Dortmund nach dem Derbysieg Zurück zum Erfolgssystem

Lucien Favre hat seit dem desolaten Auftritt in der Champions League einiges umgekrempelt. Bei der Torwartfrage aber bleibt er sich treu. Mats Hummels verteidigt den Trainer.
Von Marcus Bark, Dortmund
Hat vor dem Revierderby "sehr ausführlich" und "sehr intensiv" mit seinem Trainer gesprochen: Torschütze Mats Hummels

Hat vor dem Revierderby "sehr ausführlich" und "sehr intensiv" mit seinem Trainer gesprochen: Torschütze Mats Hummels

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Leon Kuegeler / dpa

Es ist ein Muster zu erkennen. Einem Spiel, nach dem Borussia Dortmund und damit vor allem Trainer Lucien Favre kritisiert wird, folgt eines, mit dem sich die Wogen schnell wieder glätten.

Seitdem der Schweizer im Sommer 2018 seine Arbeit beim BVB aufnahm, verlor die Mannschaft nur zweimal zwei Spiele hintereinander in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal. In der vergangenen Saison war dies im Februar der Fall. Dem Aus im Pokal bei Werder Bremen folgte eine 3:4-Niederlage bei Bayer Leverkusen. Es war ein spektakuläres Fußballspiel, in dem Favre zum ersten Mal seit Monaten eine Viererkette in der Abwehr aufgestellt hatte.

Danach verzichtete er wieder auf diese Formation, die er in der reinen Lehre bevorzugt. Die Ergebnisse sprachen jedoch auch nach dem Abend von Leverkusen für drei Innenverteidiger, auch die Spieler und Vorgesetzten sollen diese Variante nahegelegt haben.

Vor dem Revierderby am Samstag gab es einen Sinneswandel. Mats Hummels berichtete nach dem 3:0-Sieg gegen den FC Schalke 04, dass er vorher "sehr ausführlich" und "sehr intensiv" mit Favre über die Grundformation gesprochen habe. Nach der auch aus den eigenen Reihen als "desolat" bezeichneten Leistung in der Champions League bei Lazio Rom, der Formschwäche von Lukasz Piszczek, der Verletzung von Dan-Axel Zagadou und letztlich dem positiven Corona-Test bei Emre Can dürfte die Entscheidung dann leicht gefallen sein. Hummels lieferte eine weitere Begründung: "Es war klar, dass wir gegen so eine massierte Deckung einen offensiven Spieler mehr auf dem Platz brauchen."

Die personellen Änderungen, etwa Julian Brandt und Mahmoud Dahoud in in der Startelf, überzeugten ebenfalls, genau wie sich das Festhalten an Thomas Meunier, der in Rom der Schwächste unter Schwachen war, als richtig herausstellte.

Dass der BVB gegen Schalke das ganze Spiel über dominierte, lag auch an den Überzahlsituationen in der Hälfte des Gegners, die sich dank der weit nach vorne geschobenen Außenverteidiger und eines geduldigen, aber dennoch temporeichen Passspiels ergaben.

Der Berg, vor dem Favre steht

Favre ließ offen, ob der Wechsel der Grundformation eine Entscheidung für die kommenden Wochen sei, in denen es in enger Taktung in Champions League und Bundesliga weitergeht. Flexibel will er sein. Angesichts der Gegner wird er dafür gute Argumente finden, denn in der Liga folgt auf das Spiel bei Arminia Bielefeld jenes gegen den FC Bayern.

Der Meister aus München ist der Berg, vor dem Favre steht. Erst wenn er ihn bezwingt und auch locker über Hügel in Köln und Stuttgart spaziert, werden die Kritiker verstummen. "Das interessiert mich nicht, überhaupt nicht", antwortete der Trainer am Samstag auf die Frage, wie er die neuerliche Schelte nach dem Spiel bei Lazio wahrgenommen habe.

Ein leichter Wandel ist bei dem bald 63 Jahre alten Fußballlehrer in den vergangenen Tagen doch zu bemerken gewesen. Noch in Rom versprach er, dass der BVB die Gruppenphase der Champions League, in der Zenit St. Petersburg und der Club Brügge die weiteren Gegner sind, überstehen wird. Vor dem Derby versprach er einen Sieg. Die üblichen Warnungen, dass es "sehr, sehr schwer" werde, reduzierte er auf ein Minimum.

Bei der Torhüterfrage stabil

Bei den Fragen nach seinen Torhütern mied Favre auch nach dem Spiel gegen Schalke, in dem Roman Bürki wieder im Tor stand, ohne dass er sich dafür hätte Arbeitskleidung anziehen müssen, ein Bekenntnis zu einer Stammbesetzung. Dabei hatten sowohl Sportdirektor Michael Zorc als auch dessen designierter Nachfolger Sebastian Kehl öffentlich erwähnt, dass Bürki die Nummer eins sei und sie keinen Grund für eine Änderung sähen. Favre reagierte im ZDF schräg, als er die Reporterin Claudia Neumann anfuhr: "Mir gefällt die Frage nicht." In anderen Interviews ließ er durchblicken, dass er sich künftig auch bei der Wahl des Torhüters vorstellen könne, flexibel zu sein.

Mats Hummels, der nach seinem ersten Tor im 19. Derby gegen Schalke in Plauderlaune war, sagte: "Es ist legitim, dass Lucien nicht so viel preisgeben will. Wer Unterhaltung will, muss ab 23.15 Uhr dann halt Pro Sieben einschalten."