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14. Februar 2019, 00:02 Uhr

Dortmund verliert bei Tottenham

"Wir können nicht dagegenhalten"

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Mit einer simplen taktischen Änderung düpierte Tottenham Hotspur die in der zweiten Hälfte überforderten Dortmunder. Heung-Min Son setzte seine BVB-Serie fort, Torwart Roman Bürki wurde nach Schlusspfiff deutlich.

Spieler des Spiels: Was für eine Serie von Heung-Min Son - in seiner elften Partie gegen Borussia Dortmund erzielte er den neunten Treffer. Ähnlich schön wie seine Direktabnahme aus zentraler Position war die Flanke des kantigen Jan Vertonghen, dem von der linken Seite aus eine Vorarbeit gelang, wie er sie wohl noch nicht häufig in seiner Karriere gezeigt hat. Und da Vertonghen so prächtig in Fahrt war, traf er in der 83. Minute gleich noch selbst. Moussa Sisskoko sah den einlaufenden Belgier, der aus kurzer Distanz vollendete.

Das Ergebnis: Tottenham Hotspur besiegte Borussia Dortmund 3:0 (0:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Der BVB begann die ersten Minuten mit leichten Wacklern. Die Folge: Lucas Moura verpasste mit einem schönen Schuss Richtung langes Eck nur knapp das Dortmunder Tor (7. Minute). Danach erlangte der Bundesliga-Tabellenführer die Kontrolle über das Spiel und kam selbst durch Christian Pulisic (15.) und Dan-Axel Zagadou (45.) zu guten Gelegenheiten. Spurs-Schlussmann Hugo Lloris parierte zweimal stark. Die Nordlondoner brachten hingegen keinen Schuss aufs Tor der Gäste.

Verdichtung: Spurs-Trainer Mauricio Pochettino stellte für das Duell gegen den BVB auf Dreierkette um und ließ davor Serge Aurier und Jan Vertonghen auf den Außenpositionen verteidigen. Hauptsache kein Gegentor. Das dachte sich wohl auch der Dortmunder Coach Lucien Favre, der statt des üblichen vierten Offensivspielers mit Mahmoud Dahoud die Zentrale verstärkte. Zumindest in den ersten 45 Minuten eine lohnende Entscheidung, danach sollten sich die fehlenden Anspielstationen in der Offensive bitter rächen.

Die zweite Hälfte: Das 1:0 durch Son (47.) schockierte den BVB nachhaltig. In der Folge kamen die Gastgeber immer wieder zu schnellen, gefährlichen Vorstößen, meist initiiert von Son, Christian Eriksen und Lucas Moura. So musste Zagadou in der 60. Minute in höchster Not klären, Entlastung fand nur noch selten statt. In der 83. Minute traf Vertonghen zum 2:0, nach einem Eckball erhöhte der eingewechselte Fernando Llorente sogar noch auf 3:0 (86.). Die logische Konsequenz von elf Torschüssen der Spurs in der zweiten Hälfte.

Bitter für die Borussia: Vertonghens Aufrücken in den zweiten 45 Minuten genügte, um die Defensivschwächen von Jadon Sancho und Achraf Hakimi konsequent aufzudecken.

Spät, aber gewaltig: Elf der zwölf Tottenham-Tore in dieser Champions-League-Saison fielen in der 2. Halbzeit. Erst durch einen späten Treffer von Lucas Moura in der 85. Minute hatte sich das Pochettino-Team im abschließenden Spiel der Vorrunde in Barcelona überhaupt für das Achtelfinale qualifizieren können. Es ist die Bilanz eines Teams, in dem es stimmt. Trotz Verletzungen, trotz fehlender Zugänge. Eine Mannschaft, die nicht wirkt, als könne sie in einem für den BVB entscheidenden Spiel auseinanderfallen.

Wer fehlte mehr? Der BVB musste auf Marco Reus und Paco Alcácer verzichten, die Spurs auf Harry Kane und Dele Alli. Als Gastmannschaft im abwartenden Modus kam der BVB damit zunächst besser zurecht. Mario Götze agierte klug in vorderster Linie und beschäftigte die keineswegs sicher wirkende Dreierkette der Spurs. Deren Offensive lahmte ohne Kane und Alli. Erst nach einer Tempoerhöhung nach dem Seitenwechsel brachten die Gastgeber ihre torgefährlichen Spieler in Abschlusspositionen. Dann aber entscheidend. Der BVB vermisste nun vor allem Reus schmerzlich, in vorderster Front war kein Spieler mehr zu finden, der für Ruhe oder Geschwindigkeit hätte sorgen können.

Die Krise und das Rückspiel: "Wir können nicht dagegenhalten", sagte ein ernüchterter Torwart Roman Bürki nach einer Woche zum Vergessen für den BVB: Erst gab es das Pokal-Aus gegen Werder Bremen, dann ein 3:3 nach 3:0-Vorsprung in der Liga gegen Hoffenheim und nun ein klares 0:3 bei den Spurs. Nur ein Abend, an dem alles passt, kann dem BVB noch das Viertelfinale bescheren. Stichwort: Malaga. Die Krise des BVB ist aber nicht nur eine Ergebnis-, sondern auch eine Spielanlagenkrise. "Gegen robuste Mannschaften haben wir unsere Probleme, wir setzen uns zu wenig durch", sagte Bürki. Die Chancen, dass die Spurs bis zum Rückspiel ihre körperliche Präsenz verlieren, dürften allerdings gering sein.

Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund 3:0 (0:0)
1:0 Son (47.)
2:0 Vertonghen (83.)
3:0 Llorente (86.)
Tottenham: Lloris - Foyth, Sánchez, Alderweireld - Aurier, Sissoko (90.+1 Wanyama), Winks, Vertonghen - Eriksen - Son (89. Lamela) , Lucas Moura (84. Lllorente)
Dortmund: Bürki - Hakimi, Toprak, Zagadou (77. Schmelzer), Diallo - Dahoud, Witsel, Delaney - Sancho (88. Guerreiro), Götze, Pulisic (88. Bruun Larsen)
Schiedsrichter: Lahoz (Spanien)
Gelbe Karten: Aurier / Delaney
Zuschauer: 71.214

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