Dortmunds 4:0-Sieg gegen Schalke Comeback des Verwöhners

Auf Schalke muss die Polizei die Fans vom Arena-Eingang fernhalten, die Dortmunder Anhänger zünden Bengalos. Sportlich stand erneut Jadon Sancho im Fokus.
Dortmunds Jadon Sancho: »Haben sehr viel mit ihm gesprochen«

Dortmunds Jadon Sancho: »Haben sehr viel mit ihm gesprochen«

Foto: Martin Meissner / dpa

Die Fans, die während des Spiels so fehlten, rückten nach dem Spiel in den Blickpunkt. In Gelsenkirchen wurden Schalker Anhänger dabei gefilmt, wie Polizisten sie vom Eingang der Arena fernhielten. Vermutlich wollten sie die Spieler abfangen, um sie nach der 0:4-Niederlage im Derby zur Rede zu stellen.

In Dortmund empfingen die Fans den Mannschaftsbus, um die Spieler nach dem Sieg zu feiern. Ein Video davon auf dem Instagramkanal von Mahmoud Dahoud verbreitete sich rasend schnell. Es zeigte ein Meer an Bengalos, völlige Ekstase bei Spielern wie Fans, aber auch die Missachtung jeglicher Corona-Regeln. Nur wenige Fans trugen eine Maske, ohne jegliche Abstände bildete sich eine große Traube vor dem Bus.

Dahoud löschte das Video später, auch Jadon Sancho entfernte den heiklen Part aus seiner Story bei Instagram. Unabhängig vom Social-Media-Auftritt des Engländers werden andere Bilder von diesem Derby in Erinnerung bleiben: die von Sanchos Tor zum 1:0 etwa, oder die seiner Flanke vor dem spektakulären Treffer von Erling Haaland zum 2:0.

»Das war keine leichte Phase für ihn«

Sancho hatte auch ein anderes Foto gepostet, das eigentlich gegen das Protokoll verstößt: Er trägt darauf die Kapitänsbinde am linken Arm, auf die Vizekapitän Mats Hummels nach der Auswechslung von Marco Reus Anspruch gehabt hätte. Sancho schnappte sich die Binde zum wiederholten Male, sie muss ihm viel bedeuten.

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Was bedeutet ihm der Job bei Borussia Dortmund? Diese Frage wurde in den vergangenen Monaten häufig diskutiert. Da war das Angebot bei Manchester United, das ihm angeblich den Kopf verdrehte, da waren Spiele, in denen er lustlos, kraftlos, abwesend wirkte.

»Das war keine leichte Phase für ihn«, sagte Trainer Edin Terzić, »wir sind da gemeinsam mit ihm durchgegangen, haben sehr viel mit ihm gesprochen, individuell mit ihm gearbeitet.«

Der Trainerwechsel könnte eine Erklärung für den Aufschwung bei Sancho sein. Unter Terzić, der Mitte Dezember zum Chef befördert wurde, gelangen ihm sämtliche fünf Saisontore und sechs seiner nun zehn Assists. »Jetzt ist er wieder bei der alten Stärke – gefühlt«, sagte der Trainer, dessen Vorgänger Lucien Favre die monatelange Schwächephase Sanchos stets mit den normalen Schwankungen eines jungen Spielers erklärte.

17 Tore und 17 Vorlagen – in der vergangenen Saison

Edin Terzić lieferte am Samstag weitere Gründe für die Steigerung des 20 Jahre alten Engländers. Etwa die Verschiebung vom rechten an das linke Ende der offensiven Dreierkette hinter Mittelstürmer Erling Haaland: »Da hat er mit Raphaël Guerreiro einen kongenialen Partner, mit dem er sehr gut kombinieren kann.«

Außerdem seien die hohen Erwartungen dafür verantwortlich gewesen, dass der Abschwung drastischer gewirkt habe, als er aus seiner Sicht gewesen sei: »Wir waren sehr verwöhnt von den letzten Jahren, sowohl von der Quote als auch von seinen Aktionen.« In der vergangenen Saison schoss Sancho 17 Tore und gab 17 Vorlagen.

Auffällig ist, dass der Abschwung einsetzte, nachdem die Liga wegen der Pandemie unterbrochen worden war. Drei Tore im Spiel beim SC Paderborn bildeten die Ausnahme, ansonsten gab es schwache Spiele, oft wurde Sancho nur eingewechselt.

Corona und die dadurch entstehenden Beschränkungen, das ist allerdings nur vertraulich aus dem Verein zu hören, seien nicht nur für Jadon Sancho ein Problem. Auch der 17 Jahre alte Jude Bellingham, Giovanni Reyna (18) und Reinier (19) litten darunter, dass sie weitgehend isoliert leben müssen und nur zwischen Wohnung und Arbeitsplatz pendeln. Für Sancho etwa ist ein Trip in die Heimat nach London, um seine Familie zu sehen, nicht mal eben so möglich.

»Für die Fans«

Nüchtern betrachtet war der Sieg beim Tabellenletzten eine Pflicht, erst recht weil Eintracht Frankfurt als Konkurrent um einen Platz in der Champions League zuvor sogar gegen die Bayern gewonnen hatte. Was passieren würde, sollte der BVB in der kommenden Saison nicht in der Eliteliga spielen, wird seit Wochen spekuliert.

Sancho und Haaland gelten als Kandidaten für Verkäufe, die den finanziellen Schaden einer verpassten Champions League kompensieren könnten. Der BVB ist dabei in einer recht komfortablen Situation. Sanchos Vertrag ist noch bis Sommer 2023 gültig, die kolportierte Ausstiegsklausel bei Haaland soll erst 2022 greifen können.

Auf dem Foto, das Sancho mit der Kapitänsbinde am linken Arm zeigte, klopfte er sich mit der rechten Hand auf das Wappen des BVB. »Für die Fans«, schrieb er darunter. Neuer Stoff für Spekulationen in den kommenden Wochen.

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