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BVB-Sieg gegen St. Pauli Und jetzt zu den Bayern

Borussia Dortmund hat die Pflichtaufgabe im Pokal gegen den FC St. Pauli souverän gelöst - das ist keine Selbstverständlichkeit für den Krisen-BVB. Die ganz große Aufgabe wartet jetzt am Wochenende: der FC Bayern.

Als das Spiel vorbei war, wurde das Millerntor-Stadion erfüllt vom Gefühl allgemeiner Zufriedenheit. Die Fans des FC St. Pauli spendeten ihrer Mannschaft Applaus, weil sie sich anständig präsentiert hatte im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund. Mit einem 0:3 gegen den großen BVB lässt es sich leben, wenn man zuletzt in der zweiten Liga vom Karlsruher SC vorgeführt worden war und nur Drittletzter ist.

Und bei den Dortmunder Fans regierten Euphorie und Erleichterung darüber, dass die Mannschaft die Pflichtaufgabe in Hamburg ohne größere Probleme bewältigt hatte. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit beim BVB in diesen Tagen: In der Liga gab es in den vergangenen sechs Spielen ein Unentschieden und fünf Niederlagen. Und das gegen Mannschaften, die nicht zu den natürlichen Feinden im Kampf um die Champions-League-Ränge zählen: Hamburger SV, 1. FC Köln und zuletzt Hannover 96.

Zumindest leichte Hoffnungen hatte sich der FC St. Pauli also machen dürfen vor dem Aufeinandertreffen, zumal vor den eigenen Fans. Dass Dortmund eine Blamage verhinderte, kommentierte Jürgen Klopp ohne Überschwang: "Wir sind weitergekommen, keiner hat sich verletzt, alles ist gut", fasste der Dortmunder Trainer den Abend zusammen.

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DFB-Pokal: Dortmunds Frustbewältigung

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Klopp ist nach dem Spiel nicht in die tiefere Analyse eingestiegen, dazu war die Partie zu wenig kontrovers, die Verhältnisse waren zu klar. Zur Pause stand es schon 2:0 für den BVB durch die Treffer des auch an diesem Abend nicht immer glücklichen Ciro Immobile (33. Minute) und Marco Reus (44.). In der zweiten Hälfte leisteten sich die Gäste ein paar Nachlässigkeiten, die Abwehr um den zeitweise seltsam verunsicherten Mats Hummels geriet mehrmals durcheinander. Gefahr für das Dortmunder Weiterkommen bestand allerdings nicht. Shinji Kagawas Treffer kurz vor Schluss gestaltete den Sieg standesgemäß. "Das Tor kam ein bisschen zu spät, aber es kam", sagte Klopp.

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Neben dem Einzug ins Achtelfinale des Pokals freute sich der Dortmunder Trainer über Details im Spiel seiner Mannschaft. Dass sie sich nicht habe zurückwerfen lassen durch das offenbar zu Unrecht aberkannte Tor von Immobile noch vor dem 1:0 und dass sie die zarte Drangphase der Gastgeber in der zweiten Hälfte schadlos überstanden hatte.

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BVB in der Einzelkritik: Reus sorgt für Ruhe

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Auch die Dortmunder Spieler hatten kein Interesse an ausgiebiger Manöverkritik. "Es war sicherlich nicht alles perfekt, aber das ist in unserer Situation wurscht", sagte Sebastian Kehl: "Wir müssen auch mal einen dreckigen Sieg einfahren." Für die schönen Siege hat der BVB ja immer noch die Champions League, wo es ungeachtet der Liga-Krise erstaunlich gut läuft.

Möglicherweise brauchen die Dortmunder große Gegner, um zu großer Form aufzulaufen. Oder zumindest Gegner, die sich nicht bloß vor dem eigenen Tor verschanzen und auf Konterchancen warten, wie es die meisten Mannschaften tun, mit denen es der BVB in der Liga aufnehmen muss. Insofern könnte ihnen die kommenden Aufgabe gelegen kommen: Am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es in München gegen den FC Bayern.

Vor anderthalb Jahren standen sich die beiden Teams im Finale der Champions League gegenüber, auf Augenhöhe an der Spitze des europäischen Fußballs. Doch mittlerweile hat sich eine beachtliche Lücke aufgetan zwischen beiden Vereinen. Die Dortmunder Helden laufen nach und nach zum Rivalen aus dem Süden über, erst Mario Götze, dann Robert Lewandowski. Auch an Reus sind die Bayern angeblich interessiert. Die Verhältnisse im deutschen Fußball sind wieder gekippt - auch ohne die aktuelle Krise würde der BVB als Außenseiter nach München reisen.

Die Dortmunder wissen, dass der Pflichtsieg im Pokal nicht zur Kampfansage an den FC Bayern taugt. "Wir haben gegen St. Pauli gespielt. Das ist nicht böse gemeint, aber am Wochenende wartet ein anderes Kaliber", formulierte Kehl diplomatisch. Rückschlüsse auf das Spiel gegen den Rekordmeister lassen sich nicht ziehen. Das Spiel gegen den FC Bayern wird schon deswegen anders, weil der BVB dann keine knapp 60 Prozent Ballbesitz haben wird wie gegen St. Pauli, und weil Spieler wie die im Pokal geschonten Pierre-Emerick Aubameyang und Ilkay Gündogan wieder dabei sein werden.

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Was die Dortmunder aus Hamburg mitnehmen, ist das gute Gefühl, nicht noch weiter in die Krise gerutscht zu sein mit einem möglichen Pokal-Aus. Außerdem war der 3:0-Erfolg gut für das eigene Selbstverständnis: "Wir sind immer Borussia Dortmund, wir haben immer noch eine enorme Qualität. Dieses Selbstvertrauen müssen wir auf den Platz bringen", sagte Kehl. Wenn es nach dem BVB geht am besten auch am Wochenende in München.

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