Trotz Sieg gegen Stuttgart Der BVB ist ab sofort Verfolger

Dortmund hat den VfB geschlagen - und doch die Tabellenführung verloren. Das eigene Ergebnis ist ein Lichtblick für den BVB, die Leistung nur bedingt. Der Spieltag wirkt wie die Bestätigung eines Machtwechsels.

Marco Reus
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Marco Reus

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Ist das wirklich erst 140 Tage her? Am 20. Oktober des vergangenen Jahres war der BVB in Stuttgart zu Gast. Es war das erste Spiel mit Markus Weinzierl als VfB-Trainer. Dortmund gewann locker und problemlos 4:0. Und das auswärts. Es war eins von vielen Fußball-Festen der fabelhaften BVB-Hinrunde. Jetzt hat Dortmund wieder gegen Stuttgart gewonnen - ist in Teilen aber nicht wiederzuerkennen. Und erstmals seit September nicht mehr Tabellenführer.

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Dortmunder Sieg gegen Stuttgart: Tabellenführung weg. Gefeiert wird trotzdem

Das Ergebnis: Dortmund hat Stuttgart 3:1 (0:0) geschlagen. Weil aber die Bayern den VfL Wolfsburg 6:0 geschlagen haben, sind die Münchner aufgrund des besseren Torverhältnisses am BVB vorbeigezogen und damit Spitzenreiter. Hier geht es zu den Spielberichten des Samstagnachmittags.

Die erste Hälfte: Der BVB war überlegen, hatte 77,5 Prozent Ballbesitz. Die beste Chance hatte aber das sonst ungefährliche Stuttgart: Nach einem einfachen Schnittstellenpass legte Nicolás González den Ball am rechten Pfosten vorbei. Dortmund befreite sich auch aus engen Räumen auf dem Flügel und in den Halbräumen elegant, kam aber kaum ins Zentrum. Die einzigen beiden Schüsse aufs Tor (aus der Distanz) parierte Ron-Robert Zieler.

Die zweite Hälfte: Dortmund blieb das bessere Team, ging aber erst durch einen Foulelfmeter von Marco Reus in Führung (62. Minute). Marc Oliver Kempf glich per Kopf aus (71.). Zuvor hatte Paco Alcácer eine Großchance vergeben, als Zieler seinen Lupfer so gerade noch parierte. Es hätte die bezeichnende Szene des Spiels werden können - hatte Alcácer doch im Hinspiel noch sehenswert per Lupfer getroffen. Dann aber gelang dem Spanier doch noch ein Tor zum 2:1. In der Nachspielzeit schoss Christian Pulisic nach Vorlage durch Mario Götze zum Endstand ein.

47 – Seit seinem BL-Debüt im August 2009 erzielte @woodyinho 47-mal das 1-0 für sein Team – häufiger als jeder andere in diesem Zeitraum. Türöffner. @BVB #BVBVFB pic.twitter.com/NOajsCchOX

— OptaFranz(@OptaFranz) 9. März 2019

Videoschiedsrichter für Fortgeschrittene: Vor der Führung durch Reus hatte Gonzalo Castro knapp innerhalb des Strafraums Jadon Sancho gefoult. Schiedsrichter Benjamin Cortus entschied auf Freistoß, aber der Videoschiedsrichter griff ein, es gab Elfmeter. Unmittelbar vor dem Foul hatte Castro den Ball jedoch mit der Hand gestoppt - außerhalb des Strafraums. So hätte es hier auch nach Ansicht der Videobilder durchaus Freistoß geben können. Dann eben wegen Hand- und nicht wegen Foulspiels. Mögliche Erklärungen: Die Assistenten in Köln sahen hier kein absichtliches Handspiel oder eine Vorteilsituation für den BVB - oder sie bewerteten die Szene nicht. Nach Einschätzung der Schiedsrichterexperten von Collinas Erben hatte jedenfalls alles seine Richtigkeit.

Das Standard-Gegentor: Hoffenheim, Werder, Tottenham - in zahlreichen Spielen verschenkte der BVB Punkte oder eine gute Ausgangslage, weil er Freistöße und Ecken nicht konsequent genug verteidigte. Und dennoch verursachte Dortmund nach dem 1:0 trotz einer Drei-gegen-eins-Situation kurz vor der eigenen Grundlinie einen Freistoß. Bei der anschließenden Flanke bewegte sich Abdou Diallo aus einem möglichen Zweikampf weg, sodass Kempf ungestört einköpfen konnte.

Marco Reus, Axel Witsel, Abdou Diallo (v.l.)
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Marco Reus, Axel Witsel, Abdou Diallo (v.l.)

