Dortmund weiter ungeschlagen Stiller Sieg

Wochenlang marschierte Borussia Dortmund durch die Liga. Mittlerweile ist das Team müde, gewinnt seine Spiele aber trotzdem. Trainer Lucien Favre hat Verständnis für den Stimmungsboykott der BVB-Fans.

Paco Alcacer (links) und Achraf Hakimi
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Paco Alcacer (links) und Achraf Hakimi


Die Lust an der Tabellenführung: Der BVB unter Lucien Favre sorgt derzeit dafür, dass die Meisterfrage in der Bundesliga wieder spannend ist: Tabellenführung, solider Vorsprung vor den Bayern, ungeschlagen in der Liga und dann kam auch noch der Lieblingsgegner: Gegen keinen anderen aktuellen Bundesligisten hat der SC Freiburg eine so geringe Siegquote wie gegen Dortmund (acht Prozent). In 36 Bundesliga-Spielen gelangen dem SCF nur drei Siege gegen den BVB (10 Remis, 23 Niederlagen). Ganz gute Vorzeichen, oder?

Das Ergebnis: Ja. Dortmund gewinnt 2:0 (1:0) und baut mit 33 Punkten zunächst den Vorsprung auf den Tabellenzweiten, Borussia Mönchengladbach aus (26 Punkte). Die Gladbacher müssen am Sonntag gegen RB Leipzig nachlegen, um den BVB nicht weiter enteilen zu lassen. Freiburg ist 13. (14 Punkte).

Die erste Hälfte: Es ist ein wenig schwieriger, gegen Mannschaften zu spielen, die mit Fünferkette spielen. Du hast weniger Lücken als wenn du gegen eine Viererkette spielst", hatte BVB-Trainer Lucien Favre vor dem Spiel gesagt. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung des Schweizer: Gegen die defensiv spielenden Freiburger tat sich Dortmund zunächst schwer, obwohl die Gastgeber mit rund 70 Prozent Ballbesitz das Spiel unter Kontrolle hatten. Der BVB brauchte einen Strafstoß: Im Strafraum trat Dominique Heintz Sancho auf den Fuß, Marco Reus verwandelte mit einem Schuss in die Mitte des Tores (39.). Wenig später machte Jérome Gondorf den Freiburgern ein wenig Hoffnung, als sein ausgeführter Freistoß aus rund 25 Metern an die Unterkannte der Latte sprang (44.).

Stellen Sie sich vor, es ist Fußball und niemand singt und jubelt: In der ersten Hälfte des Spiels herrschte relative Stille in Dortmund. Zumindest auf der Südtribüne. Stadionatmosphäre unter Wasser quasi. Der Grund? Die Fans protestierten mit dem Stimmungsboykott gegen die ungeliebten Montagsspiele in den Ligen. Zwar soll es diese ab der Saison 2021/22 nicht mehr geben, darauf haben sich die Klubs geeinigt. Dies gilt zunächst jedoch nur für die Bundesliga. "Ich würde alle Spiele am Montag total verbieten. Das ist lächerlich", sagte Favre nach der Partie. "Ich bedauere es für uns, weil sie uns viel bringen, wenn sie da und laut sind. Wir haben das gern und brauchen das", sagte er, betonte aber: "Ich verstehe die Leute, die protestieren, total."

Fanproteste im Westfalenstadion
REUTERS

Fanproteste im Westfalenstadion

Die zweite Hälfte: Dortmund dominierte auch die ersten Spielminuten der zweiten Hälfte, konnte die gute Chance zum 2:0 durch Reus direkt nach Wiederanpfiff zunächst jedoch nicht nutzen (47.). Die Gäste kamen in dieser Zeit kaum aus der eigenen Hälfte heraus, seit dem Freistoß von Gondorf wurden die Nerven von BVB-Keeper Roman Bürki geschont. Es sollte der einzige Schuss aufs Dortmunder Tor bleiben. Die Hausherren verwalteten ab der 60. Minute vor allem ihre knappe Führung. Wie schon beim 2:1-Sieg gegen Mainz am vergangenen Spieltag zeigte sich Favres Team phasenweise müde und war weit entfernt von jenem Offensivfußball, mit dem sie zu Beginn der Saison begeisterten. Es brauchte Joker Paco Alcácer, der nach seiner Einwechslung mit seinem neunten Jokertor den 2:0-Sieg perfekt machte.

Toptorjägergespann: Durch seinen Treffer zum 1:0 erzielte Marco Reus sein 13. Tor für den BVB in diesem Kalenderjahr. 2013 schaffte er das schon einmal. Mehr Treffer gelangen dem BVB-Kapitän noch nie innerhalb eines Jahres in der Bundesliga. Geht da noch mehr 2018? Vier Spieltage sind noch Zeit und Reus' Form stimmt.

Mit dem Treffer ins Freiburger Tor zog er zunächst mit Dortmunds Joker und Toptorschützen Alcácer gleich. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt neun Saisontore und führten die Torjägerliste mit Sébastian Haller und Luka Jovic (beide Eintracht Frankfurt) an. Doch Alcácer wäre nicht Alcácer - vor allem, wenn er von der Bank kommt. Mit seinem Treffer zum 2:0 steht er wieder ganz alleine ganz oben in der Liste.

