BVB-Remis gegen Hoffenheim Viel Gezeter und ein Rekord

Borussia Dortmund spielt nach schwacher erster Halbzeit remis in Hoffenheim. Vergleiche mit dem FC Bayern will beim BVB niemand hören. Obwohl Stürmer Aubameyang am Tag nach Lewandowski auch einen Bundesligarekord aufstellte.
Dortmunds Stürmer Aubameyang: Nur ein Punkt in Sinsheim

Dortmunds Stürmer Aubameyang: Nur ein Punkt in Sinsheim

Foto: Alexander Scheuber/ Bongarts/Getty Images

Nach dem 1:1 bei der TSG Hoffenheim war es BVB-Keeper Roman Bürki vorbehalten, jeden Vergleich mit den Bayern weit von sich zu weisen. Deren Spiel nebst Robert-Lewandowski-Orgie sei mannschaftsintern "kein Thema" gewesen, sagte er. "Bayern hatte Lewandowski. Wir heute nicht. Das Unentschieden war ein bisschen bitter, weil wir die besseren Chancen hatten." Das stimmte zumindest für die Schlussphase, in der der BVB stark aufspielte und damit einen Eindruck korrigierte, der in den ersten 60 Minuten nicht ganz so positiv ausgefallen war.

Gleich mehrere Spieler blieben da zum Teil deutlich unter ihren Möglichkeiten: Vor allem Shinji Kagawa hatte einen ganz schwachen ersten Durchgang, auch Jonas Hofmann, Gonzalo Castro und Matthias Ginter (die sich beide später steigerten) waren fehleranfällig. Zur Pause stand es nach Sebastian Rudys Tor dann auch verdient 1:0 für Hoffenheim (42.).

Als Pierre-Emerick Aubameyang den 1:1-Endstand erzielte, wehte dann doch ein Hauch Lewandowski durch den Kraichgau. Schließlich war es in der Bundesligageschichte bis zum Mittwoch noch nie passiert, dass ein Spieler in den ersten sechs Bundesligaspielen jeweils mindestens ein Tor erzielt hat. Ist der Münchner, der die Bayern am zweiten Spieltag in Sinsheim in der 90. Minute zum 2:1-Sieg geschossen hatte, der Mann für die Zeitraffer-Torfolgen, hält es sein Nachfolger im BVB-Dress offenbar eher mit der Langstrecke.

Wenn sich Dortmund im Anschluss an den Ausgleich den Punkt nach allen Regeln der Kunst verdiente, lag das auch an den Auswechslungen. Die Hereinnahmen von Henrikh Mkhitaryan und Ilkay Gündogan versetzten dem Team den entscheidenden Schub, beide waren nach den englischen Wochen geschont worden, wie Thomas Tuchel verriet: "Das hatte keine Leistungsgründe. Im Gegenteil". So viel zum Dortmunder Coach. Dessen Hoffenheimer Kollege hatte an diesem Abend den spektakuläreren Auftritt.

"Schick ihn auf die Tribüne"

Dass er nach gut einer Stunde von Schiedsrichter Tobias Welz auf die Tribüne geschickt worden war, empfand Markus Gisdol als himmelschreiende Ungerechtigkeit. Und das konnte man aus seiner Sicht auch verstehen, schließlich war der Abseitspfiff, der den Coach so sehr in Rage versetzt hatte, dass er den Linienrichter an den Arm fasste, tatsächlich zu Unrecht erfolgt. Der durchgebrochene Vargas war also an einer ziemlich guten Gelegenheit gehindert worden, das vielleicht vorentscheidende 2:0 zu erzielen - wenn er denn getroffen hätte.

"Der hat mich angefasst, schick ihn auf die Tribüne", habe der Linien- dem Schiedsrichter zugerufen, so Gisdol: "Wenn Guardiola zehnmal den Schiedsrichter anfasst und den Linienrichter umarmt und die Bibiana Steinhaus in den Arm nimmt und ihr was ins Ohr flüstert, dann wird nicht reagiert." Diese Ungleichbehandlung "können wir alle uns nicht bieten lassen."

Den Eindruck, dass sich manche Trainer mehr herausnehmen dürfen als solche, die Weinzierl oder Gisdol heißen, kann man durchaus teilen. Und dennoch war der Gisdolsche Ausbruch auch das Ergebnis selektiver Wahrnehmung. Schließlich hatte er den Linienrichter Rafael Foltyn nicht "berührt" (Gisdol), sondern ziemlich massiv am Arm umklammert. Und das, nachdem Gisdol gefühlt 50 der 57 Minuten, die er auf dem Feld verbrachte, auf den Vierten Offiziellen eingeredet hatte.

Hoffenheim wird nicht benachteiligt

Wie hart das Dasein als Linienrichter zuweilen ist, zeigte auch die halbe Stunde mit Gisdol als Tribünengast, als dessen Assistent Frank Kaspari munter weitermachte und auch dann Zeter und Mordio schrie, wenn es dafür aber auch nicht den geringsten Grund gab: Als Rudy Marcel Schmelzer einen halben Meter vor Kaspari ziemlich rüde ummähte und dafür nicht einmal Gelb sah, tat Kaspari dennoch so, als sei der TSG schweres Unrecht widerfahren.

Schiedsrichter treffen zuweilen bizarre Fehlentscheidungen, aber angesichts der in der ganzen Liga verbreiteten Unsitte, jede noch so eindeutig richtige Entscheidung mit Gezeter und Palaver zu begleiten, würde man ihnen auch mehr Fairness von Seiten der Trainerbänke wünschen. Hoffenheim war im Übrigen über 90 Minuten nicht benachteiligt worden, schließlich hatte Welz Dortmund auch einen klaren Handelfmeter verweigert, nachdem Jeremy Toljan eine Flanke von Castro mit gestreckten Armen abgefälscht hatte.

Vielleicht ist es dennoch ganz gut, dass Schiedsrichterdiskussionen eine kürzere Halbwertzeit haben als die Bundesliga-Tabelle. Die weist den BVB als Tabellenzweiten mit 16 Punkten und beeindruckenden 19:4 Toren aus. Zur Erinnerung: In der Hinrunde der vergangenen Saison hatte der BVB 15 Zähler und 18:26 Tore - und zwar zu Beginn der Winterpause.

Im Video: Markus Gisdol und die Wut auf die Schiedsrichter

kicker.tv
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