Dortmunds Einbruch gegen Mainz "Wir haben es einfach über uns ergehen lassen"

Dortmunds Torwart Roman Bürki hat schon während der desolaten zweiten Hälfte gegen Mainz Alarm geschlagen. Er habe die Kollegen angeschrien - vergebens. Trainer Favre hatte auch seinen Anteil am Einbruch.

Dortmunds Spieler nach der Partie gegen Mainz
Ina Fassbender / DPA

Dortmunds Spieler nach der Partie gegen Mainz

Aus Dortmund berichtet


Fußballer mit höchsten Ansprüchen verabscheuen es, auf der Couch zu liegen, wenn in der Champions League gespielt wird. Die Spieler von Borussia Dortmund haben höchste Ansprüche, zumindest haben sie diese angemeldet, denn sie wollen Deutscher Meister werden.

Den Weg zum Ziel versperrt der FC Bayern. Das ist schon beängstigend genug, daher dürften die Profis des BVB eigentlich froh darüber sein, dass sie wie ihre Rivalen aus München die Füße hochlegen dürfen, wenn Europas Eliteliga spielt. Es ist ja auch so schon anstrengend genug, für den Kopf wie für den Körper.

Sogar das Spiel gegen Mainz 05, eine Mittelklassemannschaft der Bundesliga, wurde nach einer 2:0-Pausenführung im eigenen Stadion zur Strapaze. "Ich weiß nicht, wie lange es noch gut gegangen wäre", sagte Roman Bürki. Der Torwart des BVB sorgte dafür, dass es überhaupt gut ging. Er war der Einzige, der in einer wilden Schlussphase wusste, was er tun sollte und musste. Nur dank seiner herausragenden Leistung blieb es beim 2:1-Erfolg.

Als wäre Mainz mit einem Mann mehr auf dem Platz

"Es hat sich angefühlt, als wäre Mainz mit zwei Mann mehr auf dem Platz", klagte Bürki über die Schlussphase, in der sämtliche Systeme beim BVB zusammenbrachen, mit Ausnahme des Torwarts. "Wir haben es einfach über uns ergehen lassen." Mehrfach habe er seine Kollegen angeschrien, sie sollten wieder aggressiver in die Zweikämpfe gehen, mutiger nach vorne rücken. Schlussendlich musste er jedoch feststellen: "Da kam keine Reaktion. Wir haben einfach nur hinten gestanden."

Bürki fasste den Plan, in den kommenden Tagen "mal wieder mit den Jungs zu reden". Ob es ein körperliches Problem gewesen sei, wolle er fragen. Oder ob irgendetwas "nicht klar war".

Auf Letzteres deutete vieles hin. Nachdem der Mainzer Trainer Sandro Schwarz in der Pause von einem 5-3-2-System auf ein 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld umgestellt hatte, sah plötzlich die Mittelklassemannschaft aus Mainz wie ein Tabellenführer aus. Zum zweiten Mal in acht Tagen wurde der BVB dominiert, dass es ihm fast ein bisschen peinlich sein musste. Dieses Mal, anders als beim 0:5 in München, nur eine gute halbe Stunde, aber eben gegen Mainz.

Problem erkannt, zu spät reagiert

"Das Problem war, dass unsere Außenverteidiger oft gegen zwei Gegner spielen mussten", sagte BVB-Trainer Lucien Favre. Vor allem Abdou Diallo am linken Ende der Viererkette war der Leidtragende, denn die Mainzer kamen auf ihrer rechten Seite zu vielen gefährlichen Angriffen. Doch Favre reagierte erst spät, wechselte mit dem zuvor mehrere Wochen verletzten Maximilian Philipp einen Offensivspieler ein, der für Stabilität in der so gefährdeten Zone sorgen sollte. Der Versuch einer Reparatur aber misslang, es wurde sogar noch schlimmer.

Favre hatte in den vergangenen Wochen häufiger mit personellen Entscheidungen danebengelegen, auch bei Wechseln. Von einem so anerkannten Trainer wie ihm werden jedoch Lösungen erwartet, auch und gerade wenn es um taktische Probleme geht. Insofern hing auch der Fußballlehrer durch, sagte noch: "Am Ende zählt nur das Ergebnis."

Das mag rückblickend korrekt sein. Doch beim Blick Richtung Saisonziel Meisterschale und Restprogramm wird ein solcher Fatalismus nicht ausreichen. Das weiß auch Marco Reus. "Je weniger Spiele es noch sind, desto mehr wird es auch eine Sache des Kopfes", sagte der Kapitän, der steif und fest behauptete, die schwache Leistung in der zweiten Halbzeit habe "gar nichts" mit dem 0:5 in München zu tun gehabt. Eine schlüssige Erklärung fehlte allerdings auch ihm. Eine "Mischung aus allem" sei es gewesen, die zu zittrigen Füßen und belasteten Köpfen geführt habe.

Phänomene, die den Dortmundern kaum gefallen werden, die aber nun mal auch zu einem engen Kampf um die Meisterschaft gehören. Da wird jeder Tag guttun, an dem sich Körper und Geist ausruhen können.

insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
thomas0815-1 14.04.2019
1. noch vor ein paar Wochen
War es Kovacs der nicht auf taktische Veränderungen während des Spiels reagieren könnte. Jetzt Favre. Und am Anfang der Saison war es der Eintracht Trainer Hütter, der als erster Entlassungskandidat galt... . War sonst noch was?
Nonvaio01 14.04.2019
2. alles kein problem
der BVB befindet sich im umbruch und hat nur junge spieler die noch keine erfahrung haben. Das staendige durchhaengen in der 2ten haelfte wird sich ueber die jahre geben wenn die jungen spieler aelter sind und auch etwas laenger durchhalten. Wenn der Umbruch dann in ca 5 jahren abgeschlossen ist wird es besser... 2-1 gewonnen und die liga ist noch spannend, mnehr muss man nicht wissen
ge1234 14.04.2019
3. Spitzentrainer...
... erkennt man daran, dass Sie mindestens einen Plan B in der Tasche haben und/oder auf veränderte Situationen kurzfristig reagieren können. Pep kann das, Tuchel kann das, sogar der junge Nagelsmann kann das!
fernsehvater 14.04.2019
4. Irreführende Überschrift
Beim Frühstück Überschrift gelesen „Dortmunds Einbruch gegen Mainz“. Oje! Dortmund hat schon wieder deutlich verloren, dachte ich mir. Beim Lesen gestaunt, Sieg des BVB! Könnt ihr diese Art von Spielberichten nicht mit einer kurzen Info zum Ergebnis einleiten? Ich habe mich schon häufiger darüber geärgert.
forky 14.04.2019
5. Favres Ding
Ich habe das Gefühl, dass Favre unbedingt sein Ding durchziehen will. Und das ist leider nicht die Meisterschaft. Er ist noch nie in einer der großen Ligen Meister geworden. Und er sollte auch mal drinegnd sein System ändern. Reus wird mehr und mehr verschenkt. Und Bruun Larsen kann noch hundert Jahre Fußball spielen. Der wird keiner mehr. Und was ist eigentlich mit Balerdi? Ich meine, wenn eine Abwehr dermaßen wackelt, kann man einen 20jährigen nach drei Monaten Eingewöhnung ruhig mal bringen. Und systemisch gibt es kein Mittelfeld. Der fuhrwerken Delayney und Witsel ohne Raumgewinn im hinteren Drittel rum und dann muss der lange Ball gespielt werden. Es sei denn, Götze und/oder Reus lassen sich fallen. Aber dann ist vorn eine Lücke. Man hätte Hannes Wolf holen sollen, oder David Wagner.
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