BVB-Sieg in Mainz Stögers Werk und Bosz' Beitrag

Erstmals seit Ende September hat Borussia Dortmund wieder ein Bundesligaspiel gewonnen - und prompt reden alle vom Stöger-Effekt. Bis auf den neuen Trainer selbst.

Bongarts/Getty Images

Aus Mainz berichtet


Ab und an lächelte Peter Stöger sogar. Etwa bei der Frage, ob er auf der Rückfahrt Pils oder Kölsch trinken werde. "Beides", sagte der neue Trainer von Borussia Dortmund.

Die Stimmung war gelöst, bei ihm und im ganzen Verein. "Wir haben seit September zum ersten Mal wieder gewonnen", sagte Sportdirektor Michael Zorc, und Stöger antwortete trocken: "Ich seit Mai."

Stöger kurvte nach dem 2:0-Erfolg beim 1. FSV Mainz 05 von Interview zu Interview. Auch die Fans, die es laut Plakat auf das Trikot von Kapitän Marcel Schmelzer abgesehen hatten, gaben sich mit einem gemeinsamen Foto zufrieden, auf dem der 51 Jahre alte Österreicher zu sehen war.

Stöger war das ein bisschen zu viel der schnellen Ehre. "Das sollte alles ein bisschen vorsichtig betrachtet werden", mahnte er. Schließlich sei nach der überragenden Anfangsphase in der Saison auch nur noch die Frage gewesen, "mit wie vielen Punkten Vorsprung der BVB Meister werde".

"Den Schuh ziehe ich mir nicht an"

Nun reichte eine solide Leistung bei einem harmlosen Abstiegskandidaten in einem vor der Pause gruseligen Fußballspiel, um aus allen Ecken Gerede von einem "Stöger-Effekt" zu hören. Der Namensgeber stufte seinen Anteil als ziemlich gering ein: "Den Schuh ziehe ich mir nicht an, dass ich zwei Sachen ändere und wir dadurch dann gewinnen."

Zwei Tage vor dem Spiel in Mainz war Stöger in Dortmund vorgestellt worden. Er, der zuvor am 20. Mai mit dem 1. FC Köln - ebenfalls durch ein 2:0 gegen Mainz - seinen letzten Sieg gefeiert hatte, löste Peter Bosz ab, der seit dem 30. September in acht Bundesligaspielen mit dem BVB nur drei Punkte durch Unentschieden holte. "Vieles, was positiv ausgesehen hat, ist auf den Kollegen zurückzuführen", verteilte Stöger Komplimente an seinen Vorgänger. Er behauptete auch, dass er "nichts Negatives vorgefundenen" habe, "was die Gruppierung angeht". Allerdings hatte sogar Michael Zorc zugegeben, dass es "Risse" in der Mannschaft zu kitten gelte.

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Bundesliga: Elfmetertor und Trainerglück

Der Erfolg, der sie zumindest bis zum nächsten Bundesligaspiel am Samstag gegen die TSG Hoffenheim überdeckte, gelang dank einer Rückbesinnung auf die Anfänge unter Bosz. Der BVB stellte sich in einem 4-3-3-System auf, das der Niederländer noch gegen seine Überzeugung verworfen hatte, um verzweifelt eine Wende zu schaffen.

Mannschaft spielte erheblich vorsichtiger als zuletzt

Allerdings war die Stögersche Interpretation von viel mehr Vorsicht geprägt. Die Mannschaft stellte sich im Verbund etwa 15 Meter weiter hinten auf. "Die Vorgabe war, sicher zu stehen und keine einfachen Gegentore zu bekommen", sagte Julian Weigl, der am deutlichsten vom neuen Trainer profitierte. Er wurde als defensiver Mittelfeldspieler wieder viel mehr in den Aufbau eingebunden, durfte sich in Räumen anbieten, in dem der Gegner auf Druck verzichtete.

