BVB-Sieg gegen Werder Gesetz der Trägheit

Der BVB ist Herbstmeister und hat gegen Werder einmal mehr gezeigt, wie stark er ist. Mit Bremen kam allerdings auch ein Team mit passenden Schwächen nach Dortmund. Außerdem: Neues vom Videobeweis.

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Der Überfall: In der siebten Minute führte Werder eine Ecke aus. 11,5 Sekunden später folgte ein Torabschluss, allerdings durch Dortmunds Paco Alcácer. Der BVB überrannte Werder buchstäblich. Am Ende stand eine Sieben-gegen-Fünf-Situation weit in der gegnerischen Hälfte. Davy Klaassen klärte dann zwar den Lupfer Alcácers auf der Linie und der Angreifer hatte zuvor ohnehin im Abseits gestanden. Aber dennoch: Die Szene zeigte die Wucht, die Geschwindigkeit, mit der Dortmund die Saison bisher so erfolgreich bestreitet.

Das Ergebnis: Borussia Dortmund hat Werder Bremen 2:1 (2:1) geschlagen. Damit ist der BVB vorzeitig Herbstmeister. Hier geht es zum Spielbericht.

Der Abschied: 274 Spiele hatte Nuri Sahin für den BVB absolviert. Jetzt kehrte er im Werder-Trikot zurück. Im Sommer war er nach Bremen gewechselt. Vor dem Spiel wurde er verabschiedet, nach dem Schlusspfiff von der Südtribüne gefeiert. Sahin war sichtlich bewegt und beschrieb die Momente anschließend als "schwer" und "schön".

Nuri Sahin
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Nuri Sahin

Die erste Hälfte: Werder begann durchaus mutig, aber nach und nach übernahm der BVB die Kontrolle. Alcácer traf per Kopf nach einer Freistoß-Flanke von Raphaël Guerreiro, das Tor zählte nach Videobeweis. Marco Reus legte nach Zuspiel von Jadon Sancho nach. Max Kruse sorgte mit einem sehenswerten Distanzschuss für den Anschlusstreffer. Und dann war da noch die elfte Minute.

Umstrittene Szene des Spiels: In jener elften Minute ging Reus nach einem Zweikampf mit Klaassen im Werder-Strafraum zu Boden. Der Bremer hatte den Dortmunder geschubst und zudem am Bein getroffen - klares Foul. Das Schiedsrichtergespann griff nicht ein und zur großen Verwunderung vieler blieb auch der Videoassistent in Köln still. Warum? Darum:

Die zweite Hälfte: Ein ähnliches Bild wie vor der Pause. Werder begann recht offensiv, hatte eine erste Großchance durch Kruse, dann aber dominierte Dortmund. Ein Hackentrick hier, eine schnelle Passfolge dort, immer wieder kombinierte sich der BVB elegant in gefährliche Zonen - verpasste aber den dritten Treffer mehrfach. Götzes Tor in der Nachspielzeit wurde wegen einer vorangegangenen Abseitsstellung aberkannt.

Gesetz der Trägheit: Eins der größten Bremer Probleme im Spiel war, dass die Dortmunder Stärke so gut zur eigenen Schwäche passte. Was die Geschwindigkeit angeht, sind die Unterschiede zwischen beiden Teams enorm, gerade im Zentrum. Das fällt vor allem bei Gegenangriffen auf, bei denen wiederholt Dortmunder-Überzahl-Situationen entstanden.

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Ohne Gegenwehr: Aber selbst in eigener Überzahl war Werder teils zu anfällig. Das beste Beispiel war der zweite Treffer: Drei Dortmunder und fünf Bremer standen im Werder-Strafraum, zwei weitere Bremer kamen gerade dazu, als Sancho in aller Ruhe in die Mitte passen durfte, wo Reus einschob.

Fazit des Spiels: Werder hatte gerade erst einen wochenlangen Negativlauf beendet. Gegen Dortmund zeigten die Bremer gute Ansätze und spielten mutig - waren aber überfordert. In den verbleibenden zwei Spieltagen der Hinrunde muss sich die Mannschaft nun weiter stabilisieren. Ganz anders der BVB: Der Herbstmeister wird nun alles daran setzen, den Neun-Punkte-Vorsprung bis zur Winterpause zu verteidigen.

