Dortmunds Saisonbilanz Sehr gut, aber

21 Punkte mehr als in der Vorsaison holte Vizemeister Dortmund - und dennoch schwingt die Erkenntnis mit: Es wäre mehr drin gewesen. Marco Reus nennt Gründe, warum es nicht geklappt hat.

Die BVB-Spieler nach dem 2:0-Sieg in Mönchengladbach
Sascha Steinbach/EPA-EFE/REX

Die BVB-Spieler nach dem 2:0-Sieg in Mönchengladbach

Von , Dortmund


Die Stadt Dortmund veröffentlichte am Samstagabend einen "wichtigen Hinweis" auf ihrer Homepage: "Am Sonntag wird es keinen Korso geben." Die Schilder, die auf Sperrungen hinwiesen, waren auch schon schnell abgebaut worden. Ein laminiertes Papier mit der Aufschrift "Glas verboten" hatten sie jedoch am Borsigplatz vergessen.

Dort, nahe der Gründungsstätte des Ballspielvereins Borussia Dortmund, hätten sie liebend gern für einen Tag ihr Bier aus Plastikbechern getrunken und den Spielern auf einem schwarz-gelben Truck zugejubelt. Doch nun saßen sie da und tranken ihr Pils aus Gläsern, während auf dem Bildschirm in einer Kneipe Bayern Münchens Franck Ribéry mit der Meisterschale zu sehen war.

Nur wenig gefehlt

Etwa zeitgleich kam ein paar Kilometer weiter östlich der Mannschaftsbus von einer Dienstreise aus Mönchengladbach wieder, die einen 2:0-Sieg brachte. Auf dem Trainingsgelände im Vorort Brackel saßen Spieler, Betreuer und Trainer noch ein bisschen zusammen, um eine Saison ausklingen zu lassen, in der "uns wenig gefehlt hat", wie Cheftrainer Lucien Favre sagte.

Hans-Joachim Watzke rechnete vor: "Wenn wir ein Spiel mehr gewonnen hätten, wären wir deutscher Meister geworden." Der Geschäftsführer schob nach: "Das drückt das ein bisschen." Er meinte die positiven Aspekte, die er zuvor aufgezählt hatte: mit 76 Punkten das drittbeste Ergebnis des Vereins in der Geschichte eingefahren zu haben und den Umstand, die Bundesliga "bis zum Schluss spannend gehalten" zu haben.

Bayern mit anderer Mentalität

Marco Reus sprach lange über die "Supersaison", in der doch etwas fehlte: "Wir waren nahe dran, aber in den entscheidenden Momenten war Bayern einen Tick besser. Sie haben eine gewisse Erfahrung und eine andere Mentalität gezeigt in gewissen Spielen." Eben jene Erfahrung "und vielleicht auch die Gier, dass in dieser Saison unheimlich viel drin ist", habe er beim BVB vermisst.

Reus als Kapitän nannte die Spiele gegen Schalke (2:4) und in Bremen (2:2 nach 2:0-Führung) als Ursache dafür, dass es nur zum zweiten Platz reichte. Torwart Roman Bürki erinnerte an die erste von vier Niederlagen (1:2 bei Fortuna Düsseldorf) und das 0:0 gegen den 1. FC Nürnberg: "Diese Teams musst du auswärts schlagen."

Bis Anfang Juli sind die meisten Spieler nun im Urlaub. "Ich freue mich darauf, mal ein bisschen weg zu kommen von dem Ganzen", sagte Bürki. Die Verantwortlichen werden die Zeit nutzen, um den Kader zu verändern. Es läuft auf deutlich weniger Wechsel als im vergangenen Sommer hinaus.

Schulz und Hazard wohl fix

Nico Schulz von der TSG Hoffenheim und Gladbachs Thorgan Hazard gelten als Zugänge, die nur noch offiziell bekanntgegeben werden müssen. Als Abgang steht Christian Pulisic fest. Die Ablösesumme von 64 Millionen Euro, die Chelsea für ihn bezahlte, reicht aus, um die beiden Neuen zu finanzieren. Was noch geplant ist, bleibt offen. Einem wuchtigen Mittelstürmer, der im Kader fehlt, steht Favre eher skeptisch gegenüber.

Lucien Favre weiß die Bayern in Sichtweite
Wolfgang Rattay/REUTERS

Lucien Favre weiß die Bayern in Sichtweite

Die grundsätzliche Qualität des BVB dürfte in etwa gleich bleiben. "Wir werden wieder eine sehr gute Mannschaft haben und auch in der kommenden Saison versuchen, bis zum Ende alles offenzuhalten", sagte Reus. Watzke kündigte an: "Wir werden versuchen, auch in den nächsten Jahren wieder anzugreifen. Das ist ambitioniert, aber wir werden es versuchen."

