Kader-Planung beim BVB Die Neuen sind da, was passiert mit den Alten?

Drei Nationalspieler hat Borussia Dortmund bereits verpflichtet, das kann sich sehen lassen. Doch jetzt muss Manager Zorc andere Profis loswerden - denn auch sieben Leihspieler könnten zurückkommen.

Von , Dortmund


Die Vermutung, dass Michael Zorc schnell in den Urlaub wolle, lag nahe. Exakt 24 Stunden und 24 Minuten lagen zwischen den Mitteilungen Borussia Dortmunds, dass der Verein die Nationalspieler Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt unter Vertrag genommen habe. Das sieht auf den ersten Blick so aus, als könne der Sportdirektor tatsächlich mal ein paar Tage in die Sonne fliegen und sich in eine Hängematte legen.

Er sollte allerdings ein Ziel mit gutem Netzempfang wählen, denn mindestens sein Mobiltelefon wird er auch in den kommenden Tagen und Wochen gut gebrauchen können.

Zu klären ist etwa noch ein neuer Vertrag mit Trainer Lucien Favre - der aktuelle ist bis zum 30. Juni 2020 gültig. Es ist kaum anzunehmen, dass der BVB mit der Gewissheit in die Saison gehen wird, ständig nach einem neuen Vertrag für den Trainer gefragt zu werden. "Wir besprechen das in Ruhe mit ihm", sagte Zorc dem SPIEGEL.

Früher Pulisic-Transfer half Zorc

Die Sommerpause des BVB hat für Zorc glänzend begonnen, das liegt auch daran, dass es im Winter so gut lief: Am 2. Januar veröffentlichte die Fußballfirma aus dem Ruhrpott an der Börse, dass sie Christian Pulisic für 64 Millionen Euro an den FC Chelsea verkauft, ihn aber für die Rückrunde noch zum Nulltarif ausleihen darf.

"Durch diesen Transfer hatten wir schon früh eine sehr hohe Planungssicherheit", sagte Zorc. Für Brandt, der von Bayer Leverkusen kommen wird, Hazard ( Borussia Mönchengladbach) und Schulz (TSG Hoffenheim) zahlt der BVB zusammengerechnet etwa 15 Millionen Euro mehr, als er für Pulisic einnahm.

Allerdings zahlten die Dortmunder im Laufe der Saison auch schon 23 Millionen Euro für Paco Alcácer, der zunächst nur vom FC Barcelona ausgeliehen war, und 15 Millionen für den argentinischen Innenverteidiger Leonardo Balerdi, der in der Bundesliga noch ohne Einsatz blieb.

In Dortmund will man jetzt offensiver sein - auch verbal

Christian Pulisic
Lars Baron / Getty Images

Christian Pulisic

Am 3. Juli wird der BVB das Training wieder aufnehmen. Schon sechs Wochen vorher ist bei den Zugängen vieles erledigt. Mit diesem Wissen formulierten die Dortmunder auch ihr Saisonziel schon früh. "Es ist an der Zeit, etwas ambitionierter aufzutreten", sagte Hans-Joachim Watzke an dem Tag, an dem er unter anderen mit Zorc und dem Trainer die abgelaufene Spielzeit und die Zukunft besprach.

"Wir werden mit der klaren Maßgabe in die neue Saison gehen, dass wir wieder versuchen werden, um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen", sagte Watzke. Selbst bei neun Punkten Vorsprung hatte der BVB die Ansprüche im vergangenen Winter deutlich defensiver ausgedrückt.

Michael Zorc hält den Strategiewechsel für konsequent: "Was sollen wir denn sagen? Dass wir wieder Zweiter werden wollen?" Der Sportdirektor habe das Gefühl, dass "auch die Mannschaft das will." Also zum einen Meister werden, zum anderen dieses Ziel auch klar zu formulieren.

Was passiert mit Schmelzer?

Marcel Schmelzer
Lars Baron / Getty Images

Marcel Schmelzer

Der Kader sieht so aus, als könne er wieder mehr als 70 Punkte einspielen. Vor allem auf der Position des Linksverteidigers dürfte sich der BVB mit Schulz verstärkt haben. Abdou Diallo, der nach einer kleinen Operation laut Zorc "zum ersten Trainingstag wieder dabei sein wird", und Raphaël Guerreiro waren dort nicht optimal eingesetzt.

Marcel Schmelzer spielte unter Favre keine Rolle mehr. Die sportliche Situation des Fanlieblings ist nach Schulz' Verpflichtung noch schlechter geworden, zumal Achraf Hakimi nach einem Mittelfußbruch zur neuen Saison wieder einsatzbereit sein dürfte. "Wir planen mit Marcel Schmelzer", sagte Zorc. Ob Schmelzer auch mit dem BVB plant, ist offen. Der langjährige Kapitän schweigt öffentlich seit Monaten.

