine! der fcb würde seine position damit sogar stärken, weil vereine wie real und barca erstmal probleme bekämen! der bvb wäre dann auch gut aufgetsellt usw!
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