Dortmunds Pokal-Pleite gegen Bremen "Das war wild"

Aus im Pokal, der Topspieler verletzt: Für Dortmund war die Pleite gegen Bremen in mehrfacher Hinsicht schmerzhaft. Der Ersatz-Ersatz-Torwart hätte zum Helden werden können - doch diesen Job übernahm Werders Keeper.

Von , Dortmund


Den Wunsch, jetzt schnell ins Bett zu wollen, äußerten viele. Es war schließlich schon nach Mitternacht, inzwischen war die Kälte auch in die Kleider gekrochen. Lucien Favre hätte besonders schnell ins Bett gehört. Der Trainer von Borussia Dortmund hustete, seine Stimme war schwächer als sonst. "Das ist so im Februar", sagte Favre. Allerdings sprach er nicht über sich, sondern über vier Spieler, die wegen eines Infekts beim Pokalspiel gegen Werder Bremen (2:4 im Elfmeterschießen) fehlten.

Darunter waren auch die beiden Torhüter Roman Bürki und Marwin Hitz, deshalb kam Eric Oelschlägel, der 23 Jahre alte Torhüter aus der Regionalligamannschaft, zu seinem ersten Einsatz bei den Profis. "Er hat überragend gehalten", sagte Kapitän Marco Reus. Oelschlägel zeigte tatsächlich über weite Strecken eine starke Leistung, lenkte in der 89. Minute einen Ball über die Latte. Doch es gab auch den Kopfball von Martin Harnik in der 119. Minute, den Oelschlägel unglücklich zum 3:3 ins Tor boxte.

Und auch beim Elfmeterschießen, der Stunde, in der Torhüter zu Helden werden können, brillierte nicht Oelschlägel, sondern sein Kollege Jiri Pavlenka. Der 26-Jährige parierte zwei Elfmeter - sein BVB-Pendant konnte keinen Schuss entschärfen. "Genießen konnte ich es trotzdem absolut", sagte Oelschlägel später: "Es ist viel passiert. Es gibt viel aufzuarbeiten."

"Wir müssen dreckiger spielen"

Deutlich angefasster war Dortmunds Angreifer Paco Alcácer, der den ersten Elfmeter verschossen hatte. Er hatte nach dem Ausscheiden Tränen in den Augen und musste vor der Südtribüne getröstet worden. Für Trainer Lucien Favre war es die erste Niederlage in einem Heimspiel mit dem BVB. "Es war sehr schwer, die Lücken zu finden", sagte er über das Offensivspiel seiner Mannschaft. Die Spieler seien zwar "geduldig" gewesen, aber überwiegend hätte die Tempoverschärfung im Angriffsdrittel gefehlt, die das Team sonst auszeichnet.

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Dortmunds Pokal-Aus gegen Bremen: Endgegner Pavlenka

Das Spiel begann ordentlich, verlor dann enorm an Niveau. Erst mit dem Ende der ersten Hälfte der Verlängerung startete eine rasante Fahrt: 2:1 Christian Pulisic, 2:2 Claudio Pizarro, 3:2 Achraf Hakimi, 3:3 Harnik. "Das war wild, nicht so, wie man es von uns kennt. Wir haben uns dumm angestellt", sagte Reus: "Wir müssen dreckiger spielen, um das über die Bühne zu bringen."

Reus am Oberschenkel verletzt

Reus selbst konnte in der entscheidenden Phase nicht helfen, er war nach 45 Minuten ausgewechselt worden. "Muskuläre Probleme im Oberschenkel", teilte der Verein mit. Reus erklärte die Auswechslung zunächst als Vorsichtsmaßnahme: "Angesichts der kommenden Wochen war es besser, dass wir auf Nummer sicher gehen." Sein Zusatz legte aber eine ernstere Lage nahe: "Falls das Ding dann noch mehr reißt - oder was auch immer."

Am Samstag spielt der Tabellenführer in der Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), vier Tage später steht das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League bei Tottenham Hotspur an (21 Uhr, ebenfalls Liveticker). Eine Zwangspause für den Kapitän wäre schlecht für die Dortmunder, denn die zentralen Stürmer Mario Götze und Alcácer strahlten in den vergangenen Wochen wenig Torgefahr aus. "Wir hoffen, dass Marco spielen kann. Aber wir müssen noch etwas warten, bis wir es wissen", sagte Favre.

