Dramatischer BVB-Sieg in der Champions League Sturm nach der Pause

0:2 lag Borussia Dortmund zur Halbzeit zurück, am Ende siegte der Klub 3:2 gegen Inter Mailand. Dabei bestätigte sich auf spektakuläre Art ein Trend der vergangenen Wochen: Die zweite BVB-Hälfte ist die bessere.

Dortmunder Spieler
Team 2/ imago images

Dortmunder Spieler

Von , Dortmund


Das anstehende Bundesliga-Topspiel gegen die Bayern am Wochenende war für Lucien Favre an diesem Abend kein Thema. "Darüber spreche ich heute nicht", sagte der Trainer von Borussia Dortmund. Hans-Joachim Watzke spürte immerhin schon "ein bisschen Rückenwind für Samstag". Doch zu streitlustigen Grüßen, wie man sie nach dieser emotionalen 3:2-Aufholjagd in der Champions League gegen Inter Mailand hätte erwarten können, ließ sich auch der BVB-Geschäftsführer nicht hinreißen.

So eine Zurückhaltung ist Norbert Dickel fremd. Der Stadionsprecher brüllt viel und gerne, er hat die Grenzen des guten Geschmacks schon häufiger überschritten. Am Dienstag blieb er im Rahmen, aber streitlustig war es allemal, was er kurz nach dem Abpfiff abließ. "Ihr wart einfach großartig. Danke, danke, danke", so Dickel zu den Fans des BVB, "und am Samstag hauen wir die Bayern weg, davon bin ich überzeugt."

Das ist eine kühne Prognose für das Duell in München, das in den vergangenen vier Bundesliga-Spielzeiten aus Sicht der Borussen so ausging: 0:5, 0:6, 1:4, 1:5.

"Das war richtiger BVB-Fußball"

Dickel musste noch berauscht gewesen sein von dieser zweiten Hälfte gegen ein Inter, das vor der Pause aussah wie eine italienische Mannschaft aus den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts: durch nichts zu beeindrucken, im Abschluss eiskalt, ausgebufft, abgezockt, irgendwie majestätisch.

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BVB-Sieg gegen Inter: Die Aufholjäger

In der zweiten Hälfte spielte der BVB dann wie der BVB aus den frühen Jahren dieses Jahrzehnts. "Das war richtiger BVB-Fußball, sehr intensiv, sehr mutig", schwärmte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl, "all das, was wir uns eine ganze Saison erwünscht und nur phasenweise gezeigt hatten, haben wir heute in der zweiten Halbzeit gesehen."

Die Mannschaft schob im Block weiter nach vorne, der Gegner wurde früher und aggressiver angegriffen, das Tempo ohne Ball und im Kombinationsspiel angezogen. "Das war schön zu sehen", sagte Favre, Mario Götze staunte fast ein bisschen: "Wir haben Inter nicht mehr atmen lassen."

Achraf Hakimi ragte heraus

Herausragend in allem, das den BVB ab der 46. Minute auszeichnete, war Achraf Hakimi, der zwei Tore schoss und damit nun vier von fünf Dortmunder Treffern in der laufenden Champions League erzielte. "Achraf bringt uns diese Gier, diese Verrücktheit, diese läuferische Intensität", sagte Kehl.

Hakimis Leistung war so außergewöhnlich wie die Steigerung in der zweiten Hälfte, ein Phänomen, das in milderer Form schon in der vergangenen Wochen zu beobachten war. In der Bundesliga gewann der BVB zuletzt 3:0 gegen den VfL Wolfsburg, die Tore erzielte er gänzlich nach der Pause. In den bisherigen vier Spielen der Champions League schoss die Borussia in der zweiten Hälfte stets häufiger aufs Tor als in der ersten. Gegen Inter waren es 13 Schüsse nach und sechs vor der Pause.

Auch läuferisch war eine signifikante Steigerung zu erkennen. Während die Dortmunder ihre Leistung auf 61 Kilometer im Vergleich zu 59,1 steigerten, fiel Inters Wert von 62,8 auf 59,6 Kilometer nach der Pause. Lucien Favre erklärte die Leistungssteigerung in den zweiten Hälften, die selbst beim insgesamt trotzdem gruseligen 0:0 beim FC Schalke zu erkennen war, häufiger mit der zunehmenden Müdigkeit beim Gegner. Seine Mannschaft habe sich zudem "besser bewegt".

