Vertragsverlängerung mit Mario Götze Wie Dortmund den Bayern den Schneid abkauft

Jahrelang war der FC Bayern das Maß aller Dinge in der Bundesliga - auch weil Uli Hoeneß und Co. anderen Clubs die besten Spieler wegkauften. Jetzt funktioniert das nicht mehr. Nach Marco Reus hat Konkurrent Dortmund nun mit Mario Götze das nächste Top-Talent langfristig an sich gebunden.

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Hamburg - In den vergangenen 20 Jahren war die Nahrungskette in der Bundesliga recht eindeutig: Ganz oben stand der FC Bayern, der Rest war ziemlich egal. Zehn Meisterschaften holten die Münchner seit 1992. Auch dank eines Prinzips, dass sie in dieser Zeit hatten: Immer wenn ein anderer Club ihnen den Rang abzulaufen drohte, kauften die Bayern einfach die besten Spieler der Konkurrenz. Beispiele sind die Verpflichtungen von Michael Ballack und Zé Roberto aus Leverkusen sowie der Transfer von Miroslav Klose aus Bremen einige Jahre später.

Aus und vorbei. Denn nun ist den Bayern mit Borussia Dortmund ein ebenbürtiger Rivale erwachsen. Sportlich ohnehin - doch auch abseits des Platzes greifen die altbekannten Mechanismen nicht mehr wie einst. Das hat die Borussia jetzt mit der Vertragsverlängerung von Mario Götze bis 2016 demonstriert. Auch die Bayern sollen interessiert gewesen sein, den Jungstar zu verpflichten.

Mal ganz abgesehen von der internationalen Konkurrenz. Der 19-Jährige soll von Manchester United, Arsenal und zuletzt Juventus Turin umworben worden sein. Selbst der FC Barcelona soll interessiert gewesen sein. Die europäischen Top-Clubs hätten für den deutschen Nationalspieler rund 40 Millionen Euro bezahlt. Doch der BVB hat Götze gehalten.

"Einen Spieler, der wie kaum ein anderer im Fokus der Öffentlichkeit steht, so lange an uns zu binden, ist auch ein Signal dafür, was wir hier vorhaben", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Zeitung "Die Welt".

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Vertragsverlängerung: Mario Götze bleibt Dortmund treu
Überraschend kommt die Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht. Der Mittelfeldspieler hatte sich zuletzt sehr positiv über die Verpflichtungen von Marco Reus (bisher Mönchengladbach) und Leonardo Bittencourt (bisher Cottbus) sowie die Perspektive des Clubs geäußert.

Götze weiß, dass er Teil einer neuen Ära der Bundesliga werden kann. Die Mannschaft sei mit ihrer Entwicklung noch lange nicht fertig, sagt der 19-Jährige - "und ich möchte Teil dieser Entwicklung sein". Vor knapp zwei Monaten hatte der BVB bereits die sportliche Führung um Trainer Jürgen Klopp, Sportdirektor Michael Zorc und Watzke bis 2016 gebunden.

"Wir sind sehr froh und auch ein wenig stolz", sagte Zorc, der weiß: Götzes Verlängerung ist auch ein Signal an Shinji Kagawa und Robert Lewandowski. Beide Leistungsträger pokern derzeit noch um einen neuen Kontrakt. "In den kommenden Tagen oder Wochen, nicht Monaten" habe der BVB Klarheit bei Kagawa, hatte Watzke vor einer Woche gesagt. Der Vertrag des in dieser Saison überragenden Japaners läuft im Sommer 2013 aus, Lewandowskis Kontrakt läuft ein Jahr länger.

Transfers und Verlängerungen mit Risiko

Dortmund hat seinen Kader seit der Verpflichtung Jürgen Klopps als Trainer im Jahr 2008 konsequent umgebaut. Der BVB setzt auf herausragende Talente und junge Spieler, die großes Entwicklungspotential haben. Zur Stammelf gehören nur zwei Profis, die älter als 26 Jahre sind. Mit ihrem Konzept hat die Borussia Erfolg: Nach dem Titel 2011 ist der Club gegenwärtig mit fünf Punkten Vorsprung auf die Bayern Tabellenführer.

