Pokalerfolg des BVB gegen Mönchengladbach Julian löscht den Brand

Die Krise von Borussia Dortmund hätte sich zugespitzt, wenn Gladbach die Führung gehalten hätte. In Abwesenheit nahezu aller Führungsspieler rettete Julian Brandt den BVB mit zwei Toren.

Julian Brandt schießt Borussia Dortmund ins Achtelfinale des DFB-Pokals
Jörg Schäler/ Getty Images

Julian Brandt schießt Borussia Dortmund ins Achtelfinale des DFB-Pokals

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Führungsspieler gesucht: Beide Trainer mussten auf diverse Stammspieler verzichten, doch nur beim BVB wurde das zur Belastungsprobe für den Kader. Denn Trainer Lucien Favre fehlten mit Marco Reus, Mats Hummels, Roman Bürki und Paco Alcácer vier Profis, die in einer um Stabilität ringenden Mannschaft so etwas wie Führungsanspruch verkörpern. Vor Wochen wurde beim BVB eine unsinnige M-Wort-Diskussion (Mentalität, nicht Meisterschaft) geführt, diese Partie hatte trotzdem das Potenzial, richtungsweisend zu sein. Wohin führt der Weg von Borussia Dortmund?

Das Ergebnis: Erst mal ins Achtelfinale des DFB-Pokals. Der BVB gewann das Borussen-Duell 2:1 (0:0), lesen Sie hier die Zusammenfassung des Pokalabends. Ausgelost wird das Achtelfinale am 3. November ab 18 Uhr im Rahmen der Sportschau, gespielt wird am 4. und 5. Februar 2020.

Brandmeister des Spiels: Julian Brandt war vor der Saison als großer Hoffnungsträger von Bayer Leverkusen nach Dortmund gekommen. Doch in den ersten Wochen wollte es für den Nationalspieler nicht laufen. Für einige BVB-Fans ist Brandt sogar ein Gesicht der Krise. Als er gegen Gladbach in der ersten Hälfte wiederholt Bälle verlor, ging ein Raunen durch das Westfalenstadion. Als der BVB dann kurz vor dem Aus stand, übernahm der diesmal für Reus auf seiner Lieblingsposition im Offensivzentrum spielende Brandt Verantwortung. Innerhalb weniger Minuten zeigte er sein ganzes Können:

  • Vorbereitung einer Sancho-Großchance mit einem Tiefenlauf zur Grundlinie (77. Minute).
  • Starker erster Ballkontakt nach Pass von Lukasz Piszczek (77.).
  • Abschluss aus 18 Metern, der durch die Abfälschung von Denis Zakaria und Nico Elvedi zum 1:1 im Tor landet (77.).
  • Hackentrick auf den eingewechselten Mario Götze, der auf Thorgan Hazard ablegt (80.).
  • Bei der anschließenden Flanke von Hazard steigt Brandt hoch und köpft ins linke Eck zum Sieg ein (80.).
Julian Brandt köpft den 2:1-Siegtreffer
Martin Meissner/ AP

Julian Brandt köpft den 2:1-Siegtreffer

Erste Hälfte: Die Wiederholung des Bundesliga-Duells vor elf Tagen (1:0 für den BVB) wurde durch folgende Dinge geprägt: Pressing und Fehlpässe. Beide Angriffsreihen liefen sehr früh an, was bei den neuformierten Abwehrketten viel Sinn ergab. Beim BVB debütierte Dan-Axel Zagadou in der Startelf, Gladbachs Coach Marco Rose stellte auf Dreierkette mit Mittelfeldspieler Zakaria im Zentrum um. Zagadou und Zakaria gehörten zu den besten Spielern auf dem Platz und so gab es nur wenige Großchancen. Für Dortmund traf Hazard die Latte (29.), bei den Gästen scheiterte Marcus Thuram nach einem Fehler von Manuel Akanji aus kurzer Distanz an Ersatztorwart Marwin Hitz (38.).

Zweite Hälfte: Das Spiel änderte sich, nicht zu seinem Vorteil. Beide Teams schraubten im Pressing das Risiko zurück, die Angst vor entscheidenden Fehlern war spürbar und so gab es keine erwähnenswerten Szenen vor den Toren. Bis zur 71. Minute, als Julian Weigl im Zentrum zu nachlässig zurücklief, der eingewechselte Oscar Wendt unbedrängt flanken konnte und Thuram wegen einer kleinen Körperfinte gegen Zagadou freistehend einköpfen konnte. Gladbach stand kurz vor dem Einzug ins Achtelfinale - dann kam Julian Brandt.

