Dortmund nach Remis in Augsburg Schwer angeschlagen

Als wäre das 1:1 in Augsburg nicht genug: Der Knöchelbruch von Julian Weigl hat den BVB schockiert. Die Verletzung passt zur Gemütslage im Verein. Und jetzt steht die entscheidende Woche der Saison an.
Dortmunds Julian Weigl

Dortmunds Julian Weigl

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Knapp eine Stunde nach Abpfiff zeigte sich Julian Weigl ein letztes Mal. Der 21-Jährige kam auf Krücken gestützt aus dem Dortmunder Kabinentrakt, sein rechter Knöchel dick eingegipst. Weigl trug eine Baseballmütze mit den Farben schwarz und gelb, sein Teint darunter hatte keine Farbe mehr, Weigl war aschfahl, wortlos schleppte er sich Richtung Mannschaftsbus.

Beim 1:1 des BVB in Augsburg war Weigl nach 23 Minuten in einen Zweikampf mit Gegenspieler Philipp Max verwickelt, das Duell sah eher harmlos aus, Weigl aber knickte um, blieb liegen und musste mit der Trage vom Platz. Teamkollege Marco Reus sagte später: "Da war so ein Knacken dabei." Die Diagnose, die noch während des Spiels durchsickerte: Ein Bruch des Sprunggelenks, Weigl fällt voraussichtlich drei bis vier Monate aus, bis weit in die kommende Saison hinein.

Die schwere Verletzung des Dortmunder Mittelfeld-Stars überschattete das Spiel und schockierte die gesamte Mannschaft, und sie ist auch ein herber Schlag für die wichtigen beiden letzten Saisonspiele. Doch mehr noch: Die Szene, wie sich Weigl durch die Interviewzone schleppte, war wie ein Sinnbild für den derzeitigen Dortmunder Gemütszustand. So große Ziele stehen noch an, die direkte Qualifikation für die Champions League und das DFB-Pokalfinale. Doch im Moment humpelt der gesamte Klub gequält dem Saisonende entgegen. Auch die allgemeine Stimmung geht derzeit an Krücken.

"Ein Verlust, der nicht zu kompensieren ist"

Thomas Tuchel hatte Weigls Knöchelbruch schwer mitgenommen. Als Weigl vom Platz getragen wurde, ging der Trainer zu ihm hin, und wie Tuchel später schilderte, sagte Weigl zu ihm, er habe "sofort gespürt, dass etwas Schlimmes passiert" sei. Lange sprach Tuchel dann von Weigls Qualitäten: "Das ist ein Verlust, der nicht zu kompensieren ist", sagte er, "er spielt im Zentrum den Ball von A nach B immer eine halbe Sekunde schneller als andere, das verschafft uns in der Offensive mehr Zeit und Raum, die Angriffe gefährlicher zu Ende zu spielen. Wenn der Julian nicht dabei ist, haben wir die halbe Sekunde nicht."

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Weigl fehlt nun schmerzlich, am letzten Spieltag zu Hause gegen Werder Bremen, und eine Woche später im Pokal-Endspiel gegen Frankfurt.

Ebenso fehlt in Dortmund derzeit aber auch jegliche Euphorie vor dem Saisonfinale.

Die Dissonanzen zwischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Thomas Tuchel waren auch am Samstag wieder das große Thema. Am Freitag hatte sich Tuchel in einer emotionalen Pressekonferenz auf die Medien eingeschossen, nach dem Spiel in Augsburg legte er noch einmal nach. Wieder gab er zu erkennen, dass aus seiner Sicht die Unruhe nur hereingetragen und aufgebauscht würde. Dann sprach Tuchel noch von einer "konzentrierten und vertrauensvollen Stimmung" und ergänzte: "Im Zentrum des Sturms ist es oft am ruhigsten. Wir haben eine Oase."

Reus gibt sich zurückhaltend

Empört hatte sich Tuchel am Freitag vor allem über einen Zeitungsbericht, wonach nicht nur das Verhältnis zwischen Watzke und Tuchel, sondern auch das von einigen Spielern und dem Trainer zerrüttet sei. Nationalspieler Marco Reus hatte nach dem Augsburg-Spiel Gelegenheit, sich dazu zu äußern, aber da klang es entgegen Tuchels Äußerung eher nicht nach Oase und hörte sich nicht an, als befinde man sich bei Borussia Dortmund auf einer heiteren Insel der Glückseligen. "Spurlos geht das alles nicht an einem vorbei", sagte Reus auf die Frage zur Unruhe im Team, "schön ist das nicht, was da vorfällt, weil wir sehr große Ziele haben, aber wir müssen nun damit fertig werden."

Eine Frage betraf noch das besagte Verhältnis von Teilen der Mannschaft zu Thomas Tuchel. Ob es nun intakt sei oder nicht. Reus hätte die Vorlage nützen und eine Floskel verwenden können, man halte geschlossen zum Trainer und fokussiere sich gemeinsam auf die letzten zwei Spiele. Reus aber sagte nur: "Kann ich nichts dazu sagen. Kein Kommentar." Bedingungslose Rückendeckung hört sich anders an.

Am kommenden Samstag gegen Bremen will Dortmund die direkte Qualifikation für die Champions League fixieren, notfalls mit Augsburger Schützenhilfe, die in Hoffenheim antreten müssen und selbst noch einen Punkt zum sicheren Klassenerhalt brauchen. Dann kommt das große Endspiel gegen Frankfurt. Den Pokal brauchen sie, um diese sonderbare Saison noch zum Guten zu wenden. Vielleicht herrscht dann auch wieder Euphorie.

FC Augsburg - Borussia Dortmund 1:1 (1:1)
1:0 Finnbogason (28.)
1:1 Aubameyang (32.)
Augsburg: Luthe - Verhaegh, Gouweleeuw, Hinteregger, Stafylidis (68. Caiuby) - Kohr, Baier - Schmid (87. Teigl), Altintop, Max - Finnbogason (90.+2 Ji)
Dortmund: Bürki - Ginter (89. Rode), Sokratis, Schmelzer - Weigl (23. Durm), Kagawa - Piszczek, Guerreiro (80. Pulisic) - Dembélé - Aubameyang, Reus.
Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel)
Zuschauer: 30.660 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Stafylidis (6), Kohr (12) - Ginter (4)

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