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BVB vs. Zenit: Dortmunds glückliche Niederlage

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BVB im Champions-League-Viertelfinale Dortmunder Spieler rechnen mit den Fans ab

Borussia Dortmund steht im Viertelfinale der Champions League - doch die Stimmung nach dem Weiterkommen gegen Zenit St. Petersburg ist getrübt: Kapitän Kehl, Großkreutz und Sahin monieren die zu große Erwartungshaltung der Zuschauer.

Hamburg - Der Kür folgte die Pflicht. 4:2 hatte Borussia Dortmund das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Zenit St. Petersburg gewonnen und dabei begeisternden Fußball geboten. Im Rückspiel zu Hause reichte dieser Vorsprung, der BVB zog trotz einer 1:2 (1:1)-Niederlage wie im vergangenen Jahr in die Runde der besten Acht ein.

Die schlechten Nachrichten für die Dortmunder an diesem Abend: Top-Stürmer Robert Lewandowski (sechs Tore in acht Champions-League-Spielen) sah seine dritte Gelbe Karte und ist im Viertelfinal-Hinspiel gesperrt. Zudem verletzte sich Marcel Schmelzer und musste ausgewechselt werden. Und vor allem: Es gab ein Nachspiel zwischen den Dortmund-Profis und den eigenen Fans - weil es Unmutsbekundungen auf der Tribüne gab wegen des schlechten Dortmunder Spiels.

Für die kritische Reaktion der Fans brachte BVB-Kapitän Sebastian Kehl nur wenig Verständnis auf: "Normalerweise sollten Heimspiele ein positives Erlebnis sein und nicht das Gefühl vermitteln, dass man ein Verbrechen begangen hat." Er sprach von einer "trüben Stimmung". "So etwas hat die Mannschaft nicht verdient", klagte Routinier Kehl, "einige Spieler beschäftigt das sehr."

Ähnlich sah es Kevin Großkreutz: "Das gefällt mir gar nicht in letzter Zeit. Irgendwann reicht es auch mal. Bei jedem Ballverlust wird gestöhnt, die Zuschauer sollen nicht so verwöhnt sein." Mittelfeldspieler Nuri Sahin assistierte: "Ich habe das Gefühl, dass wir uns bei den Zuschauern dafür entschuldigen müssen, dass wir unter den letzten Acht in der Champions League stehen. Das soll uns erst einmal einer nachmachen."

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Dortmund in der Einzelkritik: Starke Altstars, schwache Abschlüsse

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Auch Trainer Jürgen Klopp monierte die überzogene Erwartungshaltung: "Wir müssen als Borussia Dortmund lernen, dass sich ein großer Erfolg auch manchmal hinter einer 1:2-Niederlage versteckt." Er wollte sich von den kritischen Fans nicht die Stimmung vermiesen lassen - und sagte: "Im Viertelfinale ist die Crème de la Crème des europäischen Fußballs - und wir. Leider geil."

"Wichtig ist: Wir sind weiter", sagte Lewandowski, dessen Team die erste große Chance des Spiels hatte. Nach Flanke von Schmelzer köpfte Pierre-Emerick Aubameyang aus fünf Metern freistehend am leeren Tor vorbei (5. Minute). Zenit-Torwart Wjatscheslaw Malafejew war im Rücken des BVB-Profi ins Leere gehechtet.

Weitaus schwieriger war die Ausgangsposition von Hulk - doch der Stürmer-Star der Gäste machte es besser als Aubameyang. Der Brasilianer zog nach einer Viertelstunde aus rund 25 Metern mit links ab, der Ball schlug unhaltbar für Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller neben dem linken Pfosten ein.

St. Petersburg hätte für ein Weiterkommen zwei weitere Tore benötigt, doch der BVB wollte sich nicht auf seinen Vorsprung verlassen. Der Gegentreffer war wie ein Weckruf für die Gastgeber, fortan bestimmte die Borussia das Spiel. Den Rechtsschuss von Kevin Großkreutz lenkte Malafejew gekonnt über die Latte (22.). Auf der anderen Seite vergab Oleg Shatov eine gute Möglichkeit für Zenit (37.), sein Schuss ging knapp am Dortmunder Tor vorbei.

Es hätte das 2:0 für St. Petersburg sein können, womit es in der Dortmunder Arena richtig spannend geworden wäre - stattdessen fiel eine Minute später der Ausgleich. Allerdings hätten wohl nicht wenige Torhüter eines Champions-League-Teilnehmers den Kopfball von Sebastian Kehl nach Flanke von Schmelzer gehalten. Malafejew aber schaufelte den Ball ins eigene Netz, anstatt ihn zur Seite zu lenken. Drei Treffer hätten die Russen nun noch erzielen müssen. Doch ihnen gelang nur noch das 2:1 durch José Rondón.

Mit dem BVB und dem FC Bayern, der den FC Arsenal ausschaltete, stehen zwei Bundesligisten im Viertelfinale. Ebenfalls für die Runde der besten Acht qualifiziert haben sich Manchester United, das sich doch noch gegen Olympiakos Piräus durchsetzte, der FC Chelsea, Atlético und Real Madrid, der FC Barcelona sowie Paris St. Germain. Die Auslosung für das Viertelfinale findet am Freitag in Nyon statt (12 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Jetzt gibt es nur noch Hammerlose. Ein Wunschlos gibt es nicht", sagte Kehl.

Borussia Dortmund - Zenit St. Petersburg 1:2 (1:1)
0:1 Hulk (16.)
1:1 Kehl (38.)
1:2 Rondon (73.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer (77. Durm) - Sahin, Kehl - Aubameyang (90.+1 Hofmann), Mchitarjan (69. Jojic), Großkreutz - Lewandowski
St. Petersburg: Malafejew - Anjukow, Hubocan, Lombaerts (46. Neto), Criscito - Witsel, Faisulin (84. Smolnikow) - Hulk, Schatow, Danny - Kerschakow (62. Rondon)
Schiedsrichter: Undiano Mallenco (Spanien)
Zuschauer: 65.829 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Lewandowski (3), Kehl (2), Jojic - Lombaerts (2)
Torschüsse: 11:10
Ecken: 8:1
Ballbesitz in Prozent: 48:52

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ham/tok/dpa
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