Zugänge bei Borussia Dortmund Ergänzungen, keine Verstärkungen

Große Hoffnungen setzte man bei Borussia Dortmund im Sommer auf die prominenten Zugänge. Die Zwischenbilanz nach dem Derby bei Schalke 04 fällt ernüchternd aus.


Zugänge werden gerne auch als Verstärkungen bezeichnet. Das ist zum Zeitpunkt der Verpflichtung eine vorschnelle Wertung. Auch jetzt, nach einem guten Viertel der Bundesligasaison, ist es zu früh, um ein fundiertes Zeugnis auszustellen.

Es ist nur eine vorläufige Beurteilung möglich, und die fällt bei den prominenten Zugängen Borussia Dortmunds ernüchternd aus. Das lässt sich auch ganz gut mit einem Foto dokumentieren. Am Samstag, als der BVB zum enorm wichtigen Derby beim FC Schalke 04 antrat, saßen Nico Schulz, Julian Brandt und Thorgan Hazard auf der Bank.

Drei Nationalspieler für Favres System

Im Mai, kurz nach dem Ende der vergangenen Saison, verkündete der Verein innerhalb von zwei Tagen, dass er die drei Nationalspieler verpflichtet habe. Auch wenn das Interesse und die Einigungen schon durchgesickert waren, gab es ein Raunen ob der Käufe für jeweils etwa 25 Millionen Euro. Der BVB, so hieß es, sei nun gerade in der Dreierreihe des von Trainer Lucien Favre bevorzugten 4-2-3-1-Systems so gut besetzt, dass die geäußerten Titelambitionen berechtigt seien.

In Schalke spielte dann Achraf Hakimi im linken offensiven Mittelfeld, der als linker oder rechter Verteidiger für die Saison erwartet worden war.

Am linken Ende der Viererkette spielte Raphael Guerreiro, der als Konkurrenz für etwa Hazard und Brandt erwartet worden war, weil die Position des linken Verteidigers ja nun von Schulz oder Hakimi besetzt würde.

Der Trainer sucht verzweifelt

Manchmal erweisen sich solche Verschiebungen als Glücksfälle. Bei Borussia Dortmund sind sie aber nur ein Ausdruck dafür, dass Favre verzweifelt nach einer Formation sucht, die den Ansprüchen gerecht wird.

Einen festen Platz hat von den Neuen nur Mats Hummels. Er darf auch als Verstärkung bezeichnet werden, nach dem 0:0 in Gelsenkirchen muss er das sogar. Hummels gewann 15 von 17 Zweikämpfen, kam ohne ein Foul aus. An der Abstimmung mit seinem Partner Julian Weigl in der Innenverteidigung haperte es manchmal. Dennoch war Hummels der eindeutig beste Spieler seiner Mannschaft. Die kritischen Fans, die dem Verein die Rückholaktion aus München verübelten, dürften sehr leise geworden sein.

"Es wirkt alles zäh"

Hummels ist eine Säule in einer Mannschaft, deren Kontur ansonsten verschwimmt. "Es wirkt alles zäh", sagte Sportdirektor Michael Zorc in Schalke nach dem erneut harmlosen Auftritt der Offensive. Nur ein Tor schoss der BVB in den vergangenen drei Pflichtspielen. Paco Alcácer, der einzige Mittelstürmer im Kader, wird auch am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach nicht dabei sein.

Marco Reus, der wie Alcácer fünf Saisontore in der Bundesliga erzielte, fehlt die Form. Mario Götze enttäuschte in Schalke im zentralen Sturm, wurde früh ausgewechselt, verletzte sich zudem an der Hand. Jadon Sancho, dessen Verbleib über die Saison hinaus fraglich ist, wirkt verspielt bis lustlos, dennoch war er auch in Gelsenkirchen wieder der gefährlichste Dortmunder wie schon zuvor in der Champions League bei Inter Mailand (0:2).

Wie Favre seine Offensive derzeit auch besetzt, sie bleibt harmlos.

