Trainerwechsel beim BVB Im Blindflug

Auf Peter Bosz folgt Peter Stöger: Borussia Dortmund hat den Trainer gewechselt. Kurzfristig mag das Sinn ergeben. Die Probleme beim BVB aber bleiben - der Vereinsführung scheint der Plan zu fehlen.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke
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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke

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Der Trainerwechsel bei Borussia Dortmund mag mit Blick auf die aktuelle Krise richtig gewesen sein. Doch er steht auch für ein übergeordnetes Problem des Klubs: Den Verantwortlichen fehlt ein klares Konzept.

Seit Sonntagmittag ist klar, dass der BVB den zweiten Trainerwechsel innerhalb eines halben Jahres vorgenommen hat. Defensivspezialist Peter Stöger soll die Mannschaft stabilisieren, nachdem Peter Bosz seit Monaten ohne Sieg geblieben ist und spannende taktische Ansätze aus der Anfangszeit längst verschwunden sind. Zuletzt war da nur noch Unsicherheit.

Es ist daher gut möglich, dass der erhoffte Impuls eintritt. Die Zweifel an der Gesamtentwicklung der Borussia würden aber auch dann noch bestehen.

Es gibt vermutlich wenig, worauf sie in Dortmund besser verzichten können als auf Schalker Ratschläge, aber vom Sportdirektor des Rivalen, Christian Heidel, ist ein kluger Satz überliefert. "Der Verein gibt die Philosophie vor und sucht danach den Trainer aus und nicht umgekehrt", sagte Heidel, als er noch in Mainz war. In Dortmund beherzigen sie das entweder nicht, oder sie sind besonders wankelmütig.

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Auf Jürgen Klopps Vollgasfußball folgte Thomas Tuchels Ballbesitzorgie. Wunschnachfolger für Tuchel war Lucien Favre, als aber klar wurde, dass Nizza den Schweizer nicht gehen lässt, kam Bosz mit seinem völlig anderen Pressing-Ansatz. Nun kommt mit Stöger die nächste Kehrtwende. Man kann das pragmatisch nennen. Oder planlos.

Rund um den aktuellen Trainerwechsel gaben sich Dortmunds Verantwortliche sichtlich Mühe, die Unterschiede zur Trennung von Tuchel zu betonen. Anders als damals habe es mit Bosz keine zwischenmenschlichen Probleme gegeben.

Eine Gemeinsamkeit geht beiden Trennungen aber voraus: Die BVB-Führung, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc, gibt ein schlechtes Bild ab. Beide Male haben sie Trainer verpflichtet und sich hinterher darüber gewundert, wie diese ticken. Dabei ist es egal, ob die Gründe für eine Trennung sportlicher Natur sind oder nicht.

Die Risiken mussten dem BVB klar gewesen sein

Dass Boszs Spielidee mit großen Risiken verbunden sein würde, musste dem BVB klar gewesen sein. Schließlich war sie das schon immer. Die Überraschung ist daher nicht, dass der BVB unter Bosz extrem riskant spielte. Die Überraschung ist, dass Bosz in den vergangenen Wochen von diesem Stil abgerückt ist.

Hartnäckig halten sich Gerüchte, wonach Klubführung und Teile der Mannschaft beim Trainer auf einen Kurswechsel gedrängt haben sollen. Auf dem Feld spielte die Mannschaft dann seit Kurzem tatsächlich anders, Bosz rückte von seinem Stammsystem ab. Auf Druck von außen? Klar ist nur, dass der neue Stil die Defensive nicht stabilisiert hat, sondern mit zur Trennung führte.

Für den Sommer soll laut "Kicker" Hoffenheims Julian Nagelsmann die Wunschlösung als Stöger-Nachfolger sein. Dessen Vorstellung von Fußball hat mit der von Peter Stöger nicht viel gemein. Das muss nur noch jemand Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc erklären.



insgesamt 49 Beiträge
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doppelnass 10.12.2017
1. Ach Spon
Der gleiche Artikel erschien, mit anderen Namen, nach dem Heynckes Wechsel zu Bayern. Wartet erst mal ab.
leonardo da v 10.12.2017
2. Aktiengesellschaft
Die Aktionäre als Eigentümer müssen Watzke und Zorc kritische Fragen stellen. Mit dem Rausschmiss eines Erfolgsbringers(Tuchel) ist viel Geld verbrannt worden - und Erfolgslosigkeit anstelle von CL-Teilnahme und der damit verbundenen Einnahmen bereitwillig und unnötig in Kauf genommen worden.
Epsola 10.12.2017
3.
Vom Top-Trainer der Titel und europäpische Erfolge einbrachte zum gefeuerten Trainer des Tabellenletzten (0,2 Punkte pro Spiel). Vom selbsternannten bestem Fanblock zu einem von der Führung angeheiztem entmenschlichtem Mob mit handfestem Naziproblem. Vom Heilsbringer, der den Club schuldenfrei gemacht hat, wenn auch nur durch eine Kapitalerhöhung, zu einem Kameraverliebten selbsternannten Freiheitskämpfer, der allerdings andere an die "Front" schickt. Von heißesten Projekt Europas, einem funktionieren Mannschaftsgefüge, einer Talentfabrik, zu einer egoistischen Chaostruppe der die Spieler weglaufen. Von einem 4:0 zu einem 4:4. Das Problem ist nicht, dass der Vereinsführung der Plan fehlt. Das Problem ist die Führung selbst. Keine Führung wäre tatsächlich weniger schädlich als das was Watzke & Co veranstalten.
pascal3er2 10.12.2017
4. Watzke Raus
Tuchel hatte anscheinend Recht. So ist das wenn man den Trainer nicht seine Arbeit machen lässt und sich einmischt. Zu viele Köche verderben den Brei. Sahin saß beim Pokal-Finale nicht mal auf der Bank? Na und? War Sahin nicht gut genug. Fertig. Und Pokal gewonnen, alles richtig gemacht. Dann holt Watzke aus der 2.Liga den Trainer vom Spitzenreiter in Holland. Ja, Holland ist sowas wie 2.Liga. Eine schwache Liga.- Zudem der unnötige Dembele verkauf. Den hätte man auch für 100 Mios zwei Jahre später verticken können. Geld brauchte man nicht, was mach brauchte wär ein Dibbler gewesen und einen neuen Abwehrchef für 30+ x Mio.
wolke:sieben 10.12.2017
5. Na SUPER
....eine Mannschaft hat Stöger in dieser Saison schon in die 2. Liga( darauf gehe ich Wetten ein) verfrachtet, mal schaun ob er es mit Dortmund auch noch schafft, das wäre ein noch nicht dagewesener Fall, würde mich aber nicht wundern bei diesem Trainer !! Was müssen die Verantwortlichen von Dortmund sich bei dieser Verpflichtung gedacht haben, wahrscheinlich nicht viel.
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