Borussia Dortmund - Werder Bremen 2:1 (2:1)
1:0 Alcácer (19.)
2:0 Reus (27.)
2:1 Kruse (35.)
Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Akanji, Diallo, Hakimi - Witsel, Delaney - Sancho (90. Philipp), Reus, Guerreiro (89. Pulisic) - Alcácer (81. Götze)
Werder Bremen: Pavlenka - Gebres Selassie, Langkamp, Moisander, Augustinsson - Eggestein (83. Sargent), Sahin, Klaassen (18. Möhwald) - Kruse - Harnik, Rashica (73. Osako)
Gelbe Karten: Delaney / Langkamp, Harnik, Möhwald, Sargent
Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 81.365

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatte es geheißen, die Elfmetersituation zwischen Klaassen und Reus sei eine klare Fehlentscheidung gewesen. Dadurch, dass Reus zuvor aber im Abseits gestanden hatte, war es korrekt, dass der Videoschiedsrichter nicht eingriff.



insgesamt 8 Beiträge
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nervenzusammenbruch 15.12.2018
1. Abseits
Von Collinas Erben wurde darauf hingewiesen das Reus im Abseits war und der VAR wohl deshalb nicht eingegriffen hat. Ich kann das selbst nicht verifizieren, das könnte man aber überprüfen. Vlt. lag er diesmal gar nicht falsch.
christianu 15.12.2018
2. Ball flach halten!
Ich bin Fan des BVB und deshalb mit dem Verlauf der bisherigen Saison hoch zufrieden. Aber ich halte es für falsch, eine Mannschaft in den Himmel zu heben oder, wie es dem FCB widerfuhr, niederzuschreiben. Der BVB zeigte großartige Spiele, z.B. das gegen die Bayern, aber durchaus auch mäßige. Jede Mannschaft hat Höhen und Tiefen, und es wäre schrecklich, wenn eine immer gewinnt. Selbst wenn es der BVB wäre - wozu sollte ich dann noch auf der Tribüne stehen? Die grenzenlose Spannung, das Kribbeln im Bauch und die Möglichkeit, dass auch der statistisch viel Schlechtere als Sieger vom Platz gehen kann, machen es aus, dass ich gerne Fußball anschaue. So soll es auch bleiben.
poitierstours 16.12.2018
3. Würdiger Rahmen für Sahin
Der BVB spielt einfach Fußball, der noch einfacherer Spaß macht. Bremen war stark als Gegner. Aber letztlich gab Dortmund den Bremern nur die spielerische Kulisse samt Regieanleitung für ihre gute Performance. Da schwingt eine Leichtigkeit, die natürlich in überhebliche Arroganz umschlagen kann. Aber wie soll so ein schwindelerregender Angriffsfußball ohne so ein Selbstbewusstsein und eine solche Selbstsicherheit gespielt werden können. Die spielerische Klasse ist da, bei so vielen Spielern dieser Mannschaft, so dass die Bundesliga ein selten erlebtes Qualitätsgefühl erlebt. Da spielen die sensationellen Verpflichtungen des BVB eine nicht unerhebliche Rolle. Wenn der BVB oder auch Gladbach weiterhin eine überragende Saison spielen, dann darf man zum Wohle des deutschen Fußball hoffen, dass wir am Ende der Saison einen neuen Deutschen Meister küren. Auf europäischer Ebene reicht es nicht, wenn nur die Bayern kontinuierlich gute Spitzenleistung in Führung und Mannschaft bringen. Nuri Sahin hat einen tollen Abschied vor der Wand erhalten. Das ist dem sympathischen Menschen und Spieler mehr als zu gönnen. Marco Reus mahnt unterdessen zurecht die Aufrechterhaltung der Seriosität an. Als Fan des Fußballspiels kann man sich auch für die bald anstehende Rückrunde so einen explodierend gleitenden Angriffsfußball wünschen.
Otto Müller 16.12.2018
4. Immer wieder doof...
die Hälfte des Spiels zu vergessen oder auszublenden. Als sich Klaassen in Minute sieben bei einer Rettungstat um den eigenen Pfosten gewickelt und verletzt hat, war es Sekunden vorher ein klares, erkennbares Abseits! Fahne hoch - pfeifen = keine Rettungstat mit Verletzung. Beim "3:1" standen zwischen 1 bis 4 BVB-Spieler deutlichst auch aus dem Augenwinkel erkennbar im Abseits. Ist schon aufgefallen, das die Schirileistungen seit Einführung des VAR eklatant schlechter und nicht mehr nachvollziehbar geworden sind? Dann leg ich noch dem Werder-TW den Ball vor die Füße und pfeife direkt danach ab. Provo pur - und nun das Bild auf den unterlegenen SVW-Trainer.....Geil
RalfHenrichs 16.12.2018
5. Werder muss nicht stabilisieren
In der Vorrunde geht es noch gegen Hoffenheim und Leipzig. Die Spiele kann Werder ruhig verlieren. Dann schließt Bremen die Vorrunde mit 21 Punkten ab (die hat Bremen jetzt schon), mehr kann man von Werder nicht verlangen (sage ich als Werder-Fan). Punkten muss Werder dann wieder in der Rückrunde, dann kommen ja auch wieder andere Gegner.
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