Hazard steht zwar mit fünf Torvorlagen in der Statistik, aber ihm gelang noch kein Treffer. Brandt erzielte einen, zum 5:1-Endstand am ersten Spieltag gegen den FC Augsburg. Eine Vorlage leistete der ehemalige Leverkusener in der Liga noch nicht. Dafür gelangen ihm zwei in der Champions League bei Slavia Prag. Im folgenden Spiel beim SC Freiburg saß er nur auf der Bank und klagte anschließend via "Bild"-Zeitung: "Dieses Hin und Her ist schon ein bisschen schwierig."

Nur Hummels kann überzeugen

Dass Nico Schulz erst auf drei Ligaeinsätze für den BVB kommt, liegt auch an einer Verletzung. Seine Leistungen waren allerdings auch nur mäßig bis schwach. In der vergangenen Saison überzeugte Schulz bei der TSG Hoffenheim mit seiner Dynamik, allerdings meistens im linken Mittelfeld vor einer Dreierkette. Im Spiel bei Inter Mailand wählte auch Favre diese Variante, Schulz blieb in der Offensive wirkungslos und verschuldete das 0:1, weil er hinter der Abwehrkette eine mögliche Abseitsstellung aufhob.

Die meisten Zugänge des BVB sind bislang Ergänzungen des Kaders, nur Mats Hummels rutscht in der vorläufigen Wertung in die Kategorie "Verstärkung". So hatte man sich das im Mai nicht vorgestellt.



insgesamt 62 Beiträge
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Msc 27.10.2019
1.
Können wir den Trainer endlich entlassen? Götze ist kein Stürmer, Reus eigentlich auch nicht, Brandt muss spielen, Hazard braucht jemanden, den er anspielen kann, Akanji ist immer eine Schwachstelle, Piszczek ist 34 und spielt rechter Verteidiger, während der neue rechte Verteidiger Hakimi auf dem linken Flügel stürmt?! Absolut katastrophale Auf- und Einstellungen. Da kannst du besser den "14"-jährigen Moukoko aus der U19 holen und stürmen lassen.
spon_2956127 27.10.2019
2. Eben!
Das ist bis jetzt tatsächlich nur eine Zwischenbilanz nach vier Monaten im neuen Trikot. Lange genug, um mit deren bisheriger Leistung unzufrieden zu sein, aber viel zu früh, um da bereits von Fehleinkäufen zu sprechen. Das einzige, was man den Kaderplanern des BVB bislang tatsächlich schon vorwerfen kann, ist das Versäumnis, einen Backup für den einzigen, aber nun mal etwas verletzungsanfälligen Mittelstürmer Alcacer zu holen. Auch wenn ich verstehe, dass man in der Chefetage sicherlich nicht mit der gleichzeitigen Formkrise eines Reus oder Sancho rechnete, die sonst ebenfalls regelmäßig ihre Tore machen. In der letzten Saison waren meiner Erinnerung nach 16 verschiedene BVB-Torschützen gelistet, davon sind die Dortmunder bisher weit entfernt.
j.soergel 27.10.2019
3. Vieleicht auch ein Zeichen,
dass Nationalspieler gerade nicht immer ein Gütesiegel ist und das die Bundesliga in Gänze ggf. ein kleines Qualitätsproblem hat....
Nonvaio01 27.10.2019
4. die aufstellung
ist doch etwas verwunderlich, ich denke aber mal das Favre sich dabei etwas gedacht hat. Immerhin hat der BVB einen Punkt auf Schalke geholt.
doppelnass 27.10.2019
5. Wir doch nicht.
Allein den ersten Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: "In die Neuzugänge wurden große Hoffnungen gesetzt." Nein, lieber Spon - ihr habt darüber geschrieben, als hätte man damit bereits die Meisterschaft im Sack. Diese Transfers wurden nicht vom Verein, sondern von der Presse dermaßen überhöht dargestellt, gleichzeitig als Musterbeispiel für gelungene, auch weil frühe Transfers in den Himmel gelobt. Daraus auch gleich die Geschichte konstruiert, dass bei den Bayern ja gar nichts läuft und man mit Transfers viel zu spät dran sei. Das ging den ganzen Sommer so. Jetzt aber greift wieder die alte Mechanik: Wir haben damit nichts zu tun. Das war ja der Verein selbst. Die Fehler werden immer woanders gesucht.
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