Neuer BVB-Trainer Stöger Stabilität vom Tabellenletzten

Nur ein Bundesligist war seit Oktober schlechter als Borussia Dortmund: der 1. FC Köln. Genau dessen Trainer hat der BVB jetzt verpflichtet, um den jüngsten Niedergang aufzuhalten. Was steckt hinter diesem Plan?

imago

Von , Dortmund


Die kurze Zeit, in der Peter Bosz Borussia Dortmund trainierte, lässt sich in zwei Phasen einteilen. In der ersten holte die Mannschaft 19 Punkte aus sieben Spielen in der Bundesliga, die Fans sangen von der Meisterschaft. In der zweiten Phase, einer des sportlichen Niedergangs in Raketengeschwindigkeit, waren es drei Punkte aus acht Spielen. Nur der 1. FC Köln, der abgeschlagen den letzten Platz belegt, war in dieser zweiten Phase noch schlechter.

Peter Stöger, der ebenjenen 1. FC Köln bis zum vergangenen Sonntag trainierte, ist eine Woche später als neuer Trainer bei Borussia Dortmund vorgestellt worden. Der Fußball schreibt die merkwürdigsten Geschichten.

Fotostrecke

10  Bilder
Bosz-Aus beim BVB: Erst gefeiert, dann gefeuert

Am Samstagabend, nach einer erbärmlichen Leistung und einer 1:2-Heimniederlage gegen Werder Bremen, erhielt Stöger, so erzählten es die Protagonisten, einen Anruf von Hans-Joachim Watzke. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund hatte dem Niederländer Bosz nach nur fünf Monaten Zusammenarbeit "in einem sehr emotionalen Gespräch" die Freistellung erläutert.

Der Drei-Punkte-Trainer

"Ich habe ihm schon gesagt, dass ich derjenige bin, der mit dem 1. FC Köln bislang nur drei Punkte geholt hat", berichtete Stöger. Watzke schmunzelte. Er und Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc werteten die bisherige Saison der Kölner als Streichergebnis. Sie bewerteten allein die vier Jahre Stögers zuvor.

Zorc hob zwei Eigenschaften des 51 Jahre alten Österreichers hervor, den sie im Sommer schon mal zu einem Sondierungsgespräch getroffen hatten, als es galt, einen Nachfolger für Thomas Tuchel zu bestimmen: "Peter hat gezeigt, dass er einer Mannschaft Stabilität verleihen kann. Ich glaube, diese Stabilität in der Defensive fehlt uns derzeit am meisten." Das belegen die zwei Phasen: In der ersten gelangen Dortmunds Gegnern zwei Tore, in der zweiten 21.

Indirekt gab Zorc auch zu, dass es Probleme im Binnenverhältnis der Mannschaft gibt, die den Niedergang beschleunigten. Kapitän Marcel Schmelzer hatte das schon nach dem Spiel gegen Bremen angesprochen: "Es kotzt mich an, wie wir hier zu Hause auftreten." Stöger, so Sportdirektor Zorc, habe in Köln auch gezeigt, dass er "Risse kitten" könne.

Der neue Trainer will an diesem Punkt ansetzen: "Ich werde mal hören, wo es Probleme gegeben haben könnte." Zudem wolle er "mehr Empathie in die Gruppe bringen". Die häufig leidenschaftslosen Leistungen vieler Spieler in den vergangenen Wochen sind ihm aufgefallen.

Mit der Verpflichtung von Stöger, dem ersten Trainerwechsel während der laufenden Saison seit mehr als zehn Jahren, geht der BVB einen Paradigmenwechsel ein. Bosz sollte im Geist seiner Vorgänger Jürgen Klopp und Tuchel attraktiven Fußball spielen lassen. Bei Stöger geht es darum, den Niedergang pragmatisch aufzuhalten.

Den kürzlich noch an Bosz erteilten Auftrag, die direkte Qualifikation für die Champions League und damit mindestens den vierten Tabellenplatz zu schaffen, ist vorerst zurückgenommen worden. "Wir sollten das realistisch angehen und erst mal sehen, dass wir ein paar Punkte holen", sagte Watzke. Am Dienstag beim FSV Mainz 05 und am Samstag gegen die TSG Hoffenheim stehen noch zwei Bundesligaspiele bis Weihnachten an. Watzke: "In der Wintervorbereitung sagen wir dann wieder etwas zu den Zielen."

Fotostrecke

18  Bilder
Borussia Dortmund: Traditionsklub aus dem Kohlenpott

Stögers Vertrag wird nur bis zum 30. Juni gültig sein. "Ich hätte auch 14 Tage genommen. So sind es sechs Monate geworden. Mehr brauche ich momentan nicht", sagte der Trainer, der Manfred Schmid als seinen Assistenten aus Kölner Zeiten mitbringt. Neu im Trainerstab wird Jörg Heinrich sein, der 1997 mit dem BVB die Champions League gewann.

Stöger führte den 1. FC Köln aus der zweiten Liga bis in den Europapokal, erstmals nach 25 Jahren. "Das ist ein richtig, richtig geiler Klub", sagte der Österreicher im Rückblick. Daher sei auch bei den Sondierungen im Sommer schnell klar geworden, dass er dem ersten Werben nicht erliegen werde. Am Samstagabend waren beide Parteien schnell einig.

Stöger: "Ich war gerade von Köln aus zu meiner Familie nach Wien geflogen. Dann kam der Anruf von Aki (Watzke). Da bin ich eben wieder hergeflogen." Die Zeit habe immerhin gereicht, um eine halbe Stunde bei der Mutter zu essen: "So eine Möglichkeit wie Dortmund bekommst du einmal im Leben."



insgesamt 100 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Orthoklas 10.12.2017
1. Super Aki
Mit Abstiegskampf kennt er sich ja aus. Vor einer Woche mit katastrophaler Bilanz gefeuert, ruft Aki sechs Tage später bei ihm an - Stöger kommt vor Lachen nicht in den Schlaf. Und der BvB nicht in den Europapokal.
guenther.kukla 10.12.2017
2. Was hinter diesen Plan steht ?
Ich tippe mal auf "Abstiegs-Sehnsucht" Wer einen erfolglosen Trainer durch einen noch erfolgloseren austauscht der hat ganz bestimmte Sehnsüchte, z.B. Meister in der 2. Liga werden, wenn es denn in der ersten Liga sowieso nicht klappt. Meine Empfehlung wäre: Peter Neururer ! Oder Hildegard Knef "Von nun an gings bergab!"
wi_hartmann@t-online.de 10.12.2017
3. Stöger
Stöger ein Motivator für die untere Tabellenhälfte. Mit diesem Trainer geht es eher um den Kampf gegen den Abstieg.
Nonvaio01 10.12.2017
4. hahahhahah
ich dachte wir haben 1 April als ich das gelesen habe......wow
henry.miller 10.12.2017
5.
Na ja, nachdem sie dem Stöger die halbe Mannschaft verkauft hatten, kam halt die quittung dazu
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.