Dortmunds Kantersieg gegen Nürnberg Nicht mehr jugendfrei

Offensivschwach, wenig inspirierend? Das war vor dem 7:0 gegen Nürnberg, bei dem vor allem die jungen Dortmunder auftrumpften. Das muss einigen etablierten Spielern Sorge machen.
Jadon Sancho

Jadon Sancho

Foto: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Marco Reus blickte auf den Bildschirm über der Tür, um die Ergebnisse der anderen Spiele zu erfahren. Im Kabinengang bei Borussia Dortmund wird noch der altmodische Videotext genutzt, um die Fakten aus der Bundesliga abzubilden. Dass der eigene Verein ein Heimspiel 7:0 (2:0) gewann, hatte Reus nie zuvor auf diesem Bildschirm gelesen.

Es ist auf den Tag 32 Jahre her, der Videotext war gerade in Mode gekommen, Reus noch nicht geboren, dass der BVB den Aufsteiger Blau-Weiß 90 Berlin mit einem 0:7 auf die Heimreise schickte. Nun gelang das wieder gegen einen Aufsteiger, gegen einen harmlosen, überforderten, desolaten 1. FC Nürnberg. Drei Tore hatte der Klub in den vier Spielen zuvor kassiert, nun waren es sieben in einem.

Es braucht manchmal im Fußball nur 90 Minuten, um aus Statistiken und Analysen ein Zerrbild zu zeichnen. Bei Borussia Dortmund ist es gravierender, denn die Mannschaft von Lucien Favre galt vor dem Anpfiff als offensivschwach, wenig inspiriert, vor allem auf Stabilität bedacht. Nun ist sie mit einigem Abstand die Mannschaft mit den meisten Treffern in der Bundesliga. "Wir sind erleichtert. Es war ein schönes Spiel für uns", sagte Favre, um überzuleiten zu seinem Mantra: "Es gibt noch sehr viel Arbeit."

Reus und Bruun Larsen - eine Kombination für die Zukunft

An diesem Abend brachte er das vor allem vor, weil er eine recht junge Mannschaft auf den Platz geschickt hatte. Jadon Sancho, 18 Jahre alt, traf gut zehn Minuten nach seiner Einwechslung. Dan-Axel Zagadou, 19, ersetzte den gesperrten Innenverteidiger Abdou Diallo tadellos. Der 19 Jahre alte Achraf Hakimi, ausgeliehen von Real Madrid, kam als Rechtsverteidiger zu seinem Debüt und schoss gleich sein erstes Bundesligator. Jacob Bruun Larsen, 20, hatte nach Vorlage des ebenfalls erst 20 Jahre alten Christian Pulisic zudem für die frühe Führung gesorgt.

"Das war wunderschön", sagte Bruun Larsen, der schon während der Vorbereitung als Startspieler ausgemacht worden war. Eine Verletzung hatte ihn dann aber zurückgeworfen. Gegen Nürnberg spielte der Däne auf der linken Seite. Ob er als Mittelfeldspieler oder Stürmer in der taktischen Aufstellung ausgewiesen werden muss, ist Auslegungssache. Ob es jetzt ein 4-2-3-1 oder ein 4-4-2-System war, das Favre aufbot, könnte auch diskutiert werden. Klar ist, dass die Zusammenstellung besser passte als in den Wochen zuvor.

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BVB-Sieg gegen Nürnberg: Debütanten-Ball

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Reus war immer wieder im Angriff zu finden, durfte aber dieses Mal aus dem Mittelfeld Anlauf nehmen. Diese Rolle passt ihm deutlich besser als die in der Spitze. Das Zusammenspiel mit Bruun Larsen war auffällig gut, sodass diese Kombination in den kommenden Wochen häufiger zu erwarten ist.

Das Offensivspiel des BVB krankte in den Partien zuvor an spielerischer Schwäche im Zentrum des Angriffsdrittels. Nun, da Reus diesen Raum besetzte, zeigte der BVB den attraktivsten Fußball der noch jungen Saison. "Wir sind früh zu Chancen gekommen, und man kann sagen, dass wir uns in einen Rausch gespielt haben", sagte Reus, der zwei Tore erzielt sowie eins vorgelegt hatte und nach gut einer Stunde ausgewechselt wurde. Denn schon am Samstag in Leverkusen und vier Tage später in der Champions League gegen die AS Monaco stehen schwierigere Aufgaben an. "Wir brauchen alle Spieler." Auch dieses Mantra trug Favre wieder vor.

Es sollte vermutlich auch Mario Götze einschließen, der wieder im Kader fehlte - aus sportlichen Gründen, wie der Trainer vor dem Spiel sagte. Von den Anlagen her ist Götze geschaffen für die Position, auf der nun Reus glänzte. Seine fehlende Dynamik dürfte jedoch dafür sorgen, dass Götze mittelfristig nur zu wenigen Einsätzen kommen wird. Auch Lukasz Piszczek dürfte nach dem überzeugenden Debüt von Hakimi künftig mehr Pausen erhalten. Er war ja auch schon geboren, als der Videotext das 7:0 des BVB gegen Blau-Weiß 90 Berlin anzeigte.

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