BVB-Sieg in Hamburg Alles stimmt

Bei Borussia Dortmunds lockerem Sieg in Hamburg stellte der BVB nicht nur einen Rekord auf. Das Team präsentierte sich vor allem als komplette Einheit. Endlich funktioniert auch die Defensive wieder.

Aus dem Volksparkstadion berichtet


Dem Rekordmann gebührte der Schlusspunkt. Als Roman Bürki mühelos die letzte hohe Flanke in seinen Strafraum heruntergepflückt hatte, pfiff Schiedsrichter Felix Zwayer ab und ließ sich vom Schweizer Schlussmann den Ball geben. Jenen Ball, den weder Bürki, noch einer seiner Vorderleute von Borussia Dortmund beim 3:0-Auswärtssieg gegen den Hamburger SV aus dem eigenen Netz hatte holen müssen.

Auch im fünften Bundesligaspiel der Saison sind die Westfalen ohne Gegentreffer geblieben - Vereinsrekord. "Nach jedem unserer Tore habe ich Blickkontakt zu den Innenverteidigern gehabt, und wir haben uns gesagt: Heute steht wieder die Null", sagte Bürki.

In Hamburg war die Serie nur zweimal in Gefahr. In der 31. Minute parierte Bürki einen wuchtigen Kopfball von André Hahn. Und als der Torhüter in der 54. Minute eine Hereingabe nur abklatschen konnte, setzte Mergim Mavraj den Nachschuss ans Außennetz.

BVB besticht durch seine individuelle Klasse

Die Gastgeber spielten vor 52.926 Zuschauern gut mit, BVB-Trainer Peter Bosz lobte gar, dass Hamburg so viel Druck ausgeübt habe "wie noch keine andere Mannschaft in dieser Saison". Doch Dortmund hatte nicht nur mehr und größere Torchancen, sondern schlichtweg auch die besseren Individualisten.

Vor allem die Achse mit den Mittelfeldspielern Shinji Kagawa und Nuri Sahin sowie dem Sturmtrio Pulisic, Aubameyang und Yarmolenko bildete ein Quintett von ganz hoher Qualität. Gar nicht auszudenken, wie diese bestens eingespielte BVB-Offensive erst agiert, wenn Mario Götze oder Marco Reus wieder zur Verfügung stehen.

Einziges Manko beim vierten Saisonsieg: die Chancenverwertung. Pulisic (8. Minute) und Aubameyang (16./Außenpfosten) hätten die Gäste bereits in Führung bringen können, ehe Kagawa im Anschluss an einen Yarmolenko-Freistoß den Ball aus Nahdistanz vor drei HSV-Verteidigern und Schlussmann Mathenia in die Maschen löffelte (24.).

Bürki hatte 60 Sekunden vor diesem Treffer den 16 Jahre alten Dortmunder Startrekord von 382 Minuten ohne Gegentor verbessert. Der Torhüter musste in der Bundesliga letztmals am 20. Mai in der 68. Minute beim 4:3-Heimsieg gegen Werder Bremen hinter sich greifen. "Ich glaube, wir spielen sehr offensiv, verteidigen aber auch sehr offensiv und sind sehr diszipliniert von vorne an", lobt der 26-Jährige die Defensivleistung.

Yarmolenko scheint jetzt schon ein Gewinn zu sein

Doch bei einem Team wie dem BVB geht der Blick eher auf die Abteilung Attacke. Und da hat Dortmund mit Andrej Yarmolenko einen robusten Angreifer hinzubekommen, der nicht auftritt, als spiele er erst seit vier Pflichtpartien mit seinen neuen Nebenleuten zusammen. Der Ukrainer ist nicht nur kräftig, sondern für seine Maße (1,89 Meter, 81 Kilogramm) auch sehr schnell. Und für Nuri Sahin ist Yarmolenko vor allem eines: "ein Mann".

Bestes Beispiel: der Führungstreffer. Der resultierte aus einem Foul von Lewis Holtby an Yarmolenko. Der Hamburger hatte dem Dortmunder an der Grundlinie kräftig auf den Knöchel getreten. Kurze Zeit später stand Yarmolenko wieder und lupfte den Ball gefühlvoll vor das HSV-Tor, wo Kagawa vollendete. "Wir müssen nicht über seine Qualitäten reden - er ist ein überragender Fußballer und Mensch, passt perfekt ins Team", sagt Bürki.

