Der BVB im Titelkampf Es ist vorbei

Borussia Dortmund zeigte in Bremen nach der Derby-Niederlage eine starke Reaktion. Bis Roman Bürki und Manuel Akanji zwei haarsträubende Fehler produzierten. Der BVB ist zu instabil für den Titel.

Paco Alcácer
Oliver Hardt Getty Images

Paco Alcácer

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Sahins Erbarmen reicht nicht: Die Gefühlslage bei Borussia Dortmund war nach der 2:4-Niederlage gegen den FC Schalke extrem bescheiden. Das zeigte sich am resignierenden Trainer Lucien Favre, aber auch an der SPIEGEL-Fan-Expertin Larissa Grösch, die vor dem Spiel bei Werder Bremen orakelte: "Aktuell glaube ich am ehesten, dass wir sang- und klanglos untergehen. Aber vielleicht hat Nuri Sahin ja Erbarmen und schießt drei Eigentore." So kam es nicht, aber ein Ballverlust des Dortmunder Urgesteins im Bremen-Trikot leitete den zweiten Treffer des BVB von Paco Alcácer ein. Für einen Sieg langte es trotzdem nicht.

Das Ergebnis: Der BVB verspielte eine 2:0-Führung, am Ende reichte es in Bremen nur zu einem 2:2.

Erste Hälfte: Nach der Roten Karte gegen Schalke fehlte BVB-Kapitän Marco Reus gesperrt, er wird auch kommende Woche im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf nicht dabei sein. Statt Reus spielte Mario Götze im Zentrum hinter Angreifer Alcácer, neu im Team war Christian Pulisic auf der Außenbahn. Und dieses Trio zeichnete sich für eine - siehe Erwartungshaltung - erstaunlich souveräne Leistung im ersten Durchgang verantwortlich:

  • Pulisic traf nach einem langen Solo zur Führung (6. Minute) und holte den Freistoß vor dem 0:2 heraus,
  • Götze spielte einige kluge Pässe und machte Sahins Ballverlust mit einem langen Ball auf Alcácer erst richtig gefährlich,
  • und Alcácer verwandelte den anschließenden Freistoß mit einer Schusstechnik, die an große Freistoßschützen wie Lionel Messi erinnert, die er im Training in Dortmund aber regelmäßig zeigt.

Die Bremer Luft war raus: Es ist gerade mal zwei Wochen her, da stand Werder ohne Niederlage im Jahr 2019 auf dem achten Tabellenrang nur zwei Punkte hinter den Europapokalplätzen. Es folgten zwei emotionale Niederlagen gegen den FC Bayern (eine davon im DFB-Pokal) und seitdem scheint das Team von Trainer Florian Kohfeldt den Glauben an eine Rückkehr in die Europa League verloren zu haben. Schon die 1:4-Niederlage in Düsseldorf hatte gezeigt, wie die Leistungskurve der Schlüsselspieler Max Kruse, Maximilian Eggestein oder Davy Klaassen nach unten zeigt.

Zweite Hälfte: Und warum gewinnt Borussia Dortmund dieses Spiel dann nicht? Weil das Team von Trainer Favre zum wiederholten Male nicht in der Lage war, einen Vorsprung zu kontrollieren. In Bremen lag das an den individuellen Fehlern von Roman Bürki und Manuel Akanji. Der Schweizer Torwart ließ einen haltbaren Schuss von Kevin Möhwald durch die Beine rutschen (70.) und Landsmann Akanji verschätzte sich beim Abschirmen eines Balls an der Torauslinie und ermöglichte so den Ausgleichstreffer von Claudio Pizarro (75.).

Das leidige Handthema: An diesem Spieltag gab es bereits drei Schiedsrichter-Entscheidungen, die die aktuelle Handhabe bei Handelfmetern nicht nachvollziehbar machen. In Bremen setzten Schiedsrichter Marco Fritz und Video-Assisten Frank Willenborg noch einen drauf: Nach einem Eckball sprang der Ball an den Arm von Mario Götze. Fritz entschied nicht auf Elfmeter, wurde dann aber von Willenborg in die Review-Area gebeten - und entschied sich nach Ansicht der eindeutigen Bilder erneut gegen einen Elfmeter.

"Es ist erst vorbei, wenn's vorbei ist": Die Dortmunder Fans hatten die BVB-Spieler vor dem Anpfiff mit einem großen Banner begrüßt, der Hoffnung verbreiten sollte. So traten die Dortmunder dann auch 60 Minuten lang auf. Nun liegt der BVB bei noch zwei ausstehenden Spielen vier Punkte hinter Tabellenführer FC Bayern und deshalb gibt es nur ein Fazit: Es ist vorbei.

Banner der Dortmunder Fans
DPA

Banner der Dortmunder Fans

Werder Bremen - Borussia Dortmund 2:2 (0:2)
0:1 Pulisic (6.)
0:2 Alcácer (41.)
1:2 Möhwald (70.)
2:2 Pizarro (75.)
Bremen: Pavlenka - Friedl, Veljkovic, Langkamp, Augustinsson - M. Eggestein, Sahin (60. Möhwald), Klaassen - Osako (60. Pizarro), Kruse, Rashica.
BVB: Bürki - Akanji, Weigl, Diallo (90. Philipp), Guerreiro - Witsel, Delaney (83. Dahoud) - Sancho, Götze (83. Bruun Larsen), Pulisic - Alcácer.
Schiedsrichter: Fritz
Gelbe Karten: Friedl, Klaassen - Weigl
Zuschauer: 42.100

insgesamt 88 Beiträge
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Seite 1
eurusiii 04.05.2019
1. Es ist erst vorbei,
wenn die dicke Dame gesungen hat. Noch ist rechnerisch alles möglich oder ist der SPON Reporter mit Herrn Favre verwandt ?
binnenfuchs 04.05.2019
2. Es ist vorbei,
wenn man in der entscheidenden Phase der Meisterschaft zweimal nicht nur einfach verliert sondern untergeht und wenn man ein Spiel nach einer Zweitoreführung nicht gewinnen kann. Völlig egal, wie viele dicke Damen noch singen oder nicht singen werden. Dumm vergeigt, bleibt dumm vergeigt.
minga1972 04.05.2019
3. Es ist verdient....
Ein gnädiges 0:5 gegen Bayern, 2:4 zuhause gegen Schalke (mit zwei roten Frust-Treten-Roten), eine blamable Saison in CL und Pokal. Da müsste man schon sehr die schwarz-gelbe Brille aufhaben, würde man in dieser Situation den Meistertitel für gerechtfertigt halten.
hoppelkaktus 04.05.2019
4. @eurusiii, #1
Es hat sich nun mal leider erwiesen, dass es heuer keine schwarzgelbe Dicke Dame gibt, die in der Not auch mal ihren Giftstachel auspackt und auf dem Platz für Dortmund noch im letzten Augenblick die Kohlen aus dem Feuer holt. Und daher bleibt vorbei vorbei und sonst is gezz eben nix mehr. Bsss...
Oihme 04.05.2019
5. Der BVB ...
Zitat von minga1972Ein gnädiges 0:5 gegen Bayern, 2:4 zuhause gegen Schalke (mit zwei roten Frust-Treten-Roten), eine blamable Saison in CL und Pokal. Da müsste man schon sehr die schwarz-gelbe Brille aufhaben, würde man in dieser Situation den Meistertitel für gerechtfertigt halten.
... hat die Bayern im Hinspiel besiegt und ist zusammen mit den Bayern im Achtelfinale der CL ausgeschieden. Wieso halten Sie den Meistertitel der Bayern für gerechtfertigter?
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