BVB-Sieg gegen Werder Dann eben Reus

Beste Chancen, kein Treffer: Dortmunds Top-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang erlaubte sich in Bremen eine Auszeit. Konnte er auch, denn Marco Reus half gerne aus.
BVB-Stürmer Reus (l.), Aubameyang: Fällt der eine aus, trifft der andere

BVB-Stürmer Reus (l.), Aubameyang: Fällt der eine aus, trifft der andere

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Als das Spiel vorbei war und die Zuschauer das Bremer Weserstadion verließen, um rechtzeitig zur Sportschau auf dem heimischen Sofa zu sitzen oder die 1:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund in den umliegenden Kneipen zu verarbeiten, schnappte sich Dortmunds Trainer Thomas Tuchel seinen Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang, der ebenfalls eine Niederlage zu verwinden hatte, eine persönliche.

Aubameyang ist der Torschütze vom Dienst bei den Dortmundern, ihm waren in den ersten 17 Pflichtspiel-Einsätzen der Saison 20 Treffer gelungen. Doch gegen den SV Werder blieb er ohne Tor - trotz bester Chancen. In der 51. Minute drosch er den Ball aus nächster Nähe per Scherenschlag über die Latte, in der 71. Minute umspielte er Werders Torwart Felix Wiedwald, scheiterte aber am auf der Linie stehenden Verteidiger Theodor Gebre Selassie.

Stimmt schon, sagte Tuchel über Aubameyang: "Es steht außer Frage, dass er wieder hätte treffen können." Doch der Dortmunder Trainer weiß, dass es Tage gibt, an denen nicht alles klappt, weshalb er Aubameyang beim Gespräch nach Spielschluss keine Vorwürfe gemacht habe. "Ich habe ihm gesagt, dass ich zufrieden mit seiner Leistung bin", berichtete Tuchel: "Wenn er mit diesem Fleiß und der Fokussierung dranbleibt, dann wird das wiederkommen." Das Glück im Abschluss, die Tore. Weniger versöhnlich zeigte sich Mitspieler Julian Weigl, als ihm die Frage gestellt wurde, ob die Mannschaft Aubameyang auf der Heimreise trösten müsse. "Trösten? Wir werden ihn ein bisschen aufziehen", kündigte Weigl an und lachte.

Sein Ausdrucksmittel sind Tore

Die Dortmunder können es verkraften, dass sich ihr bester Schütze in Bremen eine Auszeit genommen hat. Er ist ja nicht der Alleinunterhalter in der Offensive. Die Mannschaft ist mit einer Reihe von Spielern gesegnet, die in der Lage sind, den Ball im Tor unterzubringen. Gegen Werder trafen Henrich Mchitarjan und zweimal Marco Reus.

Vor allem Reus ist im Aufschwung. Er hat das Tief überwunden, das er im September durchlebt hatte, und konnte seine ansteigende Form in Bremen erneut mit zwei Toren demonstrieren, nachdem er sich schon am vergangenen Wochenende gegen Augsburg zweimal in die Liste der Torschützen eingetragen hatte. "Es ist ein tolles Gefühl für die Mannschaft, dass er wieder trifft, dass er die Selbstverständlichkeit zurück hat", sagte Trainer Tuchel.

Reus selbst will sich von zwischenzeitlichen Dürrephasen nicht verunsichern lassen oder seine Fähigkeiten grundsätzlich in Frage stellen. "Im Fußball kann alles so schnell gehen", sagte er in den Katakomben des Weserstadions: "Ich mache mir darum wenig Gedanken, arbeite hart und freue mich, dass ich der Mannschaft helfen kann." Reus ist kein Spieler, von dem kontroverse Parolen zu erwarten sind. Sein Ausdrucksmittel sind Tore.

Spannung? Nein, warten Sie!

In Bremen brachte er den BVB in der neunten Minuten in Führung nach einer Unsicherheit von Werders Torwart Wiedwald. In der 72. Minute stellte Reus den 3:1-Endstand her, mit dem die Dortmunder das Rennen um die Meisterschaft wieder spannend gemacht haben. Tabellenführer FC Bayern hatte am Vorabend in Frankfurt gepatzt.

Spannend? Moment!

Kein Mitglied der schwarzgelben Delegation wollte diese Interpretation gelten lassen. Die Dortmunder rechnen nicht damit, dass das 0:0 in Frankfurt das Ende der Münchner Herrlichkeit bedeutet, und sie wollen den Sieg in Bremen auch nicht als Signal verstanden wissen, dass man da sei, wie es so schön heißt, wenn der FC Bayern sich mal einen Ausrutscher erlaube. "Wenn wir auf die Tabelle schauen, schauen wir nur auf uns", sagte Tuchel. Reus amüsierte sich herrlich über die Frage, wie er den überraschenden Punktverlust der Münchner einordne: "Das ist ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für uns", sagte er und grinste. Im Ernst: "Die Bayern sind sehr konstant. Wir fangen auf keinen Fall an zu träumen."

Wichtiger als der auf fünf Punkte verkürzte Abstand nach oben ist aus Dortmunder Sicht, dass der Vorsprung nach unten größer geworden ist, auf den Tabellendritten Schalke 04. Sechs Punkte beträgt die Differenz, und in einer Woche könnte der BVB dem Rivalen aus der Nachbarschaft weiter davonziehen. Dann treffen sich die Mannschaften zum Derby. Natürlich sei schon Vorfreude da, aber erst mal konzentriere man sich auf die kommende Aufgabe, sagte Trainer Tuchel: Am Donnerstag empfangen die Dortmunder in der Europa League den FK Qäbälä.

Dann soll auch Aubameyang wieder treffen. Falls nicht, findet sich sicher ein Kollege, der den Job übernimmt.