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14. Februar 2019, 09:39 Uhr

Dortmund-Krise nach 0:3 in der Champions League

Mit Wucht aus der Spur geworfen

Aus London berichtet

Im Pokal raus, in der Liga rückt der FC Bayern näher - und nun die Klatsche in der Champions League: Borussia Dortmund steckt in der Krise. Besonders eingebrochen sind die Leistungsträger.

Am Montag geht es wieder gegen den 1. FC Nürnberg. Mit einem 7:0-Sieg gegen den bemitleidenswerten Club begann in der Hinrunde der Höhenflug von Borussia Dortmund, der nahezu eine komplette Halbserie anhielt.

Ein 4:0 gegen Atlético Madrid, ein 3:2 gegen den FC Bayern München, zeitweise neun Punkte Vorsprung an der Tabellenspitze der Bundesliga. Es gab ein paar Rückschläge, ein spätes Unentschieden gegen Hertha BSC etwa, kurz vor Weihnachten wurde sogar mal verloren, bei Fortuna Düsseldorf. Aber schon am nächsten Spieltag gewann die Borussia aus Dortmund gegen die aus Mönchengladbach. Es ging nahezu stetig bergauf, und daher ist es schon zu vertreten, jetzt von einem Absturz zu sprechen.

Das 1:1 bei Eintracht Frankfurt war sogar noch als Punktgewinn zu werten, denn an jenem Spieltag verloren die Bayern. Dann kam aber das Pokal-Aus gegen Werder Bremen nach Elfmeterschießen: drei Gegentore, zwei Mal eine Führung in der Verlängerung verspielt. Im nächsten Spiel gelangen dem Gegner wieder drei Tore und das, nachdem der BVB drei erzielt hatte: 3:3 gegen die TSG Hoffenheim.

"Es gibt solche Phasen"

Die erste Krise unter Trainer Lucien Favre bahnte sich an, es gab sogar Berichte, dass sie schon da sei. Wer das bis Mittwoch leugnete, dem gehen seit dem Achtelfinale der Champions League die Argumente aus. Borussia Dortmund verlor das Hinspiel bei Tottenham Hotspur. Es gab wieder drei Gegentore, keinen eigenen Treffer. Game over?

Höchstwahrscheinlich, auch wenn Mario Götze noch Hoffnung hat: "Wir sind zu Hause eine Macht." Angesichts der jüngsten Entwicklungen wurde Favre im Wembley-Stadion gefragt, ob er sich Sorgen mache. "Nein", sagte er, "es gibt solche Phasen, in denen es nicht top, top, top läuft."

Es relativiert sich alles in Dortmund. Paco Alcácer trifft nicht mehr mit nahezu jedem Schuss, derzeit ist er sogar verletzt. Axel Witsel verliert auch mal im Mittelfeld die Kontrolle, Marco Reus fällt auch mal wieder über einen längeren Zeitraum aus. Er wird wegen seiner Muskelverletzung auch in Nürnberg fehlen, bestätigte Favre.

Ein Geschenk von Hakimi

Symbolfigur für den Abfall der Leistungskurve ist Achraf Hakimi. Er machte gegen Hoffenheim und in London Fehler, die einem 20 Jahre alten Neuling in der Bundesliga durchaus zugestanden werden. Sie fallen allerdings noch mehr auf, weil Hakimi mit seiner dynamischen und forschen Art über Wochen und Monate das Leichte und zeitweise Berauschende verkörperte, das den BVB auszeichnete.

Kurz nach der Pause in London wurde er ein Opfer des Gedankens, diese Zeiten kämen schnell wieder. Trotz eines perfekten Pressings der Spurs, die dem Verteidiger mit Ausnahme eines weiten Passes jegliche Option nahmen, setzte er zum Dribbling an. Es ging schief, Tottenham nutzte den Fehler zum 1:0 aus, das den BVB mit Wucht aus der Spur warf.

"Das ist natürlich ein Geschenk", kritisierte Favre den Verteidiger, Sebastian Kehl empfahl: "Wir müssen gerade im Defensivverhalten mit ihm arbeiten." Der Leiter der Lizenzspielerabteilung wird schlechte Erinnerungen an den Abend seines 39. Geburtstags behalten. "Nach dem 0:1 musst du den Kopf oben behalten, aber uns unterlaufen Fehler, die auf dem Niveau nicht passieren dürfen", sagte Kehl.

Torwart Roman Bürki bemängelte ein Defizit, das schon in den Spielen zuvor auffiel: "Wir hatten oft in den Zweikämpfen das Nachsehen, weil sie robuster und größer sind." Er dürfte dabei auch die Sekunden vor dem 0:2 bei Tottenham im Sinn gehabt haben. Götze knickte im Zweikampf ein, verlor den Ball, Flanke, Tor.

Der Mittelstürmer, der den BVB als Kapitän auf den Rasen von Wembley führte, nahm die Schwächephase erstaunlich gelassen hin: "Es sind nur Kleinigkeiten, die wir ändern müssen." So harmlos ist eine Krise dann doch nicht, auch wenn sie zu erwarten und vom Trainer eingepreist war.

Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund 3:0 (0:0)
1:0 Son (47.)
2:0 Vertonghen (83.)
3:0 Llorente (86.)
Tottenham: Lloris - Foyth, Sánchez, Alderweireld - Aurier, Sissoko (90.+1 Wanyama), Winks, Vertonghen - Eriksen - Son (89. Lamela) , Lucas Moura (84. Lllorente)
Dortmund: Bürki - Hakimi, Toprak, Zagadou (77. Schmelzer), Diallo - Dahoud, Witsel, Delaney - Sancho (88. Guerreiro), Götze, Pulisic (88. Bruun Larsen)
Schiedsrichter: Lahoz (Spanien)
Gelbe Karten: Aurier / Delaney
Zuschauer: 71.214

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