Alles wieder gut? Im Nachgang des Spiels waren die Fragensteller in der ARD darauf aus, den Spielern und dem Trainer Erleichterung zu entlocken. Bei Piszczek ging das schief, der Ersatzkapitän sagte: "Ich lese keine Zeitungen. Alles Drumherum interessiert mich nicht." Favre, der seit Wochen im BVB-Umfeld und in den Medien kritisiert wird, reagierte für seine ansonsten unterkühlte Art ungehalten auf die Frage, ob nun alles wieder gut sei. "Letzte Woche war alles schlecht, und nach einem Sieg ist alles wieder gut?"

Favre hat recht. Verliert der BVB eines der kommenden Heimspiele gegen Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) oder Inter Mailand am Dienstag, wird der Brand in Dortmund wieder entfacht.

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 2:1 (0:0)
0:1 Thuram (71.)
1:1 Brandt (77.)
2:1 Brandt (80.)
BVB: Hitz - Piszczek, Akanji, Zagadou, Schulz (78. Götze) - Witsel, Weigl - Sancho, Brandt, Hazard - Bruun Larsen (64. Hakimi)
BMG: Sommer - Beyer, Zakaria, Elvedi - Lainer, Hofmann (87. Makridis), Neuhaus, Bensebaini (30. Wendt) - Benes (82. Herrmann) - Stindl, Thuram
Schiedsrichter: Cortus
Gelbe Karten: Schulz - Zakaria, Neuhaus
Rote Karte: Rose (Trainer Mönchengladbach)
Zuschauer: 79.800



insgesamt 53 Beiträge
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hileute 31.10.2019
1. Gladbach hat es Brandt auch sehr leicht gemacht
wenn alle Verteidiger n Sicherheitsabstand von 3m gehalten hätten wäre es schwerer gewesen. Noch dazu hätte Sommer vlt den zweiten Treffer verhindern können wenn er gesprungen wäre anstatt sich fallen zu lassen, das sah zumindest im Fernsehen sehr unglücklich aus. Aber wie dem auch sei hat Gladbach in der zweiten Hälfte eigentlich nichts auf die Reihe gekriegt und hätte den Sieg auf keinen Fall mehr verdient als der bvb
christianu 31.10.2019
2. Bleibt gelassen
Das Spiel heute abend war richtig gut. Gewonnen hat der BVB, mein Verein, aber glücklich war es auch. Hört auf mit den Reden über eine Krise. Auch wenn wir heute verloren hätten, selbst wenn wir absteigen, ich bleibe BVB-Fan. Es ist einfach unpassend, Vereine in eine Krise zu reden. Der wahre Fußballfan kennt so etwas nicht.
aurichter 31.10.2019
3. Ist oft
bei Teams dieses Kalibers, dass man ein rassiges Spiel erwartet mit vielen Torsten und Konterfußball vom Feinsten und dann......nur gegenseitiges belauern mit Fehlpässen, die einem mitunter eine Gänsehaut bescheren. Auffällig dabei ein Weigl, der fast nur durch Nachlässigkeit und Fehlpässe in Erinnerung ist, das war ein sehr schwaches Spiel von Ihm, wobei die Fehler nicht bestraft würden. Vom Spiel bis zum Tor von Gladbach dachte ich schon das war es und Gladbach eine Runde weiter. Und dann kam Brandt. So ist der Pokal halt, siehe Viertligisten :-))
gibmichdiekirsche 31.10.2019
4. Feiner Pokalabend
Ein äußerst sehenswertes Spiel zweier Mannschaften, die beide stark ersatzgeschwächt alles und auf Augenhöhe gegeben und den Zuschauern im Stadion und vor dem Fernseher einen tollen Pokalabend geboten haben. Natürlich bin ich als BVBorusse froh über das Weiterkommen, sage aber auch gern, dass ich die Borussia vom Niederrhein im weiteren Wettbewerb vermissen werde. Die spielen einen hoch beachtlichen Ball und haben offenbar mit Marco Rose auch den richtigen Übungsleiter bekommen. Ich finde es gut, dass der Fußball-Westen eine weitere Spitzenmannschaft hat, die noch von sich reden machen wird - da bin ich ziemlich sicher. Schade um die knapp 2.000 Gästetickets, die kurzfristig als Rückläufer nicht mehr verkauft werden konnten. Das Spiel hätte allemal eine volle Hütte verdient gehabt.
K:F 31.10.2019
5. Gladbach glatt besser
BVB geht als Sieger vom Platz. Das schlimmste an dem Spiel war jedoch Der Kommentator. Grottenechlecht. Einzelkritik über Spieler, Fehler werden als Aussetzer! hochstilisiert. Systemanalyse fehl am Platz. Bartels quasselt wie zu Ernst Huberties Zeiten. Schwarzenbeck zu Beckenbauer, Beckenbauer zu Breiter , Breiter zu Müller, Tor. Die ARD sollte mal Sachunterricht bei DAZN nehmen. Da sitzen zwei Kommentatoren, Profis vom Fach, besprechen und erläutern die jeweilige Spielsituation und nicht das individuelle Fehlerhaften einzelner Spieler.
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