BVB-Sieg über Bayer Die bessere Taktik

Abwarten gegen Sturm und Drang - Borussia Dortmund war selten so defensiv in einem Heimspiel wie in der ersten Halbzeit gegen Bayer Leverkusen. Am Ende hat sich genau das ausgezahlt.

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Zahl des Spiels: 81. So viel Prozent Ballbesitz hatte Bayer Leverkusen in den ersten 20 Minuten dieser Partie. Eine Zahl, die die eindrucksvolle Dominanz der Gäste in der Anfangsphase recht passend wiedergibt. Und was soll man sagen? Den Dortmundern war es egal.

Ergebnis des Spiels: 3:2 für Borussia Dortmund, und das ist am Ende die weitaus wichtigere Zahl. Zum Spielbericht geht es hier.

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Dortmund siegt gegen Leverkusen: Erst dominiert, dann brilliert

Die erste Halbzeit: "Leverkusen kommt hier mit einem ganz breiten kreuz" erkannte Sky-Kommentator Kai Dittmann schon nach ein paar Minuten. Wenn nicht Bayer, welcher Klub sollte auch ein solches Kreuz dabei haben? Leverkusen schnürte den Tabellenführer phasenweise ein, und es dauerte eine ganze Zeit, bis man ahnt, dass das möglicherweise sogar Absicht von BVB-Coach Lucien Favre war. Die klassische Rope-a-Dope-Taktik von Muhammad Ali. Den Gegner austoben lassen, sich wie gegen einen Tropensturm, der vorüberzieht, wegducken. Und dann selbst mit 2:1-Führung durch Tore von Dan-Axel Zagadou (30.) und Jadon Sancho (38.) in die Pause gehen. Das Bayer-Tor durch Kevin Volland (37.) muss man hinnehmen.

Die zweite Halbzeit: Nicht mehr so spektakulär wie die erste, aber es war immer noch einiges los. Als Jonathan Tah (75.) eine Viertelstunde vor Schluss ein weiteres BVB-Tor von Mario Götze (60.) mit dem 2:3-Anschluss beantwortete, musste allen BVB-Anhängern nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen klar sein, dass jetzt auch noch der Ausgleich fallen würde - wie zuletzt im Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim. Aber Bayer ist eben nicht Hoffenheim, auch wenn Traditionsfans da keinen großen Unterschied machen.

Personalie des Spiels: Der arme Peter Bosz, der in Dortmund ein so unglückliches Intermezzo gegeben hatte, musste vor dem Spiel die Frage über sich ergehen lassen, ob das für ihn nun "eine Rückkehr in die Heimat" sei. Da muss der Heimatbegriff aber noch einmal geschärft werden. Ansonsten ließ der Bayer-Trainer seine Mannschaft tatsächlich so spielen, als wäre er noch der BVB-Coach. Mit voller Kapelle nach vorne - und hinten hilft eben nicht der liebe Gott. Und wenn dann am Anfang das Pulver verschossen wird und man nicht trifft, verliert man eben auch gegen Heidenheim oder Dortmund.

Duell des Spiels: Zwei Trainer, zwei Philosophien. Dabei kommt ein Fußballspiel heraus, das man sich einfach sehr gerne anschaut. Lucien Favre, der feine Taktiker, konnte sich am Ende im Recht wähnen. Aber wenn Bayer am Anfang seine Chancen genutzt hätte, hätte das für den Tabellenführer auch sehr böse ausgehen können. Und dann hätte niemand das Taktikhirn Favre gelobt. So ist das eben.

Zitat des Spiels: Sky macht während der Übertragung ihrer Bundesligaspiele derzeit Promotion für eine hauseigene Fernsehserie mit dem Motto: "Was würden Sie tun, wenn in acht Tagen die Welt untergeht? " Vermutlich Fußball wie Peter Bosz spielen lassen. Allerdings könnte es sein, dass sie Welt dann schon nach sechs Tagen am Ende ist.

Erkenntnis des Spiels: Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte am Vormittag im "Doppelpass" der erstaunten Öffentlichkeit verkündet, sein FC Bayern sei nach dem 1:0-Erfolg über Hertha BSC am Samstag jetzt Tabellenführer. Obwohl er da schon nur auf Platz zwei hinter den punktgleichen Dortmundern lag. Nach dieser Logik haben die Bayern ihre Führung durch den BVB-Erfolg jetzt sogar noch ausgebaut.

