BVB nach dem Anschlag Geht raus, spielt Fußball
Das Dortmunder Stadion
Foto: ODD ANDERSEN/ AFPEs gab einen Sprengstoffanschlag auf eine der besten Fußballmannschaften Europas, und einen Tag später soll dieses Team ein wichtiges Spiel bestreiten. Diese Tatsache scheint viele Menschen in Deutschland sehr zu bewegen, wenn man nach den Kommentaren in Foren und sozialen Medien geht. Bundesligatrainer Torsten Frings wird in der "Bild"-Zeitung mit der Aussage zitiert, es sei "eine absolute Frechheit, dass die heute wieder spielen müssen".
Bis jetzt ist nicht genau bekannt, was die Hintergründe des Angriffs auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund sind. Da ist es vielleicht verständlich, dass die Emotionen, die so ein Ereignis erzeugt, sich auf Nebenschauplätzen Bahn brechen. Man kennt das von Anschlägen: Viele Menschen ereifern sich in den sozialen Netzwerken darüber, wie das Fernsehen über den Fall berichtet, andere empören sich über die Kritiker, und so weiter.
Aber wie kommt man zu so apodiktischen Aussagen wie "Das Spiel darf heute nicht stattfinden"? Ja, es muss eine traumatische Erfahrung für die Mannschaft und die Betreuer gewesen sein, Ziel eines Sprengstoffattentats zu werden und womöglich nur durch Glück schweren Verletzungen oder dem Tod entronnen zu sein. Wie die Betroffenen mit dieser Erfahrung umgehen, sollten sie aber selbst entscheiden.
Widerstreitende Ferndiagnosen
Bisher ist jedoch nicht überliefert, was die Dortmunder Profis davon halten, heute zu spielen. Mag sein, dass sie sich von der Situation überfordert fühlen. Kann auch sein, dass es ihnen guttut, schnell wieder in den Alltag hineinzufinden. Sportpsychologen überbieten sich in dieser Frage mit widerstreitenden Ferndiagnosen.
BVB-Torwarttrainer Teddy de Beer wird in der "Rheinischen Post" zitiert : "Die Jungs sind gefragt worden, wie sie sich fühlen. Und wenn einer sagt, er fühlt sich absolut nicht in der Lage zu spielen, dann ist es ihm auch freigestellt."
Als im März 2016 beim Bundesligaspiel von Borussia Dortmund gegen Mainz ein Zuschauer auf der Tribüne starb, wurde das Spiel zu Ende ausgetragen. Die meisten Zuschauer aber stellten die gewohnte Unterstützung der Mannschaften ein. Sie taten das im Gefühl, das Weiterspielen sei der Situation unangemessen. Das war ein starker, würdevoller Umgang mit dem Tod eines Menschen. Es zeigte aber auch, wie schnell sich durch soziale Medien das Bewusstsein verbreiten kann, 80.000 Menschen müssten ihr Verhalten anpassen, um auf tragische Ereignisse zu reagieren.
Der Anschlag auf den Dortmunder Bus hat eine ganz andere Qualität als der natürliche Tod eines Menschen. Aber es gibt keine zwingende Konsequenz, wie sich Überlebende von Gewalttaten verhalten müssen, wie sich die Fans einer Mannschaft verhalten müssen, die zum Ziel eines Anschlags geworden ist. Es gibt nur eine zwingende Konsequenz: weiterleben. Wie, das muss jeder für sich selbst entscheiden.