Normalweiser wären die Münchner jetzt an dem Punkt, den Dortmundern langsam die Leistungsträger wegzukaufen. Doch die sind fast ausnahmslos langfristig unter Vertrag.

Schon mit der Verpflichtung von Reus für rund 17,5 Millionen Euro Anfang Januar signalisierte der BVB, dass er fortan auch außerhalb des Spielfelds Bayern-Jäger ist. Der Götze-Deal macht deutlich, dass Dortmund mehr als das ist. Auch wenn der Club mit den kostspieligen Verpflichtungen und Verträgen in Zukunft auf die Einnahmen aus der Champions League setzt. Wie gefährlich das sein kann, hatte die ehemalige Führungsriege Gerd Niebaum und Michael Meier demonstriert. Die Borussia brauchte Jahre, um sich vom finanziellen Übermut zu erholen.

Am 30. Spieltag wird im direkten Duell in der Dortmunder Arena wohl die Vorentscheidung im Titelkampf fallen (11. April). Spätestens dann will Götze, der in der Rückrunde wegen einer Schambeinentzündung noch keine Partie absolvieren konnte, wieder dabei sein. Im Hinspiel hatte der Nationalspieler in München das entscheidende 1:0 erzielt.

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Seite 1
AverageXY 27.03.2012
1.
Selbst bei der Bild hätte man diesen Artikel abgelehnt. Hat der Autor nicht mehr Klischees über Bayern und Dortmund gefunden?
Ferde 27.03.2012
2. sportlich ebenbürtig, haha!
In der Liga mag ebenbürtig evtl noch stimmen, aber in der CL hat man ja in den letzten 2 Jahren gesehen wie ebenbürtig ein BVB dem FC Bayern ist.
BlakesWort 27.03.2012
3.
Was soll Götze bei Bayern, wo er in Dortmund eine glänzende Zukunft vor sich hat? Jeder halbwegs Fußballinteressierte erkennt, welch enormes Potenzial diese Mannschaft in zwei drei Jahren entfalten kann. Bei Bayern müsste er sich in seinen jungen Jahren gegen harte Konkurrenz behaupten, in Dortmund hat er den Kopf frei. Über all dem thront ein Jürgen Klopp, der als "cooler Onkel" die Truppe zusammenschweißt und zusammen mit Watzke für Ruhe UND Leidenschaft sorgt. Zwei Dinge, die man vom FCB nicht behaupten kann. Dort ist man erfolgreich, aber eben in der typisch deutschen Arbeits- und Beamtenmanier.
jüttemann 27.03.2012
4.
Zitat von FerdeIn der Liga mag ebenbürtig evtl noch stimmen, aber in der CL hat man ja in den letzten 2 Jahren gesehen wie ebenbürtig ein BVB dem FC Bayern ist.
BVB setzt auf die Zukunft, der FC Bayern verwaltet seit Jahren mehr schlecht als recht die Gegenwart. Bayern wird deshalb nie mit den ganz großen Clubs auf wirklicher Augenhöhe sein, bei Dortmund bin ich mir da nicht sicher. Aber die Spieler, die in ihrem Sport etwas werden wollen, anscheinend schon.
kone 27.03.2012
5.
Zitat von sysopDPAJahrelang war der FC Bayern das Maß aller Dinge in der Bundesliga - auch weil Uli Hoeneß und Co. anderen Clubs die besten Spieler wegkauften. Jetzt funktioniert das nicht mehr. Nach Marco Reus hat Konkurrent Dortmund nun mit Mario Götze das nächste Top-Talent langfristig an sich gebunden. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,824107,00.html
Womöglich hat nun auch UH bemerkt, daß die Buli doch drohte komplett uninteressant zu werden, wenn er die ungeheure Finanzstärke der Münchner weiterhin so gnadenlos ausgespielt hätte. Ich vermute eher, daß die Bayern sich absichtlich in Zurückhaltung üben, weil auch sie viel mehr von einer wirklich spannenden Buli profitieren! Eine Gruppe gleich starker Mannschaften, die alle in der Lage sind, Meister zu werden, ist genau das, was die Buli braucht!
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