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Sicherheitsbedenken Spiel von Borussia Dortmund II wegen Yildirim-Auftritt abgesagt

Die Südtribüne ist gesperrt - also wollen viele BVB-Fans das U23-Team in Oberhausen unterstützen. Doch daraus wird nichts: Weil gleichzeitig der türkische Ministerpräsident Yildirim auftritt, ist die Partie abgesagt worden.
BVB-Fans

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Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Wegen eines Auftritts des türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim ist die für kommenden Samstag (14 Uhr) angesetzte Partie der Regionalliga West zwischen Rot-Weiß Oberhausen und Borussia Dortmund II abgesetzt worden. Das teilte der Westdeutsche Fußballverband mit. Yildirim will am Samstag für das umstrittene Präsidialsystem in der Türkei werben, über das die Bürger im April in einem Referendum abstimmen sollen. Es werden bis zu 10.000 Teilnehmer in Oberhausen erwartet.

Die Absetzung der Begegnung entschieden gemeinsam die Polizei Oberhausen, die Stadt und die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) nach Rücksprache mit den beiden Vereinen. Wegen des geplanten Yildirim-Auftritts seien Sicherheitskräfte gebunden, sodass nicht genügend Personal für das Spiel abgestellt werden könne.

Unklar ist, ob die Absetzung auch damit zusammenhängt, dass sich mehr BVB-Fans als üblich auf den Weg nach Oberhausen machen wollten. Denn die Südtribüne des Dortmunder Signal Iduna Parks ist für die Bundesligabegegnung gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr; TV: Sky; High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) komplett gesperrt - als Folge der Ausschreitungen beim Auftritt von RB Leipzig in Dortmund.

Der BVB arbeitet an der Aufklärung der jüngsten Vorkommnisse. Klubpräsident Reinhard Rauball fordert von den Behörden die namentliche Offenlegung von Fußball-Gewalttätern. Rauball sagte der "Bild"-Zeitung, er erwarte die Vorlage der Personendaten, damit Stadionverbote ausgesprochen werden können.

Dabei geht es zunächst nicht um die Randale rund um die Partie gegen Leipzig, sondern um BVB-Anhänger, die auf der Fahrt zum Auswärtsspiel bei Darmstadt 98 (2:1) am vergangenen Samstag abgefangen worden waren. Zwei Busse mit 90 mutmaßlichen Randalierern waren von der Polizei gestoppt worden. Dabei wurden Pyrotechnik, Sturmhauben, Kampfsporthandschuhe, Drogen und Schmerzmittel sichergestellt.

BVB fürchtet "massive Gefahr" durch Hooligans

Dortmunds Mediendirektor teilte mit, der BVB sei "darauf angewiesen", dass der DFB die Stadionverbote auch tatsächlich ausspreche. Sollten die Behörden den Anforderungen nicht im gewünschten Umfang nachkommen, sieht die Borussia nach eigenen Angaben eine "massive Gefahr" durch die Hooligan-Gruppen in Deutschland, "und zwar auf Dauer".

Die ZIS empfiehlt dem DFB ebenfalls eine Sperre sämtlicher Beteiligten. "Wir gehen davon aus, dass die gesamte Gruppe mit dem Ziel nach Darmstadt reisen wollte, dort Straftaten zu begehen und Auseinandersetzungen zu provozieren. Deshalb halten wir ein bundesweites Stadionverbot gegen alle angetroffenen Personen für sinnvoll", hieß es in einer Stellungnahme.

Rauball sagte der "Bild": "Mit Recht haben Justizbehörden, Politik, Polizei und DFB in den vergangenen Tagen eine hohe Erwartungshaltung an Borussia Dortmund adressiert. Wir wiederum haben im Gegenzug die glasklare Erwartungshaltung, dass Worten nun Taten folgen."

Wie die Zeitung berichtete, sind die Daten für diese Woche angekündigt. Allerdings werden wohl nicht alle relevanten Personalien übermittelt. "Die Polizei prüft, ob das Aussprechen von bundesweiten Stadionverboten gemäß den Verbandsrichtlinien generell möglich ist und regt dann eine Prüfung durch Klub oder Verband an. Dieser entscheidet im Einzelfall", so DFB-Sicherheitsbeauftragter Hendrik Große Lefert.

Entscheidend ist, ob den mutmaßlichen Gewalttätern eine Straftat zugerechnet werden kann, in diesem Fall droht ein bundesweites Stadionverbot. Im Fall der 90 gestoppten BVB-Anhänger gab es offenbar aber nur vier Anzeigen.

mon/dpa/sid