Dortmunder Aus in der Champions League Kein Wunder

Starke 45 Minuten nutzten den Dortmunder nichts - das Fußballwunder fiel aus. Schuld daran hatten keine höheren Mächte, sondern ein deutlicher Qualitätsunterschied in der Offensive.

Marco Reus
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Marco Reus

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Die 47 Sekunden des Spiels: In der 33. Minute hielt Hugo Lloris erst bravourös einen Kopfball von Julian Weigl , den Nachschuss Weigls wehrte Ben Davies mit vollem Körpereinsatz ab. Direkt danach scheiterte Marco Reus mit einem geblockten Torschuss, bevor Mario Götze aus halblinker Position zum Abschluss kam - doch Lloris konnte den Ball mit einer bemerkenswerten Parade um den linken Pfosten lenken. Das hätte binnen 47 Sekunden die komplette Aufholjagd nach dem 0:3 im Hinspiel sein können.

Das Ergebnis: Borussia Dortmund hat auch das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Tottenham Hotspur 0:1 (0:0) verloren. Das Tor des Tages erzielte Spurs-Kapitän Harry Kane. Hier geht es zum Spielbericht.

Die dribbelnden Drei: Erstmals standen Reus, Götze und Paco Alcácer gemeinsam in der Startelf. BVB-Trainer Lucien Favre warf also bei dem gewaltigen Rückstand, den seine Mannschaft aus London mitgebracht hatte, all seine offensiven Asse direkt auf den Tisch.

Die erste Hälfte: Dortmund begann kontrolliert, um den Druck von Minute zu Minute zu erhöhen. Die erste gute Chance hatte Reus, dessen von Davinson Sánchez abgefälschter Schuss Lloris zu einer ersten Rettungstat zwang (21. Minute). Mit ihrem ersten Ballkontakt im gegnerischen Strafraum hätten die Spurs in Führung gehen können, doch ein Schubser von Marius Wolf brachte Heung-Min Son entscheidend ins Straucheln (31.). Kein Elfmeter und Platzverweis, stattdessen ein Schüsschen links vorbei. Danach der BVB mit dem 47-Sekunden-Dreierpack und weiteren Möglichkeiten durch Jadon Sancho (37.) und Alcácer (44.).

Dortmunder Südtribüne
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Dortmunder Südtribüne

Choreo: Die Dortmunder Südtribüne erinnerte vor Spielbeginn mit einer beeindruckenden Choreografie an den größten Erfolg der Klubgeschichte, den Gewinn der Champions League im Jahr 1997. Nur Menschen, die immer das Haar in der Suppe suchen, würden anmerken, dass der Henkelpott ein wenig wie ein Schaf aussah.

Die zweite Hälfte: 45 Minuten lang hatten die Dortmunder eine exzellente Leistung gezeigt. Doch international bedarf es nicht nur einer konsequenten Chancenverwertung, sondern auch einer Null-Fehler-Abwehrarbeit. Das musste der in der Bundesliga aus dem Tritt geratene Tabellenführer in der 48. Minute schmerzlich erfahren. Moussa Sissoko spielte einen hervorragenden Pass in den Lauf von Kane, der im Gegensatz zu den Dortmunder Angreifern eiskalt seine Chance nutzte. Bei seinem Schuss ins rechte Eck war Dortmunds Torhüter Roman Bürki chancenlos. Es war die Entscheidung, die restlichen gut 40 Minuten verliefen nahezu ereignislos.

Harry Kane
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Harry Kane

Der Unterschied: Kane erzielte nach einer für ihn maximal missglückten ersten Hälfte mit seiner ersten Gelegenheit das 1:0. Es war sein 14. Treffer im 17. Champions-League-Spiel. Bei allem Respekt für das, was Alcácer und Götze in dieser Saison bislang in vorderster Linie beim BVB gezeigt haben - die Weltklasse des im Hinspiel noch fehlenden Kane besitzen sie nicht. Kein Tor über 180 Minuten in Hin- und Rückspiel. So kommt man gegen ein Team wie die Spurs nicht weiter.

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BVB-Einzelkritik: Reus und die Suche nach der Topform

Koan Son: Ausgerechnet gegen seinen Lieblingsgegner blieb Son torlos - seine einzige Chance vergab der Südkoreaner in der 31. Minute. So blieb es bei neun Son-Treffern in zwölf Spielen gegen Borussia Dortmund. In der 71. Minute nahm ihn sein Trainer Mauricio Pochettino aus der Partie, bevor sich der Südkoreaner noch eine Sperre eingehandelt hätte.

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BVB-Niederlage gegen Tottenham: Ausgeträumt

Die halbe Wiedergutmachung: Der BVB hat eine vorzügliche Vorrunde gespielt, doch zur Rückrunde setzte ein Leistungsabfall ein. Bei den Niederlagen in London und dem 1:2 in Augsburg verärgerte zudem die Passivität der Akteure. Die erste Hälfte war heute gut, allein es fehlte die Qualität im Abschluss. So musste das Fußballwunder zwangsläufig ausfallen. Applaus des Publikums gab es dennoch.

