Borussia Dortmund Noch Leben im Lazarett

Für Borussia Dortmund sah es gegen den Hamburger SV schlecht aus. Sehr schlecht sogar. Doch dann besann sich die BVB-Rumpftruppe und rang die Gäste nieder. Der neue HSV-Coach Klaus Toppmöller war anschließend fassungslos.


Zweikampf zwischen Wörns und Romeo: Dortmunder Energieleistung
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Zweikampf zwischen Wörns und Romeo: Dortmunder Energieleistung

Dortmund - "Dass da alle Dämme brechen, ist mir völlig unverständlich", sagte Toppmöller am Sonntagabend nach der 2:3 (1:0)-Niederlage bei Borussia Dortmund. "Man muss knallhart analysieren, dass wir nicht die Kraft haben, über 90 Minuten über Tempo zu gehen. Von der Willenskraft her muss mehr kommen und die Leidenschaft fehlte auch", kritisierte der Nachfolger des entlassenen Kurt Jara, "das alles müssen wir schnellstens beheben, denn wir stecken mitten im Abstiegskampf."

Wie schon beim 2:2 gegen Schalke hatte der Hamburger SV eine 2:0-Führung verspielt. Die Dortmunder Jan Koller (64. und 66./Foulelfmeter) sowie Ewerthon (69.) drehten das Spiel binnen fünf Minuten und sicherten dem BVB im sechsten Heimspiel der Saison den sechsten Sieg. Bastian Reinhardt (14.) und Bernardo Romeo (60.) hatten den HSV in Führung gebracht.

"Nach dem zweiten Gegentor habe ich nicht mehr daran geglaubt, da waren die Karten eigentlich schon gelegt", gestand Dortmunds Manager Michael Meier. Trainer Matthias Sammer wollte seine Horrorvision gar nicht zu Ende denken: "Wenn wir verloren hätten, wären wir bei 19 Punkten geblieben und dann zu den Bayern gefahren."

"Du stehst vor einem Scherbenhaufen"

Gegen Hamburg hatte Sammer 13 Ausfälle zu beklagen, insgesamt sieben Vertragsamateure standen im Kader. "Die Jungen haben beeindruckt, aber bei allem Jugendwahn darf man nicht vergessen, dass es ohne Altersweisheit nicht geht und die Routiniers entscheiden waren", sagte der BVB-Coach, "der Koller ist ein richtiger guter Junge. Auf den lasse ich nichts kommen. Eine Woche lang hat er Antibiotika genommen, richtige Hämmer, leider konnte ich ihm keine Pause gönnen. Er hat uns den entscheidenden Schub verliehen."

Torschütze Ewerthon, BVB-Coach Sammer: "Die Jungen haben beeindruckt"
REUTERS

Torschütze Ewerthon, BVB-Coach Sammer: "Die Jungen haben beeindruckt"

Aus dem Schneider sind die Borussen vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen den FC Sochaux am Donnerstag und dem Liga-Duell bei den Bayern am Sonntag aber nicht. "Über einige Spiele und dank Begeisterung kann man so viele Ausfälle verkraften, aber nicht über einen langen Zeitraum," sagte Clubchef Gerd Niebaum. "Die Gefahren bleiben weiter bestehen", sekundierte Sammer. Seine mahnenden Worte vom Abstiegskampf nach der 1:2-Pokalpleite in Gladbach relativierte der Meistertrainer von 2002 jedoch: "Manchmal muss man etwas drastischer darstellen als es ist, damit es auch wirklich alle verstehen."

Beim HSV haben die Spieler anscheinend noch nicht begriffen, was Sache ist. "Ich habe nicht viel Leidenschaft gesehen, und das ist schwer zu erklären", rätselte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. "Es ist wie verhext, so etwas habe ich noch nie erlebt. Das begreifst zu einfach nicht. Es ist eine unglaubliche Leere, du stehst vor einem Scherbenhaufen", sagte Manndecker Reinhardt, der seinen Gegenspieler Koller in den ersten 60 Minuten im Griff hatte. Dann jedoch brachen bei den Hamburgern alle Dämme.



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