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BVB-Erfolg gegen Sporting Der 97-Minuten-Sieg

So gerade noch über die Zeit gerettet: Der BVB spielte bei Sporting Lissabon erst souverän auf, brachte sich dann aber selbst noch in Schwierigkeiten. Alles Wichtige zum Champions-League-Fight von Lissabon.

Die Ausgangslage: Bom dia, Tristesse! Katastrophal, Weltuntergang ist ein Spaß dagegen. Nur Verletzte beim BVB. Nicht, sechs, nicht sieben, nicht acht, neun Verletzte!! Ohne André Schürrle!!! Dazu zuvor drei Pflichtspiele ohne Sieg. Und dann nur so eine Aushilfself mit Pierre-Emerick Aubameyang (Afrikas Fußballer des Jahres), Mario Götze (Weltmeister), Matthias Ginter (Weltmeister), Marc Bartra (Ex-Barcelona), Sokratis, Julian Weigl, Ousmane Dembelé und Shinji Kagawa aufs Feld schicken können. Besseres Fallobst.

Das Ergebnis: Diese C-Mannschaft hat sich dann doch erstaunlich gut gehalten und 2:1 in Lissabon gewonnen. 0:1 Aubameyang (9. Minute), 0:2 Weigl (42.). Bruno Cesar gelang nach 67 Minuten nur noch der Anschlusstreffer. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Sporting legte zwar rasant los, bekam aber schon nach zehn Minuten das, was Sky-Reporter heutzutage "den Stecker gezogen" nennen. Götze spielte Aubameyang elegant frei, der Torjäger lief seinem Gegenspieler fast mühelos davon und lupfte den Ball als Hommage an Lars Ricken über den Torwart zum 1:0. Sporting war danach zwar bemüht, vor allem in Person des ehemaligen Wolfsburg-Stürmers Bas Dost, aber das 2:0 von Julian Weigl kurz vor der Pause bildete den Rahmen dieser ersten 45 Minuten. Passmaschine Weigl tat ausnahmsweise auch mal etwas für seine Torstatistik. Es war sein erster Treffer im Dortmunder Trikot.

Pierre-Emmerick Aubameyang, immer gefährlich

Pierre-Emmerick Aubameyang, immer gefährlich

Foto: Miguel A. Lopes/ dpa

Die zweite Hälfte: Der BVB hatte eigentlich alles im Griff, bis Abwehrchef Bartra auf die unglückliche Idee kam, einen Rückpass zu Torwart Roman Bürki zu spielen. Bruno Cesar verwandelte den daraus resultierenden indirekten Freistoß im Strafraum zum wahrscheinlich ersten Treffer dieser Art seit Patrick Andersson 2001. Danach nur noch Hektik. Dost hatte das 2:2 auf dem Kopf, und die letzten verbliebenen Dortmunder retteten den Vorsprung irgendwie über die Zeit. Obwohl der slowenische Schiedsrichter Damir Skomina sieben Minuten nachspielen ließ.

Spieler des Spiels: Der Mann ist erst 21 Jahre jung und schon so weit. Julian Weigl bleibt in solchen heißen Spielen so cool und konzentriert wie einer, der so etwas schon seit zehn Jahren auf diesem Niveau macht. Das war übrigens sein drittes Champions-League-Spiel überhaupt. Es ist schon bedauerlich, dass er all seine Fähigkeiten in der Nationalelf angesichts der etablierten Konkurrenz wohl vorerst nicht ausspielen können wird.

Duell des Spiels: Bas Dost gegen Roman Bürki. Der kantige Niederländer hat sich schon in der Bundesliga den Ruf erworben, nicht der angenehmste Gegenspieler für Abwehrreihen zu sein. BVB-Torwart Bürki lernte Dost diesmal durch mehrfachen intensiven Körperkontakt noch ein bisschen näher kennen. Aber wenn am Ende der Mittelstürmer kein Tor macht, dann hat der Torwart das Duell wohl gewonnen.

Roman Bürki, hier in Aktion gegen Sportings Elias

Roman Bürki, hier in Aktion gegen Sportings Elias

Foto: Steven Governo/ AP

Wechsel des Spiels: Gab es gleich drei. Erst nahm BVB-Coach Thomas Tuchel Innenverteidiger Bartra nach dessen Rückpasslapsus vom Feld, dann verletzten sich noch nacheinander die Abwehrkollegen Ginter und Felix Passlack. Am Ende stand mit Dzenis Burnic ein Spieler für den BVB auf dem Feld, dessen Namen wohl auch die Sporting-Scouts noch nie gehört haben dürften.

Zitat des Spiels: "Die Jungs, wo wir geholt haben, die sind richtig gut." Karl-Heinz Riedle, Allgäuer von Geburt und Sprache, weiß, was er sagt. Riedle, schwarz-gelber Champions-League-Sieger von 1997, ist schließlich "Auslands-Repräsentant von Borussia Dortmund".

Erkenntnis des Spiels: Der BVB kann nicht nur ein Spiel gewinnen. Nein, noch etwas viel Revolutionäreres: Es kann dabei sogar eine Foulstatistik für sich entscheiden. Tuchel muss umdenken.

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Champions League: BVB siegt dank Weigls Premierentor

Foto: STRINGER/ REUTERS