Vollgas-Fußball wie in besten Zeiten

Mit höherem Tempo in Räume vorzustoßen, die in der ersten Hälfte noch zugestellt waren, ist eine Qualität der Dortmunder in den vergangenen Wochen. Die Spieler des BVB trauen wieder ihren Stärken, behalten die Ruhe, ohne bedächtigen Fußball zu spielen. Gegen Inter Mailand war es nach der Pause eine Vollgas-Veranstaltung wie in besten Zeiten.

Das kann ein gutes Omen für die Dortmunder sein: Damals ging der BVB in München nicht so unter wie zuletzt. Sondern gewann sogar recht häufig.

Borussia Dortmund - Inter Mailand 3:2 (0:2)
0:1 Martínez (5.)
0:2 Vecino (40.)
1:2 Hakimi (51.)
2:2 Brandt (64.)
3:2 Hakimi (77.)
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Hummels, Schulz - Witsel, Weigl - Sancho (82. Piszczek), Brandt, Hazard (88. Guerreiro) - Götze (64. Alcácer)
Inter: Handanovic - Godin, de Vrij, Skriniar - Brozovic - Candreva, Vecino (68. Sensi), Barella, Biraghi (66. Lazaro) - Lukaku (73. Politano), Martínez
Schiedsrichter: Danny Makkelie
Gelbe Karten: Hazard / Biraghi, Skriniar, Candreva
Zuschauer: 66.000



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
gammoncrack 06.11.2019
1. Ich finde diese Euphorie von Herrn Dickel
auch als hoch risikoreich. ich würde vermuten, dass er das wohl inzwischen selbst weiß. Wenn Dortmund in München verliert oder auch nur Unentschieden spielt, wird man ihm diesen Ausbruch wohl häufiger unter die Nase reiben. Es bringt meines Erachtens nicht viel, sich wegen eines guten Spiels so weit aus dem Fenster zu legen. Man könnte leicht rausfallen.
inge-p.1 06.11.2019
2. Ein Zeichen vom BVB
Dortmund nimmt Fahrt auf für das Müller/Boatang - Spiel am Wochenende.
Nonvaio01 06.11.2019
3. Kirche im Dorf lassen
Inter ist nun nicht gerade ein schwergewicht in der CL. man muss abwarten bis richtig gute gegner kommen.
spon_2956127 06.11.2019
4. Nö!
Zitat von gammoncrackauch als hoch risikoreich. ich würde vermuten, dass er das wohl inzwischen selbst weiß. Wenn Dortmund in München verliert oder auch nur Unentschieden spielt, wird man ihm diesen Ausbruch wohl häufiger unter die Nase reiben. Es bringt meines Erachtens nicht viel, sich wegen eines guten Spiels so weit aus dem Fenster zu legen. Man könnte leicht rausfallen.
Der Kultstatus von Dickel und dem BVB-Netradio begründet sich ja gerade auf der gnadenlosen Einseitigkeit der Berichterstattung, ohne den geringsten Anpruch auf journalistische Ausgewogenheit. Genauso gut könnte man einem Fan in der Gelben Wand das Mikro vor die Nase halten. Und es kämen die gleichen, ungefilterten Emotionen heraus. Genau das ist das geforderte Sendeformat, und Dickel wird dem gerecht. Dickel würde sein "Ausbruch" also selbst bei einer Niederlage in München genauso wenig auf die Nase fallen, wie der Süd ihr gestriges "Zieht den Bayern die Lederhose aus" nach dem Spiel.
viceman 06.11.2019
5. Inter ist 'kein Schwergewicht "?
Zitat von Nonvaio01Inter ist nun nicht gerade ein schwergewicht in der CL. man muss abwarten bis richtig gute gegner kommen.
der 2. der italienischen liga ist kein 'guten Gegner', na da ziehe ich mal den Hut vor soviel Sachverstand !
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