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21. Dezember 2018, 23:28 Uhr

BVB-Sieg gegen Gladbach

Marco Reus ist der Spieler der Hinrunde

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Im 250. Bundesligaspiel seiner Karriere glänzte Marco Reus - mal wieder in dieser Saison. Und mit dem Erfolg gegen Gladbach machte der BVB eine der besten Hinrunden seiner Geschichte perfekt. Ärger gab es auch.

Spieler der Hinrunde: Elf Treffer, acht Torvorlagen, bester Scorer der Fußball-Bundesliga, den BVB in vier Partien zum Sieg geschossen, ein Spiel davon war das Spitzenduell gegen Borussia Mönchengladbach - es war wohl kein Zufall, dass all die TV-Kameras nach Abpfiff der Partie Marco Reus beim Jubel zeigten. Der Offensivstar von Borussia Dortmund hat eine großartige Hinrunde gespielt und ist derzeit der wahrscheinlich beste Profi der Liga.

Das Ergebnis: Dank Reus hat der BVB Gladbach 2:1 (1:1) besiegt und geht nun mit 42 Punkten in die Winterpause. Es ist die zweitbeste Hinserie der Vereinsgeschichte, nur in der Meistersaison 2010/2011 war der BVB noch besser (43 Punkte).

Nur die Verteidiger fehlten: Flutlicht, ausverkauftes Stadion, Tabellenerster gegen den Zweiten - beste Voraussetzungen für das Hinrundenfinale. Also fast, denn die beiden Trainer mussten gleich auf mehrere Verteidiger verzichten und so bildeten Julian Weigl und Ömer Toprak beim BVB sowie Tobias Strobl und Louis Beyer bei VfL die Innenverteidigungen.

Beginn erste Hälfte: Die Abwehrsorgen machten sich auf dem Platz anfangs nicht bemerkbar. Beide Mannschaften waren auf Sicherheit bedacht und gingen selten ins Tempo, vor allem, um keine schnellen Gegenangriffe zu riskieren. Die Folge: Die offensivstärksten Klubs der Bundesliga (Dortmund: 42 Tore vor dem 17. Spieltag; Gladbach: 35 Tore) kamen in der ersten Hälfte lange nur zu einer wirklich gefährlichen Chance und diese vergab der Jubilar des BVB in der 20. Minute.

Der Jubilar, Teil 1: Gemeint ist Reus, der sein 250. Spiel in der Bundesliga bestritt. Dass das gegen seinen Ex-Verein Gladbach passieren sollte, ist natürlich ein schöner Zufall. Noch schöner aber für Reus: Er konnte die 250er-Marke am 17. Spieltag knacken, weil er in allen 17 Hinrundenpartien auf dem Platz gestanden hat. Das gelang dem in der Vergangenheit so oft und schwer verletzten Reus zuletzt in der Saison 2013/2014. Wie wichtig ein gesunder Reus sein kann, wurde auch gegen Gladbach deutlich.

Drei-Minuten-Drama: In der 42. Minute geriet Gladbachs Innenverteidigung doch noch in den Fokus, als Beyer den Ball unter Bedrängnis von Reus an Raphael Guerreiro verlor. Vom BVB-Kapitän Reus ging es weiter zum eingewechselten Mario Götze, der das Führungstor durch Jadon Sancho vorbereitete. Der Brite traf mit einem präzisen Flachschuss aus spitzem Winkel, zuvor hatte sich Sancho noch an Oscar Wendt vorbeigedribbelt. Fast mit dem Pausenpfiff glich Christoph Kramer aus - ein umstrittener Treffer.

Handspiel - oder nicht? Der Gladbacher hatte sich den Ball nach der Annahme an die Hand geköpft. Eine unglückliche Berührung, die aber die Flugbahn des Balles veränderte, Kramer einen Vorteil verschaffte und am Ende zum 1:1 führte. ZDF-Experte Oliver Kahn sagte in der Halbzeit: "Ich weiß nicht, was Handspiel ist." Michael Zorc gestand nach Abpfiff: "Ich werde die Regel nie mehr verstehen." Deutlicher äußerte sich Matthias Sammer bei Eurosport: "Wenn das kein Hand ist, dann ist das Wahnsinn. Damit verschafft er sich einen klaren Vorteil. Das geht nicht. So macht die Regel keinen Sinn." Große Verunsicherung in der Bundesliga.

Der Jubilar, Teil 2: Dortmund investierte in der zweiten Hälfte mehr und so geriet die uneingespielte Gladbacher Defensive immer stärker unter Druck. Wie in der 54. Minute, als Götze auf Strobl zudribbelte, ihm den Ball durch die Beine spielte und das 2:1 auflegte. Torschütze: Reus. Der 29-Jährige musste den Ball nach dem perfekten Zuspiel von Götze nur noch über die Linie schieben. Beinahe hätte es sogar noch mit einem weiteren Treffer geklappt, doch ein Freistoß von Reus klatschte an den Außenpfosten (65.)

Zweiter Matchwinner: Zu Saisonbeginn blieb für Götze nur eine Reservistenrolle, seinen ersten Bundesligaeinsatz unter Lucien Favre bekam er erst am siebten Spieltag. Inzwischen wird er häufiger eingesetzt und gegen Gladbach war er nach der frühen Einwechslung für den angeschlagenen Pablo Alcácer gleich einer der Auffälligsten, die Belohnung waren seine Torbeteiligungen drei und vier in dieser Saison. Zudem bereitete Götze erstmals seit 2013 wieder zwei Tore in einem Ligaspiel für den BVB vor.

Fazit des Spiels: Der zweite Platz von Borussia Mönchengladbach ist eine Momentaufnahme. Die Leistungsschwankungen zwischen Heim- (alle acht Partien gewonnen) und Auswärtsspielen (nur zwei Siege aus neun Spielen) sind zu groß, um auch am Saisonende unter den Topteams zu stehen.

Dortmund hingegen hat mit dem Sieg eine eindrucksvolle Antwort gegeben - auf die erste Saisonpleite gegen Düsseldorf, auf eine Reihe von verletzten Abwehrspielern, auf müde Beine. Mit mindestens sechs Punkten Vorsprung auf Platz zwei wird der BVB in die Winterpause gehen, aber ob dieses Team auch Meister wird? "So weit würde ich noch nicht gehen", sagte Götze nach Abpfiff.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 2:1 (1:1)
1:0 Sancho (42.)
1:1 Kramer (45.+1)
2:1 Reus (54.)
BVB: Bürki - Piszczek, Weigl, Toprak, Hakimi - Delaney, Witsel - Sancho (90.+2 Wolf), Reus, Guerreiro (90.+3 Bruun Larsen) - Alcácer (34. Götze).
Gladbach: Sommer - Johnson, Beyer, Strobl, Wendt - Neuhaus (82. Cuisance), Kramer (68. Hofmann), Zakaria - Herrmann (73. Traoré), Plea, Hazard.
Schiedsrichter: Zwayer
Gelbe Karten: - / Cuisance
Zuschauer: 81.000

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