BVB-Profi Raphaël Guerreiro Auf die "Wer alles unter Favre besser wurde"-Liste aufgenommen

Reus? Körperlich endlich stark. Bürki? Tadellos. Sancho? Attraktion der Liga. Lucien Favre hat den BVB besser gemacht. Immer wichtiger wird nun auch Raphaël Guerreiro, im Sommer noch Verkaufskandidat.

Raphaël Guerreiro
FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Raphaël Guerreiro

Aus Dortmund berichtet


Der Wechsel auf die rechte Seite kurz zuvor hatte sich gelohnt. So war der Weg zur Ersatzbank länger. Ein paar Sekunden brachte das. Raphaël Guerreiro schlurfte vom Platz, seine Teamkollegen pusteten ein bisschen durch für die Nachspielzeit, in der sie dann den knappen Vorsprung retteten.

Das 2:1 gegen Werder Bremen war der sechste Sieg von Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga hintereinander, fünf davon mit einem Tor Vorsprung. Beim 2:0 gegen den SC Freiburg gelang der zweite Treffer erst in der Nachspielzeit.

Ist der BVB immer nur ein bisschen besser als die Konkurrenz, wie es die jüngsten Ergebnisse vermuten lassen? Oder ist er weit voraus, wie es die neun Punkte Vorsprung in der Tabelle andeuten? Diese Fragen wurden auch Lucien Favre gestellt, und der Trainer trug erwartungsgemäß wenig zur Klärung bei. "Es ist eng. Das ist so", sagte der Coach. Fest steht: Der BVB ist bereits am 15. Spieltag vorzeitig Herbstmeister.

Favre monierte nach dem Spiel Fehler im defensiven Verhalten. Bremen habe zu häufig den Ball gehabt und sei "zu leicht" vor das Tor der Dortmunder gekommen. Er versprach: "Wir werden das schnell korrigieren." Die Verantwortlichen, Spieler und Fans des BVB werden ihm das aufs Wort glauben.

Fotostrecke

15  Bilder
BVB-Erfolg gegen Bremen: Auf Tränen folgt Jubel

Seit einem knappen halben Jahr ist Favre nun in Dortmund. Sie trauen ihm viel mehr zu als taktische Anpassungen, die Meisterschaft ganz bestimmt, manch einer vielleicht sogar den Stopp des Klimawandels. Dass die Südtribüne darauf verzichtet, den Trainer persönlich zu feiern, dürfte daran liegen, dass die Fans wissen, dass es Favre selbst peinlich wäre.

Lucien Favre hat in Windeseile eine auf vielen Positionen neu besetzte Mannschaft an die Spitze der Liga geführt. Er hat Mario Götze wieder in eine körperlich gute Verfassung gebracht, Torwart Roman Bürki spielt mittlerweile nahezu fehlerlos, Marco Reus seit Monaten auf höchstem Niveau, Jadon Sancho ist mit 18 Jahren eine Attraktion der Liga. Es stehen noch ein paar andere auf der "Wer alles unter Favre besser wurde"-Liste, inzwischen auch der Name von Raphaël Guerreiro. Der 25 Jahre alte Portugiese galt als Verkaufskandidat beim Projekt Umbruch, das im Sommer durchgezogen wurde.

Guerreiro war häufig verletzt, wirkte bisweilen lustlos, hinter vorgehaltener Hand wurde über eine schlechte Ernährung und wenig Eifer im Training erzählt.

Er blieb dann doch, stieg nach der Weltmeisterschaft verspätet ins Training ein, verletzte sich erneut. Inzwischen ist er wieder einer, der das Spiel des Tabellenführers auf der linken Seite im Mittelfeld belebt.

Favre (rechts) mit Guerreiro nach Monaco-Spiel
Getty Images

Favre (rechts) mit Guerreiro nach Monaco-Spiel

Seine Tempodribblings, den Ball ganz eng am linken Fuß, schaffen freie Räume, weil der Gegner mehrere Spieler braucht, um ihn stoppen zu wollen. Beim Sieg im Revierderby gab Guerreiro die Vorlage zum Siegtreffer, gegen Bremen legte er Paco Alcácer den Kopfball zum 1:0 mit einem scharf geschossenen Freistoß auf. Zwischendurch schoss er beide Tore zum 2:0-Sieg in der Champions League bei der AS Monaco.

"Rapha ist überragend, wenn er Bock hat." Dieser Satz stammt von Jan Siewert, dem Trainer der Regionalligamannschaft des BVB. Bei Favre hört sich das ganz nach Favre an, wenn er über die gute Entwicklung beim Europameister von 2016 spricht: "Er kam spät von der WM und hatte immer wieder muskuläre Probleme." Spieler in einen körperlichen Zustand zu bringen, der 90 Minuten Fußball in hohem Tempo ermöglicht, gehört zu den immer noch ein bisschen unterschätzten Fähigkeiten des Lucien Favre.