Die viel zu lange viel zu passiven Mainzer waren ein willkommener Kontrahent, um den BVB im Lauf des Spiels an Zutrauen gewinnen zu lassen. "Wir sind sehr erleichtert. Das Wichtigste war, Stabilität zu bekommen", sagte Zorc. Genau diese Aufgabe hatte er Stöger zwei Tage zuvor öffentlich angetragen.

Der Trainer hatte die kurze Vorbereitung dazu genutzt, um "in die Mannschaft reinzuhören und rauszuhören", was denn die Probleme gewesen seien. In der einzigen Übungseinheit auf dem Platz sei dann "ein bisschen etwas im taktischen Bereich" gemacht worden, so Stöger, der seinen Anteil so gering reden wollte, wie er es angesichts der Umstände auch nur gewesen sein kann.

Auf die Bemerkung, er wirke so zurückhaltend, sagte der Trainer: "Ja, so bin ich."

Mainz 05 - Borussia Dortmund 0:2 (0:0)
0:1 Sokratis (55.)
0:2 Kagawa (89.)
Mainz: Zentner - Balogun, Gbamin (46. Alexander Hack), Diallo - Donati (64. Maxim), Frei, Brosinski - Serdar, Latza - Quaison (76. Holtmann), Berggreen
Dortmund: Bürki - Toljan, Sokratis, Toprak, Schmelzer - Weigl - Kagawa, Guerreiro (90. Sahin) - Jarmolenko, Aubameyang, Pulisic (70. Dahoud)
Schiedsrichter: Benjamin Brand
Zuschauer: 33.500
Gelbe Karten: -



insgesamt 45 Beiträge
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jetzttexteich 13.12.2017
1. S u p e r !!!
Ich, als Kölner Fan, freue mich für Stöger und den BVB!!! Der Rausschmiss in Köln war nicht in Ordnung!!!
mcbarby 13.12.2017
2. Könnte was werden
mit Herrn Stöger. Mir hat seine Aussage gefallen, kein System spielen zu wollen, sondern die Spieler so einzusetzen, dass ihre Fähigkeiten auch zur Geltung kommen. Denn genau das hat man bei Bosz schmerzlich vermisst. Ich befürchte zwar, dass der Einfluss des neuen Trainers noch nicht ausreicht, um im DFB-Pokal gegen FCB zu bestehen, aber vielleicht geht's jetzt langsam wieder bergauf. Ich drücke die Daumen.
nn280 13.12.2017
3. Es wäre sehr erfreulich,
wenn wir auch das kommende Spiel gegen Hoffenheim gewinnen könnten, dann kämen wir wieder in die Spur und es entstünde ein wenig Hoffnung, daß der schönste Weg nach Berlin wieder über München führen könnte, aber daran wage ich noch nicht zu glauben.
Pela1961 13.12.2017
4. Schade,
mir wäre es ja lieber gewesen, die Dortmunder hätten erst nach dem Pokalspiel einen neuen Trainer engagiert :-). Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass innerhalb von gut einer Woche ein Trainer so viel erreichen kann, dass gegen einen FC Bayern, der ja auch wieder ganz gut drauf ist, ein Auswärtsspiel im Pokal gewonnen werden kann. Es wäre interessant zu wissen, welche Saisonziele der BVB und Stöger anvisieren. Aber da wird man wohl nie konkrete Angaben zu hören bekommen. Es wird auch schwierig zu vermitteln, wenn ein CL-Platz nach der jetzigen Situation noch erreicht wird, warum schon wieder ein sportlich erfolgreicher Trainer gehen muss. Denn angeblich soll ja im Sommer Schluß sein. Allerdings nicht wie bei Heynckes aus Altersgründen. Vielleicht überlegt man sich das ja nochmal.
urbanism 13.12.2017
5. eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
eine Schwalbe macht noch keinen Sommer sowie ein Sieg noch keine Krise beendet. Abgerechnet wird am Ende der Saison. Alles andere ist, sich an Strohhalme klammern. Also abwarten!!
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