Gegen die Großen? Ohne Gomez! Vor der Partie in Dortmund hatte es nur ein einziges Spiel des VfB gegeben, in dem Mario Gomez nicht mindestens 45 Minuten spielte. Es war das Rückspiel beim FC Bayern. Gegen den Rekordmeister setzte sich der Angreifer freiwillig auf die Bank, wegen eigener Nachteile in Sachen Geschwindigkeit. Nun ging es zum BVB und damit zur zweiten trotz der aktuellen Schwächephase enteilten Mannschaft der Liga. Wieder nahm Gomez auf der Bank Platz und wurde erst in der 88. Minute eingewechselt.

Mario Gomez
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Mario Gomez

Der Spielmacher: Gerade in der ersten halben Stunde war Mario Götze der auffälligste Spieler auf dem Platz. Er zeigte viele komplizierte, präzise Zuspiele in die Spitze, war in vielen Räumen zu finden - ein echter Spielmacher. Daneben sah gegen Stuttgart auch Reus blass aus, der noch nicht wieder so stark ist wie vor seiner Verletzungspause. Götze belohnte sich in der Nachspielzeit mit seiner Vorlage für Pulisic. Hier zeigte er seine Kernkompetenz: Ballannahme und - verarbeitung und dann das gute Auge und der präzise Pass zum Nebenmann. Alles in Höchsttempo.

Fazit des Spiels: Der Sieg bedeutet für den BVB gerade mit Blick auf die jüngsten Enttäuschen einen Lichtblick. Aber weil sich die Dortmunder lange so schwer taten und parallel die Bayern so groß aufspielten, wirkt der Spieltag - gepaart mit dem Wechsel an der Tabellenspitze - trotzdem wie die Krönung eines Machtwechsels. Für den BVB stehen jetzt Spiele in Berlin und gegen Wolfsburg an. Dann geht es nach München.

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 3:1 (0:0)
1:0 Reus (62., Foulelfmete)
1:1 Kempf (71.)
2:1 Alcácer (84.)
3:1 Pulisic (90.+2)
Dortmund: Bürki - Wolf (88. Zagadou), Akanji, Diallo, Hakimi - Witsel - Sancho, Mario Götze, Reus, Guerreiro (79. Pulisic) - Paco Alcacer (90.+1 Delaney). - Trainer: Favre
Stuttgart: Zieler - Beck, Kabak, Pavard, Kempf, Emiliano Insua (88. Gomez) - Ascacibar, Castro, Zuber (70. Donis) - Esswein, Gonzalez (74. Gentner). - Trainer: Weinzierl
Schiedsrichter: Cortus
Gelbe Karten: Reus, Wolf, Witsel - Zuber, Insua, Ascacibar



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Christianvon Lothka 09.03.2019
1. Genitiv um jeden Preis?
Sie sollten sich entscheiden zwischen "trotz des Sieges gegen Stuttgart" oder "trotz Sieg gegen Stuttgart". "Trotz Siegs" ist vielleicht innovativ, geht aber gar nicht...
gammoncrack 09.03.2019
2. Der BVB hat die Bayern natürlich absichtlich
vorbeiziehen lassen. Die haben eben gelernt, dass es einfacher ist, als Verfolger am Verfolgten vorbei zu ziehen. Und für die Humorlosen in diesem Forum. War ein Spaß!
toll_er 09.03.2019
3. Abgefahren
Der Meisterschaftstitel ist abgefahren. Dortmund muss jetzt eher nach hinten zu Leipzig und Mönchengladbach schauen und den 2. Platz in trockene Tücher bringen. Wer wie die Bayern genau im richtigen Moment aus dem Windschatten 6 Tore hinlegt und vorbeizieht, hat alles richtig gemacht und wird verdient Meister. Sorry, ist so, wobei Bayern nun wirklich nicht "mein" Verein ist.
legeips62 09.03.2019
4. Schade für den BVB
da kommt nichts mehr. Unsere "Bayern" aus München werden auch diese Jahr wieder "Meister" zum 6? 7? 8? mal? Egal, zählt sowieso nichts. Auch der BVB ist für die "Champions League" qualifiziet und da wird das Geld verdient. Wenn es 2019 wieder den "Bayern" zur Meisterschaft reicht, werden sie bestimmt auch den "10ner! vollmachen. Song: Bayern München forever number one. Die Langeweile is very strong...
Levator 09.03.2019
5. Das war es Dortmund
Gegen meinen tapferen VfB zwar noch auf der letzten Rille gewonnen aber trotzdem zu wenig, mindestens Deutscher Meister zu werden. Den Rest habt ihr ja schon vergeigt und mit dem heutigen Tag auch noch die DM. Wie ich schon vor Wochen sagte, auch in dieser Saison wird der Borsigplatz nichts aber auch gar nichts zu feiern haben, es sei denn, dort findet ein internationales Friedensfest als Zeichen gegen Rechts zum gleichen Zeitpunkt statt, wo woanders die Deutsche Fußballmeisterschaft friedlich gefeiert wird...
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