Plädoyer für Trainer von Hecking

Gladbachs Trainer Dieter Hecking, der seine Mannschaft in die Europa League führte, aber gehen muss, hielt auch wegen der Spekulationen um die Zukunft von Meistertrainer Niko Kovac ein flammendes Plädoyer für einen besseren Umgang mit Fußballlehrern. Er gab dabei auch zu bedenken, dass die Klubs "realistisch bleiben" müssten in ihren Zielsetzungen.

Lucien Favre wich der Frage, ob es realistisch sei, im kommenden Mai mit dem Truck um den Borsigplatz zu fahren, aus. "Wir waren nahe dran", wiederholte er den Abriss einer Saison, die Borussia Dortmund in Erinnerung behält als: sehr gut, aber …



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scooby11568 19.05.2019
1. Die Leistungen des BVB in dieser Saison...
Sind beachtlich. Junges Team, viele Neue inklusive Trainer. Auf eine gute nächste Saison.
Rhinkiekerrees@gmail.com 19.05.2019
2. Favre sollte gehen
Einer der ersten Trainer in der kommenden Saison wird Favre sein. Immer mehr Mannschaften die sich auf das System BVB einstellen. Er kann auch bei der Mannschaft nicht die Begeisterung rausholen wenn es mal schlechter läuft. Da hat Bayern eine andere Mentalität
skeptikerjörg 19.05.2019
3. Danke
Der BVB hat eine Super-Saison gespielt. Niemand, selbst die glühendsten Optimisten hätten vor Beginn der Saison erwartet oder gehofft, dass man den Bayern bis zum letzten Spieltag Paroli bieten würde. Das es zum ganz großen Wurf nicht gereicht hat, tut daran keinen Abbruch. Natürlich ist man auch etwas enttäuscht, wenn man so nah dran war, aber letztlich nur kurz. Mannschaft, Trainer und das ganze Team drum herum haben uns Fans überwiegend viel Freude bereitet und die positiven Momente überwogen die negativen. Die Fans gestern im Stadion in M'gladbach haben das klar und eindeutig zum Ausdruck gebracht. Ich wurde 1974 Mitglied im BVB, die Mannschaft spielte in der 2. Bundesliga Nord und habe seit dem Höhen und Tiefen miterlebt. Klar würde ich gerne auch nochmal die Schüssel in Dortmund sehen, aber glaubt mir, es gab schlimmere Ereignisse als eine Vizemeisterschaft. Also, durchschnaufen, Ärmel hochkrempeln und in der nächsten Saison einen neuen Angriff starten. Wird nicht leichter werden als jetzt, aber irgendwie kochen auch die Bayern nur mit Wasser. Etwas mehr Siegermentalität, etwas mehr Selbstvertrauen, etwas weniger das eigene Licht unter den Scheffel stellen, dann geht was. Danke für eine geile Saison.
macfan 19.05.2019
4. Favre sollte bleiben
Zitat von Rhinkiekerrees@gmail.comEiner der ersten Trainer in der kommenden Saison wird Favre sein. Immer mehr Mannschaften die sich auf das System BVB einstellen. Er kann auch bei der Mannschaft nicht die Begeisterung rausholen wenn es mal schlechter läuft. Da hat Bayern eine andere Mentalität
Favre ist sicher nicht ein Motivator wie Klopp. Dafür macht er die Spieler in der Technik besser. Mit 76 Punkten (drittbeste BVB-Saison!) und einer Fast-Meisterschaft hat er weit mehr erreicht als alle vor der Saison erwartet hätten. Da sehe ich überhaupt keinen Grund, den Trainer zu wechseln.
Oihme 19.05.2019
5. Abgestellt ...
... darauf, was der BVB in dieser Saison hätte erreichen können, ist die Vizemeisterschaft natürlich eine gewisse Enttäuschung, betrachtet man aber, woher der BVB im letzten Jahr kam, immer noch eine kleine Sensation. Kein Vorwurf also an Trainer und Mannschaft, dass der unerwartet gute Probelauf dieser runderneuerten, jungen Mannschaft am Ende doch nicht zum Titel führte. Die Vorzeichen sind gut, dass der BVB auch in den nächsten Spielzeiten um die Titel mitspielt, dass hingegen die Konkurrenz wieder uneinholbar davonzieht, ist von beiden Möglichkeiten sicherlich die etwas gewagtere Prognose.
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