Dortmund-Sieg in Freiburg Klopps Yoga-Schüler

Immer schön positiv denken: Mit dieser Einstellung ging Borussia Dortmund ins Spiel gegen den SC Freiburg - und hatte Erfolg. Dass der Gegner erschreckend schwach war, störte den BVB nicht.
Klopp mit Kagawa: Jubel über den 3:0-Sieg

Klopp mit Kagawa: Jubel über den 3:0-Sieg

Foto: Uli Deck/ dpa

Wie es aussieht, wenn Jürgen Klopp vor Freude fast explodiert, weiß man noch: Geballte Faust, herausgeschobener Unterkiefer, Sprünge in schwindelnde Höhen - in vergangenen Zeiten gab's das recht oft zu bestaunen.

Wie es aussieht, wenn Jürgen Klopp einfach nur unglaublich erleichtert ist, weiß man seit Samstag, 17.15 Uhr, nun auch.

Als Schiedsrichter Felix Brych vom Mitleid mit den desolaten Freiburgern übermannt wurde und den 3:0-Sieg des BVB ein paar Sekunden zu früh abpfiff, straffte sich Dortmunds Trainer kurz, atmete tief aus und schritt zum Händeschütteln die Ersatzbank ab. Geschafft.

"Das sah heute deutlich besser aus als gegen Augsburg", sagte Klopp kurz darauf und machte sich daran, die 90 Minuten einzuordnen. "Ich bin jetzt nicht in der Gefahr zu glauben, dass wir nach diesem Tag die nächsten vier Spiele automatisch gewinnen. Aber es ist nicht ausgeschlossen."

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Das ist es tatsächlich nicht. Aber seriöse Vorhersagen für den weiteren Dortmunder Weg kann man wohl tatsächlich nicht treffen: Freiburg war schlicht zu schwach.

So genügte es den Dortmundern, die Gegenspieler in deren Hälfte früh anzulaufen, um diese in Angst und Schrecken zu versetzen. Schon in den ersten Spielminuten gab es fünf, sechs Freiburger Fehlpässe zu bestaunen, ehe Mike Frantz der Fehler des Tages unterlief.

Völlig unbedrängt und ohne jede Notwendigkeit spielte er einen Pass aus dem Fußgelenk, der genau vor Pierre-Emerick Aubameyang landete. Der reichte das Geschenk galant an Marco Reus weiter, der sich nicht zweimal bitten ließ. "Schlimmer als ein Eigentor", fand das alles SC-Trainer Christian Streich.

Nach neun Minuten stand es also 0:1 und dass die drückend überlegenen Dortmunder nur noch zwei Treffer folgen ließen - Aubameyang legte zweimal nach (56./72. Minute) - war schon ein wenig grotesk. Schließlich hatte Freiburg im gesamten Spiel nur eine einzige Halb-Chance (Oliver Sorg/43.) und stellte sich ansonsten an wie ein verunsicherter Dorfklub, der es irgendwie in die erste Runde des DFB-Pokals geschafft hat.

"Wir hatten immer den Gedanken, positiv zu sein"

So etwas kann mal passieren und wäre eigentlich auch zu verschmerzen, wenn man - wie der SC - in den zwei Spielen zuvor nachgewiesen hat, dass man eine Daseinsberechtigung in der ersten Liga hat.

Allerdings ist es völlig unerklärlich, wenn der schwächste Mann auf dem Platz mit Dani Schahin ausgerechnet ein Spieler ist, der vor Ehrgeiz sprühen müsste. Schließlich kam er unverhofft zu 45 Erstligaminuten, weil die Stammkraft (Nils Petersen) verletzt raus musste.

Matchwinner Aubameyang war das alles natürlich egal, er wirkte nach dem Abpfiff so tiefenentspannt wie das Gros seiner Mitspieler. Kein Wunder also, dass er ein wenig wie ein Yoga-Lehrer klang, als er das Spiel analysierte: "Wir hatten bei allen Aktionen immer den Gedanken, positiv zu sein."

Überhaupt, die Dortmunder Befindlichkeiten. Eine handelsübliche Erleichterung mag für Jürgen Klopp die richtige Reaktion auf einen Befreiungsschlag sein - seinen Spielern hatte er allerdings schon unter der Woche empfohlen, im Falle eines Sieges so richtig die Sau rauszulassen: "Ich habe ihnen schon vor dem Spiel gesagt, dass sie sich richtig freuen und nicht nur einfach erleichtert sein sollen, wenn sie heute gewinnen." Zu sehr habe das Kollektiv in den vergangenen Monaten die Schultern hängen lassen.

Das Wissen, dass selten ein Team eine solch groteske Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit gelassen hat wie der BVB in der Saison 2014/2015, muss tonnenschwer auf den Spielern gelastet haben. "Wir haben bei der Aufarbeitung des Augsburg-Spiels gesagt, dass es nicht reicht, wenn ich an die Mannschaft glaube. Die Spieler müssen das endlich auch tun."

Seit Samstag haben sie nun endlich auch wieder einen Anlass dazu.

SC Freiburg - Borussia Dortmund 0:3 (0:1)
0:1 Reus (9.)
0:2 Aubameyang (56.)
0:3 Aubameyang (72.)
Freiburg: Bürki - Sorg, Krmas (84. Höfler), Torrejon, Günter - Frantz, Darida - Klaus, Schmid (46. Philipp) - Petersen (46. Schahin), Möller
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan (80. Ginter), Sahin - Kampl (68. Blaszczykowski), Kagawa, Reus (80. Mchitarjan) - Aubameyang
Schiedsrichter: Felix Brych
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Frantz (2) - Piszczek (3), Kagawa

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