Angenommen, der 19 Jahre alte Rechtsverteidiger Mateu Morey, dessen Verpflichtung von einigen Medien schon als perfekt gemeldet wurde, käme ablösefrei vom FC Barcelona, wären zur neuen Saison 29 Spieler im Kader des BVB mit mehr oder minder guten Einsatzchancen. Hinzu kommen zwei Spieler der U19, die Profiverträge erhielten.

Sieben Leihspieler könnten zurückkehren

André Schürrle
Gareth Fuller / DPA

André Schürrle

Und dann sind da noch die sieben Spieler, die bis zum 30. Juni ausgeliehen sind: Weder André Schürrle ( FC Fulham) noch Jeremy Toljan (Celtic Glasgow), Shinji Kagawa (Besiktas), Sebastian Rode ( Eintracht Frankfurt), Felix Passlack (Norwich City), Dženis Burni ( Dynamo Dresden) und Alexander Isak (Willem II Tilburg) haben eine Perspektive bei der Borussia. Zorc wird viel telefonieren müssen, um die Profis bei anderen Vereinen unterzubekommen.

Auch andere Spieler könnten den Verein noch verlassen. Gerüchteweise werden Julian Weigl, Guerreiro, Maximilian Philipp und Ömer Toprak mit Wechseln in Verbindung gebracht. "Es kann sein, dass auf der Abgabenseite etwas passiert", sagte Zorc über die Gruppe, die auch ohne die zurückkehrenden Leihspieler schon groß ist.

Ob es weitere Zugänge geben könnte, ist offen. Dass Matthias Sammer als externer Berater den kroatischen Stürmer Mario Mandzukic empfohlen habe, um einen körperlich sehr robusten Mittelstürmer als weitere Option zu haben, dementierte der ehemalige Spieler und Trainer des BVB selbst.

Duván Zapata, ein Kolumbianer von Atalanta Bergamo, soll ein Kandidat sein. "Ich habe keine Lust, solche Meldungen ständig zu kommentieren. Das wird immer schlimmer, und das fängt ja jetzt gerade erstmal richtig an in der Sommerpause", sagte Zorc SPIEGEL ONLINE. Er wird trotzdem angerufen werden.

Auch während des Urlaubs, wann immer der auch beginnen mag.

Duván Zapata (r.)
Alessandro Di Marco / AP

Duván Zapata (r.)



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mats73 24.05.2019
1. auf einmal?
mit 9 Punkten Vorsprung hatten sie nicht den Mumm die Meisterschaft als Ziel auszusprechen, für mich ist diese defensive Einstellung der Hauptgrund gewesen, dass es nicht gereicht hat, sie haben selbst nicht daran geglaubt! nach der desolaten Rückrunde, in der 11 Punkte verspielt würden soll auf ein mal das Selbstbewusstsein da sein, das bisher gefehlt hat?? ich bin skeptisch!
gammoncrack 24.05.2019
2. Naja.
Zitat von mats73mit 9 Punkten Vorsprung hatten sie nicht den Mumm die Meisterschaft als Ziel auszusprechen, für mich ist diese defensive Einstellung der Hauptgrund gewesen, dass es nicht gereicht hat, sie haben selbst nicht daran geglaubt! nach der desolaten Rückrunde, in der 11 Punkte verspielt würden soll auf ein mal das Selbstbewusstsein da sein, das bisher gefehlt hat?? ich bin skeptisch!
Ich kenne so einen bekannten Satz wie "Neues Spiel, neues Glück." Es bringt eigentlich wenig, hier den Bezug zur vergangenen Saison herzustellen. Vielleicht verspielen sie wieder 9 Punkte, oder 15, oder gar keine. Was genau passiert, kann man vielleicht schon vor dem letzen Spieltag sagen, wie in den Saisons davor. Vielleicht aber auch erst wieder am letzen Spieltag. Lassen wir uns einfach überraschen.
Walther Kempinski 24.05.2019
3. Ab zum VfB
Wenn der VfB doch noch die Klasse halten kann, dann kann man die alten Spieler dorthin abschieben. Unsere Vereinsführung hat unter Reschke noch alles genommen ü30 und ohne Zukunft.
hausfeen 24.05.2019
4. Das Erfolgsrezept des FCB ist schon immer die hochwertige ...
.... Kaderbreite gewesen. Letzte Saison war genau diese nicht so pralle wie üblich. Deshalb war es auch so knapp. Also Vorsicht bitte mit voreiligen Verkäufen. Lediglich Spieler, die sich ihrem Bergfest nähern, sollte man veräußern.
aggro_aggro 24.05.2019
5. Vernünftig
Ich finde es ganz gut, dass Dortmund Spieler aus der Bundesliga holt. Zwar ist Leverkusen doch noch in die Champions League gerutscht, aber so richtig spannend wird es ja erst im Viertelfinale, und da müssen unsere Nationalspieler öfter spielen. Erst war es ja ganz witzig in der Nationalmannschaft Spieler von Köln, Berlin, Hoffenheim oder Bremen zu sehen, aber entweder sind die nicht wirklich internationale Klasse oder die Bundesliga ist einfach zu ausgeglichen, so dass immer wieder die halbe Nationalmannschaft gegen den Abstieg kämpft.
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