BVB-Niederlage in Rom Zu einfach

Dortmund verliert wieder mal ein Auswärtsspiel in der Königsklasse. Viele Spieler erwischten dabei einen schlechten Abend. Bei Thomas Meunier aber werden die Zweifel größer: Kann er Hakimi wirklich ersetzen?
Aus Rom berichtet Marcus Bark
Sollte dem BVB Schwung und Stabilität bringen: Thomas Meunier

Sollte dem BVB Schwung und Stabilität bringen: Thomas Meunier 

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Paolo Bruno / Getty Images

Die Idee war schon ganz gut: Lazio hatte einen Film geschnitten, der beim Aufwärmen vor der Champions-League-Partie gegen Borussia Dortmund über die beiden großen Bildschirme im Olympiastadion flimmerte. Gezeigt wurden Tore von Ciro Immobile in enger Taktung, und da der Ton sehr laut war und der Kommentator nach jedem Tor "Immobileeee" brüllte, wurden die Dortmunder Spieler zumindest akustisch eingeschüchtert.

Gut fünf Minuten dauerte es nach dem Anstoß, bis wieder der Name des Stürmers durchs Stadion geschrien wurde. Immobile hatte das 1:0 gegen seinen ehemaligen Klub erzielt, bei dem er nie glücklich geworden war. Wohl auch, weil von ihm 2014 erwartet wurde, dass er 2014 Robert Lewandowski ersetzen würde.

Eine solche Bürde wurde Sommerzugang Thomas Meunier nicht auferlegt. Aber immerhin soll der belgische Nationalspieler einen Achraf Hakimi ersetzen, der mit viel Tempo und offensiver Wucht seine Schwächen in der Defensive kaschierte.

Beim BVB hofften sie, dass Meunier im rechten Mittelfeld nach vorn Schwung bringt und hinten Stabilität. Die Bilanz der ersten Wochen ist daher ernüchternd, denn weder das eine noch das andere ist festzustellen.

Besonders auffällig wurde das in Rom. Vor dem 0:1 spielte Meunier einen Pass, den ein erfahrener Profi, der zuvor bei Paris Saint-Germain in Diensten stand, nicht hätte spielen dürfen. Der 29-Jährige hätte sehen müssen, dass seine Anspielstation unter höchstem Druck stand, und entweder den sicheren Rückpass oder den ziellosen, weiten Pass wählen müssen. "Beim ersten Tor war es ein Fehlpass. Das war zu einfach", sagte Trainer Lucien Favre über die Aktion, die eine ernüchternde 1:3-Niederlage einleitete.

Diese Aktion leitete auch einen Abend ein, der Kritiker in der Meinung bestärkte, dass Thomas Meunier dem BVB in den kommenden Monaten kaum helfen wird. Die Passquote des Belgiers war mit nur 70 Prozent sehr schlecht, genau wie seine Flanken. Das Stellungsspiel ließ zu wünschen übrig, den Aktionen fehlte Tempo und Überraschungsmoment.

"Thomas tut unserem Spiel gut. Er tut uns sowohl als Typ gut als auch mit seiner Stabilität und Robustheit", hatte Sportdirektor Michael Zorc zu Beginn des Monats gesagt, um die Kritiker umzustimmen. Es wird ihm nach dem Abend von Rom noch schwerer fallen, mit dieser These anzukommen. Zumal Meunier nach dem Fehlpass, der dem BVB das erste Gegentor bescherte auch frei stehend am Tor vorbeischoss.

Das war eine der "fünf guten Chancen", die Trainer Favre später häufiger ansprechen sollte. Noch viel häufiger bemängelte er jedoch, dass die Dortmunder "in der Balleroberung nicht gut" gewesen seien. Die Ursachen benannte er auch: "Du musst laufen, du musst kämpfen. Das haben wir nicht gut gemacht."

"Eine desolate Leistung"

Die elementaren Voraussetzungen für ein erfolgreiches Spiel spricht der Trainer ansonsten nur selten an. Dass er es im Olympiastadion tat, zeigt, wie sehr die Borussen - wieder mal in einem Auswärtsspiel der Champions League - enttäuschten. Die mangelnde Bereitschaft, Meter für die Defensivarbeit zu laufen, war bei Jadon Sancho deutlich zu sehen. Der englische Nationalspieler machte es damit den hinter ihm positionierten Meunier und Lukasz Piszczek noch schwerer. Allein Erling Haaland erweckte durchgehend den Eindruck, dass er verstanden hatte, wie dem maximal motivierten, aber auch recht fehlerhaften Lazio beizukommen ist.

Sebastian Kehl fand deutliche Worte für die Leistung der gesamten Mannschaft. "Das war eine desolate Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit", sagte der Leiter der Lizenzspielerabteilung.

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Kehl steht häufig statt des Sportdirektors vor den Mikrofonen, wenn es solche Leistungen wie nun zum Auftakt der europäischen Eliteliga zu ergründen gilt. Ihn wird wohl einzig die Hoffnung stärken, dass sich der BVB häufig im darauffolgenden Spiel wesentlich verbessert zeigt. Den Fans wäre das in diesem Fall besonders wichtig, denn am Samstagabend steht das Revierderby gegen den FC Schalke 04 an.   

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