Zwei Spieltage vor dem Ende der Hinrunde darf sich der BVB schon Herbstmeister nennen. In der Saison 2017/2018 hatte er am 15. Spieltag auch den SV Werder zu Gast. Die Bremer gewannen damals 2:1, Dortmund lag als Achter 13 Punkte hinter der Spitze. Am nächsten Tag wurde Peter Stöger als Nachfolger von Peter Bosz vorgestellt.

Borussia Dortmund - Werder Bremen 2:1 (2:1)
1:0 Alcácer (19.)
2:0 Reus (27.)
2:1 Kruse (35.)
Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji, Diallo, Hakimi - Witsel, Delaney - Sancho (90. Philipp), Reus, Guerreiro (89. Pulisic) - Alcácer (81. Götze)
Werder Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Langkamp, Moisander, Augustinsson - Eggestein (83. Sargent), Sahin, Klaassen (18. Möhwald) - Kruse - Harnik, Rashica (73. Osako)
Gelbe Karten: Delaney / Langkamp, Harnik, Möhwald, Sargent
Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 81.365



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tafka_neowave 16.12.2018
1. Was ich micht fragte...
Was ich mich, so am Rande, fragte war, ob Raphas Freistossausführung eine spontane "Eingebung" war? Was, zumindest im ÖRR, nicht zu sehen war: Reus und Rapha stehen zur Ausführung des Freistosses dort, wo man in solchen Situationen eben so steht - aus Torwartsicht 2m hinterm Ball. Rapha läuft an... aber am Ball vorbei ca. 10- 15m in Richtung Grundlinie, stoppt, dreht um und auf dem "eher gemächlichen Rückweg" aus Richtung Torauslinie kommend, tritt er einigermasssen überraschend die Flanke die Pacco zum 1:0 nutzte. Empfand ich als ziemlich oberschlitzohrig.
Nonvaio01 16.12.2018
2. wurde?
hier wird schon in der vergangenheit gesprochen. Besser wurde keiner, momentan wuerde ich sagen man hat einen lauf. Ob jemand besser wurde weiss man erst nach 2 jahren. Momentan kann man sagen er holt das optimale aus dem kader, was ja wohl auch der Job eines Trainers ist. Deswegen jetzt in lobgeaenge verfallen ist ewas verfrueht. Vor allem wenn man Favres vergangenheit kennt.
retterdernation 16.12.2018
3. Die Saison ist gelaufen ...
Dortmund zeigt keine Schwäche und wird mit diesem großen Kader auch nicht zu stoppen sein, mutmaße ich mal. Ob das kommende Saison auch so sein wird, ist Spekulation. Es läuft halt, wie hier schon angemerkt wurde. Sicherlich gibt es Variablen, mit denen man jetzt nicht rechnen kann. Dann - wenn es in der CL um Sein oder nicht Sein geht, dann - wenn die Gegenspieler auch mal durchziehen, dann wird man sehen, ob die Unschlagbaren auch wirklich unschlagbar bleiben. Ob einzelne Spieler jetzt besser geworden sind, scheint logisch zu sein, wenn man im Siegesrausch ist. Also liebe Dortmunder - genießt den Moment ....
harronal 16.12.2018
4. Wenn man sich parallel dazu...
Zitat von tafka_neowaveWas ich mich, so am Rande, fragte war, ob Raphas Freistossausführung eine spontane "Eingebung" war? Was, zumindest im ÖRR, nicht zu sehen war: Reus und Rapha stehen zur Ausführung des Freistosses dort, wo man in solchen Situationen eben so steht - aus Torwartsicht 2m hinterm Ball. Rapha läuft an... aber am Ball vorbei ca. 10- 15m in Richtung Grundlinie, stoppt, dreht um und auf dem "eher gemächlichen Rückweg" aus Richtung Torauslinie kommend, tritt er einigermasssen überraschend die Flanke die Pacco zum 1:0 nutzte. Empfand ich als ziemlich oberschlitzohrig.
...die Bewegung und den auf die Millisekunde passenden Laufweg von Alcazer zu seinem Kopfball anschaut, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass der Freistoß inkl. der Anlauf-Finte von Reus "generalstabsmäßig" einstudiert wurde. In Spanien und GB gehören solche Standards im Training zum Aufwärmprogramm, bei uns sind sie - auch durch Schnarchnasen ala Löw - etwas in Vergessenheit geraten, werden aber immer spielentscheidender.
lesheinen 16.12.2018
5.
Favre trägt für mich als BMG-Anhänger seit seiner Zeit in Gladbach einen Heiligenschein. Beim BVB verdient er sich nach allem, was man so sieht, einen zweiten Ring dafür. Warum soll sein Wirken, Spieler mit unbestreitbarer Qualität noch besser zu machen, nicht herausgestellt werden?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.