Sorgen um seinen so formstarken Kapitän, kranke Spieler, eine Niederlage nach 120 Minuten Belastung und ein Infekt, der ihm auch noch ein paar Tage Ingwertee bescheren dürfte: Lucien Favre hat es derzeit nicht leicht. Sein Ärger hielt sich jedoch in Grenzen: "Das 3:3 war leider unnötig. Aber so ist Fußball, so ist der Sport."

Borussia Dortmund - Werder Bremen 3:3 (1:1, 1:1) n.V. und 2:4 im Elfmeterschießen
0:1 Rashica (5.)
1:1 Reus (45.+3)
2:1 Pulisic (105.)
2:2 Pizarro (108.)
3:2 Hakimi (112.)
3:3 Harnik (119.)
Elfmeterschießen:
Pavlenka hält gegen Alcácer
0:1 Pizarro
Pavlenka hält gegen Philipp
0:2 Maximilian Eggestein
1:2 Witsel
1:3 Klaassen
2:3 Weigl
2:4 Kruse
Borussia Dortmund: Oelschlägel - Hakimi, Weigl, Toprak, Diallo - Witsel, Delaney (103. Dahoud) - Pulisic, Reus (46. Alcácer), Guerreiro (91. Bruun Larsen) - Götze (91. Philipp)
Werder Bremen: Pavlenka - Langkamp, Bargfrede (91. Pizarro), Moisander - Gebre Selassie, Sahin (76. Möhwald), Augustinsson - Maximilian Eggestein, Klaassen - Rashica (66. Harnik), Kruse
Schiedsrichter: Felix Brych
Gelbe Karten: Weigl, Bruun Larsen / Moisander, Klaassen
Zuschauer: 80.500



insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
gammoncrack 06.02.2019
1. Beim Fussball geht eigentlich nichts ohne Ausrutscher.
Als BVB-Fan hoffe ich (hofft man), dass es sich um einen solchen handelt. Nicht schön, das Pokalaus. Man hat sich sicherlich angesichts der bisherigen Saison mehr versprochen. Werder Bremen hat taktisch sehr gut gespielt und letztlich auch verdient gewonnen. Die haben einfach nicht aufgeben wollen! Respekt! Natürlich haben ein Weiterkommen in der CL und die Verteidigung des Vorsprungs in der BL eine sehr hohe Priorität. Beides wird schwer genug. Deswegen denke ich, dass es nicht so tragisch wäre, dieses Spiel verloren zu haben, wenn der Rest dann klappt. Aber wie das nun einmal so ist, verständlicherweise, wird die Konkurrenz natürlich hoffen, dass es kein Ausrutscher war. Das nun kommenende, intensive Programm wird zeigen, was es tatsächlich war.
retterdernation 06.02.2019
2. Abgeschenkt ...
war das erste Stichwort - was ich während des Spiels - in die Runde der Fussballjungs schickte. Nee - kam da nur zurück. Und dann also doch. Werder, Hoffenheim, Tottenham. Die Stunde der Wahrheit schlägt endlich. Jetzt wird sich zeigen, was die Borussia wert ist. Werder zeigte dann, wie man die Gelben schon mal schlagen kann. Mit Kampf, Willen und Konzentration. Ein demoralisierendes Ausscheiden aus dem Pokal ist Folge. Ist das der Knacks, auf den alle außerhalb Dortmunds, schon so lange warten. Der Glanz der Vorrunde wirkt etwas stumpf - im Moment. Man kann sich täuschen. Man gönnt es den Dortmundern ja auch irgendwie . Glück hat man allerdings auch, denn nach den kommenden beiden Aufgaben - wartet Nürnberg. Da könnten dann wieder Punkte eingefahren werden.
gnarze 06.02.2019
3. Logische Konsequenz
schon in den vorherigen Pokalrunden war mehr Glück als Verstand dabei...
gruenerfg 06.02.2019
4. Fußball
War auf jeden Fall schön, zu sehen, daß man nicht jedes Spiel mit Schiedsrichterentscheidungen biegen kann. Der Fußball lebt.
mussich 06.02.2019
5. wird spannend
wer Bremen jetzt nicht den Pott gönnt, hat kein Herz. Großartig die Jungs. Allerdings .. der HSV ist ja auch noch dabei ..
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