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gammoncrack 24.02.2019
1. Mein BVB versucht ganz offensichtlich, das Durchschnittsalter
seiner Fans zu verjüngen. Für uns Ältere kostet ein solches Spiel etliche Lebensjahre. Vielleicht sollte man Herrn Favrè einmal deutlich machen, dass seine Taktik durchaus als Gesundheitsschädlich betrachtet werden kann. Und damit meine ich nicht die Spieler und ihn.
Oihme 24.02.2019
2. Das ...
... Déjà-vu der letzten BVB-Spiele mit der gelungenen Aufholjagd des Gegners blieb den Fans der Borussen zum Glück erspart. Am Ende zeigte der BVB eine gefestigte Leistung, wenn das nun das Ende der von anderen Klubs herbeigesehnte Krise war, sind die Dortmunder wohl doch noch mit einem blauen Auge aus den letzten Wochen gekommen. Hoeneß hat mit seinem heutigen "Doppelpass"-Auftritt wieder man gezeigt, dass er den Kontakt zur Wirklichkeit komplett verloren hat. Ja klar: Bayern ist Tabellenführer, Brazzo ist ein Sportdirektor-Genie und der FCB hat die Meisterschaft schon zu Saisonbeginn nur deshalb abgeschenkt, um Robbery einen würdigen Abgang zu verschaffen - der Mann ist sich wirklich für nichts zu peinlich!
halverhahn 24.02.2019
3. Taktik vom BVB??? Lächerlich!!
Also ich hab da gewaltige Zweifel, ob das alles so vom BVB gewollt war bzw zur Taktik gehörte... Leverkusen war in den ersten 30-40min einfach zu stark und hat durch eigenen Offensiv-Druck und Pressing die Dortmunder in der Anfangsphase ganz einfach an die Wand gespielt. Der BVB hatte diesmal einfach nur das Glück, das ihnen in den letzten Wochen häufig gefehlt hat. Quasi aus dem Nichts fiel das 1:0 und nach der erneuten Führung zum 2:1 wuchs zunehmend das Dortmunder Selbstvertrauen. That's all. Von wegen Taktik...
tafka_neowave 25.02.2019
4. Nach dieser Logik!
Hoeneß hatte [...] verkündet, sein FC Bayern sei [...] jetzt Tabellenführer. Obwohl er da schon nur auf Platz zwei hinter den punktgleichen Dortmundern lag. Nach dieser Logik haben die Bayern ihre Führung durch den BVB-Erfolg jetzt sogar noch ausgebaut.! You made my Day. Großes Kino. :-))
gibmichdiekirsche 25.02.2019
5.
Tolles Spiel zweier klasse Mannschaften. Wohl selten hat ein Trainerwechsel so viel zum Guten verändert wie der Wechsel von Heiko Herrlich auf Peter Bosz. Kompliment dafür, dass und wie sich B04 aus bedenklichen Tabellenregionen zu einem CL-Aspiranten hoch gearbeitet hat und was sie so alles drauf haben. Die erste halbe Stunde konnte einem als BVBorusse Angst und Bange werden. Wobei mir wenigstens die legendären Worte Jürgens Prochnows als Kaleu in das "Das Boot" während einer harten Verfolgung durch einen Zerstörer ermutigend einfielen: "Wer viel schmeißt, hat bald nichts mehr." Vergleichbares war dem Spiel heute anzumerken. Leverkusen konnte das irre Pressing und Tempo der Anfangsphase schlicht nicht länger als 28 Minuten aufrecht erhalten. Und sobald der eigene Druck nach vorne nachliess, konnten die Borussen die Anfälligkeit der Bayer-Defensive gnadenlos ausnutzen. Nochmals: Ein BL-Spiel, wie ich eines gern an jedem Wochenende sehen würde. PS: Das wunderbar heraus gespielte und dann nicht gegebene Alcaçer-Tor war regelgerecht weil zumindest gleiche Höhe. Aber sei's drum...
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