Ausblick Spurs, Ausblick BVB: Pochettinos Mannschaft hat zum zweiten Mal das Viertelfinale in der Königsklasse erreicht. Mit ihrer seriösen Defensive, den pragmatischen Umstellungen ihres Trainer während der Partie und den überragenden Offensivkräften Kane, Eriksen und Son ist ihnen auch ein Vorstoßen unter die letzten Vier des Wettbewerbs zuzutrauen. Zumal mit Titelverteidiger Real Madrid bereits ein großer Nameim Achtelfinale ausgeschieden ist. Der BVB kann sich derweil auf den Kampf um die erste deutsche Meisterschaft seit 2011 konzentrieren. Da wäre ihnen wohl auch als zusätzliche Belastung der Konkurrenz ein Weiterkommen des FC Bayern gegen den FC Liverpool recht (Mittwoch, 12. März, 21 Uhr, Liveticker: SPIEGEL ONLINE).

Borussia Dortmund - Tottenham Hotspur 0:1 (0:0)
0:1 Kane (48.)
Dortmund: Bürki - Wolf (62. Bruun Larsen), Weigl, Akanji, Diallo - Witsel - Sancho, Götze, Reus (74. Delaney), Guerreiro (62. Pulisic) - Alcácer
Tottenham: Lloris - Alderweireld, Sánchez, Vertonghen - Aurier, Winks (55. Winks), Sissoko, Davies - Eriksen - Son (71. Lamela), Kane
Schiedsrichter: Danny Makkelie
Gelbe Karten: keine
Zuschauer: 66.099 (ausverkauft)

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25alex67 06.03.2019
1. Mag sein...
... dass dem BVB ein Weiterkommen der Bayern in der CL recht wäre, wenn sie dann selber Meister würden. Aber was, wenn die Bayern weiterkommen und der BVB trotzdem nicht Meister wird? Oha! Deshalb ist das mit dem Weiterkommen-Wunsch, wie mir scheint, eher nur ein frommes Hoffen auf eine von außen kommende Wende, die den FCB aus der Bahn werfen und den BVB wieder in die Spur bringen möge. Kann ja sein, dass es so kommt. Meinetwegen. Gegen Liverpool sogar durchaus möglich. Warten wir doch einfach ab. Ich bin zumindest optimistisch, dass das Spiel Bayern vs Liverpool mehr Spannung und Leidenschaft bringt als der laue Kick des BVB heute. Sorry to say that, ich war bereit für haufenweise Emotionen... die nicht stattfanden...
Drunken Masta 06.03.2019
2. Für einen Ausbildungsklub
spielt Dortmund auf sehr hohem Niveau diese Spielzeit. Ob dabei noch ein Titel herausspringt? Wer weiß das schon. Denn genau das ist auch das Problem mit Dortmund. Jede Saison wieder Wundertüte. Man verkauft mit tollem Gewinn und schießt einen Haufen neuer, gut gescouteter Talente nach. Ein gewisses Grundgerüst wird immer versucht zu halten, damit die Jungen Orienterung haben. Gar keine Frage, das machen die in Dortmund super und der Fußball ist im Schnitt gut anzuschauen. Eine wirklich große Mannschaft kann so aber nunmal auch nicht entstehen und wachsen.
mgrevenstein 06.03.2019
3. Tja
Herr Fuchs. Fussballerischen Sachverstand muss ich Ihnen bei dem Kommentar leider absprechen. Wenn Sie die erste Halbzeit als Unvermögen bezeichnen habe ich wohl eine anderes Spiel gesehen. Wie hätten Sie denn agiert? Es mussten ein drei Tore Rückstand aufgeholt werden da stellt man sich natürlich erstmal hinten rein, oder was? Klar entsteht dabei die ein oder andere Lücke aber an die Leistung der 1.Halbzeit kann man wieder anknüpfen. Das Glück hat ein bisschen gefehlt. Aber hier die Köpfe wieder frei zu kriegen ist eine Mammutaufgabe.
spon1899 06.03.2019
4.
Das ist dann schon enttäuschend, wenn man aus 2 Wettbewerben fliegt. Gegen Werder Favorit, gegen Tottenham vorher mindestens gleichauf und dann kein Tor? Auch wenn die Truppe jung Ist; insgesamt sind sie in einer Krise, vor allem aufgrund des Verlaufs in der Liga. Da geht ja wenig bis nix im Moment. Wird interessant sein, ob sie jetzt da rauskommen.
stoffi 06.03.2019
5. Ich denke,
Sie können wenigstens sagen, sie haben schön gespielt, aber dass dies nicht reicht, sagte schon Mertesacker
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