Für Sahin sticht bei Yarmolenko neben seinen fußballerischen Fertigkeiten die kurze und scheinbar mühelose Eingewöhnung heraus. "Aus der Ukraine zu kommen und sich so zu integrieren - das ist charakterstark", betont Sahin. Wie gut der Neuling mit der Rückennummer neun bereits in die BVB-Offensive passt, wurde beim 0:2 deutlich. Pulisic bediente in der 63. Minute Yarmolenko, und der legte schräg vor das Gehäuse, wo Aubameyang den Ball am langen Pfosten mühelos über die Linie drückte. Schnell, schnörkellos, schön.

Dortmund ist nach fünf Spieltagen Tabellenführer, hat die beste Offensive (13 Tore), die stabilste Defensive und zudem saisonübergreifend in elf Bundesligaspielen nacheinander nicht mehr verloren. Bürki blendet diese Daten derzeit noch aus. Es sei der falsche Zeitpunkt, um auf die Tabelle zu schauen - alles noch "ein bisschen früh" sagt der Schweizer.

Es ist jedoch nicht zu früh, um zu erkennen, dass diese Borussia jede Menge Potenzial hat - vorne und hinten. Bürki weiß das: "Wie heißt es so schön? Offensive gewinnt Spiele und Defensive gewinnt Meisterschaften."

Hamburger SV - Borussia Dortmund 0:3 (0:1)
0:1 Kagawa (24.)
0:2 Aubameyang (63.)
0:3 Pulisic (79.)
Hamburg: Mathenia - Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Sakai (48. Santos) - Jung - Walace, Salihovic (70. Waldschmidt) - Hahn, Wood (84. Janjicic), Holtby. - Trainer: Gisdol
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Zagadou (84. Bruun Larsen) - Sahin - Castro, Kagawa (66. Dahoud) - Jarmolenko (67. Philipp), Aubameyang, Pulisic. - Trainer: Bosz
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 52.962
Gelbe Karten: Papadopoulos (3), Sakai, Holtby -



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
modemhamster 21.09.2017
1. War ein schönes Spiel
Vor allem, weil der HSV nicht so defensiv-langweilig gespielt hat wie Freiburg, sondern munter mitgespielt hat. Und so getreten haben sie auch nicht.
gnarze 21.09.2017
2. Mal abwarten,
bislang hat der BVB ja eher gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte gespielt. Erst ab Spieltag 12 bis 13 wird man erkennen, wie sich die Kräfte entwickeln.
immerdreimalmehrwiedu 21.09.2017
3. Funktionierende Defensive?
Von welcher Sportart kommt der Autor? Die BVB-Abwehr ist sicherlich nicht die schlechteste aber die Null Gegentore in der Liga sind reine Glücksache bzw. Unvermögen der Gegner (siehe CL- Spiel in London). Hätte Dortmund gestern z. B. gegen Bayern gespielt hätte es zur Halbzeit 1:3 gegen Dortmund gestanden! Da muss sich noch einiges tun, um wirklich von einer funktionierenden Defensive zu sprechen!
peeka(neu) 21.09.2017
4. Oh
Ich gebe gern zu, mich völlig geirrt zu haben, denn ich hätte eher darauf gewettet, dass Peter Bosz der erste Trainer der neuen Saison sein dürfte, der frühzeitig gehen muss und dass es sinnvoll für Dembele gewesen sei, einen mittelklassigen Verein hin zu einem Spitzenverein zu verlassen. Nun ist alles anders gekommen, selbst Aubameyang könnte bis Saisonende so gehalten werden. Zumindest ist es positiv zu sehen, dass die Meisterschaft diesmal nicht schon nach den ersten Spieltagen entschieden ist sondern spannend werden könnte. Dennoch widme ich mich lieber den unteren Ligen und werde morgen endlich "meine" Borussia in ihrem ersten Heimspiel in dieser Saison unterstützen dürfen.
skeptikerjörg 21.09.2017
5. Defensive stimmt?
Optimismus ist immer gut und als BVB-anhänger freue ich mich natürlich über die aktuelle Situation. Aber ich Teile die Euphorie nicht; das einzige Mal, dass die Defensive richtig gefordert war, war gegen Tottenham und da stand sie nicht! Also mal nicht die Null in den bisherigen BL-spielen zu Maßstab nehmen und weiter dran arbeiten. Nicht alle gehen mit ihren Chancen so fahrlässig um, wie Köln oder der HSV. Ob die Defensive stimmt werden wir nach M'Gladbach und Real wissen.
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