Mann auf Bank: Das Bild, vor dem die Liga zittert - Paco Alcácer
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Mann auf Bank: Das Bild, vor dem die Liga zittert - Paco Alcácer

Streichergebnis: Von dem SC Freiburg war mit Ausnahme der leuchtend blauen Auswärtstrikots an diesem Spieltag wenig zu sehen - schon gar nicht im Dortmunder Strafraum. Kein besonders schönes Jubiläum für Christian Streich, der weiter auf seinen 100. Pflichtspielsieg mit dem SC warten muss. Der Trainer stand zum 200. Mal für den SC Freiburg in der Bundesliga an der Seitenlinie. Öfter, nämlich 340 Mal, tat dies nur Volker Finke.

Doch wie das an diesem Tag so war: Der BVB war der Matchwinner. Und erfolgreicher als Streich ist Favre dann auch in der Statistik. Fazit: Wenige Wolken am Dortmunder Horizont - und das im Dezember-Schmuddelwetter.

Borussia Dortmund - SC Freiburg 2:0 (1:0)
1:0 Reus (40., Foulelfmeter)
2:0 Alcácer (90.+1)
Dortmund: Bürki - Piszczek, Diallo, Zagadou (37. Toprak), Hakimi - Witsel, Delaney - Sancho, Reus (81. Philipp), Bruun Larsen - Mario Götze (70. Alcácer)
Freiburg: Schwolow - Gulde, Koch, Heintz - Stenzel, Haberer, Gondorf (77. Kleindienst), Günter - Waldschmidt, Petersen (78. Höler), Frantz (68. Ravet)
Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Piszczek - Haberer

Mit Material vom sid 

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
fizzybubblech 01.12.2018
1. Semper Fi BvB!
Immer weiter so! Das macht einen wahren Meister aus: nicht immer spektakulär spielen, sondern trotzdem gewinnen!
forky 02.12.2018
2. Reus und die 10
Marco Reus ist wirklich ein sehr guter Spieler, aber auf der 10 ist er keine Weltklasse. Irgendwie verschenkt. Ich meine sogar, dass er dort immer mehr abbaut. Gestern hatte er doch sehr viele Ballverluste. Favre beraubt sich selbt seiner Möglichkeiten, wenn sich Götze und Alcacer die 9 teilen, Reus die 10 nicht perfekt ausfüllt und auf den Flügeln formschwache Newcomer spielen. Reus ist Weltklasse als 8 oder 11. Aber nicht auf der 10. Und von den restlichen Flügelflitzern ist derzeit nur Sancho in Form, Pulisic und Larsen sind seit September völlig von der Rolle. Sowohl Götze als auch Kagawa sind auf der 10 stärker als Reus. Also wäre es schön, einmal Alcacer auf der Neun, Götze auf der 10 und Reus und Sancho auf den Flügeln spielen zu lassen. Dann gibt es auch wieder ein Mittelfeldspiel.
gammoncrack 02.12.2018
3. Jetzt kann man nur hoffen,
Zitat von forkyMarco Reus ist wirklich ein sehr guter Spieler, aber auf der 10 ist er keine Weltklasse. Irgendwie verschenkt. Ich meine sogar, dass er dort immer mehr abbaut. Gestern hatte er doch sehr viele Ballverluste. Favre beraubt sich selbt seiner Möglichkeiten, wenn sich Götze und Alcacer die 9 teilen, Reus die 10 nicht perfekt ausfüllt und auf den Flügeln formschwache Newcomer spielen. Reus ist Weltklasse als 8 oder 11. Aber nicht auf der 10. Und von den restlichen Flügelflitzern ist derzeit nur Sancho in Form, Pulisic und Larsen sind seit September völlig von der Rolle. Sowohl Götze als auch Kagawa sind auf der 10 stärker als Reus. Also wäre es schön, einmal Alcacer auf der Neun, Götze auf der 10 und Reus und Sancho auf den Flügeln spielen zu lassen. Dann gibt es auch wieder ein Mittelfeldspiel.
dass Favrè Ihren Kommentar schnellstens zu Kenntnis bekommt. So kann er endlich den BVB wieder zurück auf die Erfolgsspur bringen. So wie bisher geht es einfach nicht weiter.
il_phenomeno 02.12.2018
4. hoffe der reus
bleibt fit! außergewöhnlich gut. einer der besten der Welt, wenn seine Verletzungen nicht sind. Macht als nicht BVB Fan Spaß so einen Spieler zu sehen und ihn dann bei der em für Deutschland zu sehen.
skeptikerjörg 02.12.2018
5.
Zitat von forkyMarco Reus ist wirklich ein sehr guter Spieler, aber auf der 10 ist er keine Weltklasse. Irgendwie verschenkt. Ich meine sogar, dass er dort immer mehr abbaut. Gestern hatte er doch sehr viele Ballverluste. Favre beraubt sich selbt seiner Möglichkeiten, wenn sich Götze und Alcacer die 9 teilen, Reus die 10 nicht perfekt ausfüllt und auf den Flügeln formschwache Newcomer spielen. Reus ist Weltklasse als 8 oder 11. Aber nicht auf der 10. Und von den restlichen Flügelflitzern ist derzeit nur Sancho in Form, Pulisic und Larsen sind seit September völlig von der Rolle. Sowohl Götze als auch Kagawa sind auf der 10 stärker als Reus. Also wäre es schön, einmal Alcacer auf der Neun, Götze auf der 10 und Reus und Sancho auf den Flügeln spielen zu lassen. Dann gibt es auch wieder ein Mittelfeldspiel.
Bei soviel fußballerischem Sachverstand, kritischem Blick und taktischem Gespür bleibt nur eine Frage offen: Warum ist der Mann nicht Trainer? Mindestens die halbe Bundesliga würde sich um Sie reißen und selbst Dortmund müsste nicht mit so einem Versager wie Favre Vorlieb nehmen.
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