BVB nach Remis gegen Barça Enttäuschender Erfolg

Im ersten Champions-League-Spiel punktet Dortmund gegen einen Titelkandidaten und ist unzufrieden. Das zeugt vom hohen Anspruch des BVB. Die zweite Hälfte deutet an, dass der berechtigt sein könnte.

Marius Becker/dpa

Aus Dortmund berichtet


Wenn bei Borussia Dortmund zuletzt über etwas besonders oft gesprochen worden ist, dann über den eigenen Anspruch. In der Bundesliga hat der Verein offensiv die Meisterschaft als Ziel ausgerufen, auch wenn Trainer Lucien Favre das hier und da etwas vorsichtiger ausdrücken mag.

Zum Auftakt der Champions League wurde das neue Selbstbewusstsein des BVB nun auf die Probe gestellt: Der FC Barcelona war zu Gast, eine Weltklasse-Mannschaft, mit dem wieder genesenen Lionel Messi, zumindest auf der Bank, einem Spieler, den viele für den besten der Geschichte halten. Und trotzdem hieß es vor dem Spiel: "Wir wollen gewinnen."

Am Ende steht ein 0:0. Der BVB startet mit einem Punkt gegen den stärksten Gruppengegner, einen ständigen Titelkandidaten - und ist unzufrieden. "Ich gehe eher mit dem Gefühl nach Hause, dass wir es verpasst haben, uns in der Gruppe einen knappen Puffer zu erarbeiten", sagte Mats Hummels mit Blick auf das 1:1 (0:0) zwischen den weiteren Gruppengegnern Inter und Slavia Prag. Auch Manager Michael Zorc sagte: "Am Ende bist du schon ein bisschen enttäuscht, weil du das Gefühl hattest, es war mehr drin."

Schon vor dem Spiel hatte Axel Witsel gesagt, in der Champions League müsse das Viertelfinale das Ziel sein. Aber ist das realistisch? Wo steht der Verein nach dem Auftakt? Was kann der BVB erreichen? Und was klappt noch nicht?

Hummels gegen Barça bester Dortmunder

Fakt ist: Der FC Barcelona ist noch nicht in Topform, hat nun auch das dritte Auswärtsspiel der Saison nicht gewonnen. Trotzdem ist es eine große, eine gefährliche Mannschaft. Und der BVB war nah dran, sie zu schlagen. In der zweiten Hälfte war Dortmund die bessere Mannschaft und erspielte sich zahlreiche Großchancen.

Es ist aber vor allem das Defensivspiel, das Dortmund verbessert hat. In der vergangenen Saison scheiterte der BVB in Liga und Champions League auch, weil die Mannschaft zu anfällig war. So ist zum Beispiel das Achtelfinal-Aus gegen Tottenham unter anderem damit zu erklären, dass die rechte Abwehrseite des angriffslustigen Achraf Hakimi damals zu offen war.

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Dortmund gegen Barcelona: Viel Hummels und ein bisschen Messi

Auch gegen Barcelona war Hakimi wieder offensiv eingestellt. Der rechte Außenspieler vor ihm, meist Thorgan Hazard, mal Jadon Sancho, rückte ins Zentrum, um Hakimi Platz zu machen. Barcelonas Linksaußen Antoine Griezmann war damit zu viel Defensivarbeit gezwungen, lange war der französische Weltmeister im Angriff kaum zu sehen - bis er den Flügel wechselte. Lücken entstehen durch einen derartigen Offensivdrang Hakimis trotzdem, sodass die rechte Seite mitunter wieder anfälliger war als die linke von Raphael Guerreiro.

Und dennoch stand die Dortmunder Defensive bemerkenswert stabil, vor allem dank Mats Hummels. Der Innenverteidiger war der beste Borusse, fing durch sein gutes Stellungsspiel zahlreiche Bälle ab, klärte immer wieder im letzten Moment und war enorm zweikampfstark.

Dortmund scheitert an der Chancenauswertung

Aber auch im gesamten Verbund gefiel Trainer Favre das Spiel gegen den Ball in der zweiten Hälfte. Selbst den in der 59. Minute eingewechselten Messi stoppte Dortmund immer wieder, mal durch eine Hummels-Grätsche, mal durch ein Reus-Tackling, mal im Kollektiv, wenn gleich zwei oder drei Spieler den Argentinier gemeinsam aufhielten. Favre nannte die zweiten 45 Minuten "hervorragend", Kapitän Reus sagte, er wisse nicht, ob die Mannschaft besser spielen könne als in der zweiten Hälfte.

Was fehlt dem BVB dann überhaupt noch?

Vor allem eine bessere Chancenauswertung. Hier ist vor allem Reus selbst zu nennen. Mehrfach scheiterte er an Barcelonas herausragendem Torwart Marc-Andre ter Stegen (25. Minute, 78.), sogar per Elfmeter (57.). Dazu schoss er aus knapp zehn Metern Entfernung über das Tor (75.). Reus haftete lange der Ruf an, die ganz großen Partien nicht entscheidend genug zu prägen. Dass er dazu fähig ist, zeigte er in der vergangenen Saison spätestens beim Bundesliga-Hinspiel gegen den FC Bayern. Das Remis gegen Barcelona war zumindest in diesem Punkt für Reus ein kleiner Schritt zurück.

"Sie haben uns weh getan"

Aber: Der breitere Kader - und das ist ein weiterer Entwicklungsschritt des BVB - verfügt mittlerweile über noch mehr solcher Spieler, die eine Partie entscheiden können als in der vergangenen Saison. Gegen Barcelona hätte das Julian Brandt werden können, aber kurz nach seiner Einwechslung traf er nur die Latte (77.).

Der Respekt des Gegners schien jedenfalls groß. Das zeigten die lobenden Worte von Barça-Trainer Ernesto Valverde ("Sie haben uns weh getan", "Wir mussten leiden") genauso wie eine Szene nach dem Abpfiff. Dann nämlich tauschten Hummels und Luis Suárez ihre Trikots. Und auf die Frage, warum es für Hummels ausgerechnet dieses Shirt wurde, erzählte der Dortmunder: "Weil er mich gefragt hat."

Steigert der BVB nun auch seine Chancenverwertung, ohne die defensive Sicherheit zu verlieren, dann ist das Ziel Viertelfinale durchaus möglich.

Borussia Dortmund - FC Barcelona 0:0
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Hummels, Guerreiro - Witsel, Delaney, Sancho, Reus, T. Hazard (73. Brandt) - Alcácer (87. Bruun Larsen)
Barcelona: ter Stegen - Semedo, Piqué, Lenglet, Jordi Alba (40. Sergi Roberto) - Busquets (60. Rakitic), de Jong, Arthur, Ansu Fati (59.Messi), Griezmann - Suárez
Schiedsrichter:
Hategan (Rumänien)
Gelbe Karten: Delaney, Hazard / Piqué, Semedo
Zuschauer: 66.099 (ausverkauft)
Besonderes Vorkommnis: ter Stegen hält Foulelfmeter von Reus (57.)

insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 18.09.2019
1. Sorry aber Barca ist kein Tietel kandidat
wer sagt das denn? Barca ist ein alterndes Team, das Barca welches unter PEP gespielt hat gibt es nicht mehr. Auch die muessen nun ersteinmal neu aufbauen. Einzige Tietelkandidaten sind Liverpool und City. Wenn der BVB nicht gegen ein schwaches barca gewinnt kann es eng werden in der gruppe. Zum glueck haben die anderen auch nur 1-1 gespielt.
hileute 18.09.2019
2. Sehr schade
wenn man eine Mannschaft a la Barca am Rande der Niederlage hat ist es wahrlich sehr ärgerlich dass man das Spiel dann nicht gewinnt. Hoffentlich rächt sich diese verpasste Chance nicht, aber genau sowas befürchte ich.
isi-dor 18.09.2019
3.
Mit Reus fühlt sich das 0:0 wie ein Sieg an.
sh.stefan.heitmann 18.09.2019
4. Reus haftete lange der Ruf an, die ganz großen Partien nicht
entscheidend genug zu prägen. Dass er dazu fähig ist, zeigte er in der vergangenen Saison spätestens beim Bundesliga-Hinspiel gegen den FC Bayern. Einziges Problem: Das war ein Bundesligaspieltag und kein "großes" Spiel
Nonvaio01 18.09.2019
5. Konstanz
Zitat von sh.stefan.heitmannentscheidend genug zu prägen. Dass er dazu fähig ist, zeigte er in der vergangenen Saison spätestens beim Bundesliga-Hinspiel gegen den FC Bayern. Einziges Problem: Das war ein Bundesligaspieltag und kein "großes" Spiel
ist wichtig. Und als es darauf ankam im letzten jahr in der rueckrunde, hat er total versagt. Supercup am beginn der saison interessiert keinen.
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