Dortmunds Niederlage gegen Augsburg Torlos, ideenlos, fassungslos

Dortmund kann Abstiegskampf - das schien die Erkenntnis des Rückrundenauftakts zu sein. Doch nach der Niederlage gegen Augsburg ist alles anders. Sogar die Fans auf der Südtribüne verlieren die Nerven. Alles Wichtige zur Krise des BVB.

Dortmunds Spieler: Kopflos in die Krise
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Dortmunds Spieler: Kopflos in die Krise

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Ausgangslage: "Bundespräsident Walter Freiwald" oder "Tabellenschlusslicht BVB" - schwer zu sagen, welche utopisch anmutende Vorstellung vor einem halben Jahr für mehr Lacher gesorgt hätte. Freiwald hat es nach der Absage der SPD nicht mal zum Dschungelkönig geschafft, aber für Borussia Dortmund ist das Abstiegsszenario nicht mehr wegzudiskutieren. Macht auch keiner: Beim 0:0 in Leverkusen spielte die Borussia erstmals wie ein auf Minimalismus gepolter Letzter. Der FC Augsburg mit Trainer Markus Weinzierl ist ein Kandidat für die Champions-League-Plätze, klingt irgendwie auch absurd.

Ergebnis: 0:1 (0:0). Raúl Bobadilla erzielte den entscheidenden Treffer zum Auswärtssieg der Augsburger. Damit schloss der FCA nach Punkten zum Tabellendritten Mönchengladbach auf. Und der BVB? Bleibt natürlich Letzter.

Erinnerung des Spiels: Trainerlegende Udo Lattek ist tot. Diese Nachricht erreichte wenige Stunden vor dem Anpfiff auch den BVB, wo Lattek zweimal als Trainer tätig war. An die ersten beiden Jahre (1979-1981) gibt es kaum bleibende Erinnerungen, umso nachhaltiger war Latteks Vier-Spiele-Comeback im Jahr 2000. Die Borussia spielte damals gegen den Abstieg, mit zwei Siegen und einem Remis feierten Lattek und der BVB den Klassenerhalt. Eigentlich hoffen in Dortmund alle, zum gleichen Zeitpunkt dieser Saison bereits gerettet zu sein, aber die Schweigeminute vor dem Anpfiff war besonders leise. Als wäre die Angst vor dem Abstieg greifbar gewesen.

Die erste Hälfte: Nach dem Spiel in Leverkusen mussten sich die Dortmunder viel Kritik gefallen lassen. Hohe Bälle, schlechteste Passquote seit Datenaufzeichnung, keine Kloppesken Pressingaktionen. Nach einer vorsichtigen Anfangsphase machten es die Schwarz-Gelben gegen Augsburg zunächst besser. In einem 4-4-2 mit Marco Reus an der Seite von Ciro Immobile standen die Gastgeber hoch, ohne die Viererkette des FCA aggressiv anzulaufen. Trotzdem gab es gute Möglichkeiten, Kevin Kampl, Reus, Pierre-Emerick Aubameyang und Immobile bestätigten aber die bekannte Schwäche in der Chancenverwertung - Dortmund ist mit 18 Treffern das zweitharmloseste Team der Bundesliga. Wie ein ungehörter Warnschuss hatte Augsburgs Kapitän Paul Verhaegh die beste Gelegenheit, sein Schuss aus 16 Metern strich knapp am Tor vorbei (31. Minute)

Dortmunds Torwart Weidenfeller (l): Chancelos beim Gegentor
DPA

Dortmunds Torwart Weidenfeller (l): Chancelos beim Gegentor

Die zweite Hälfte: Halil Altintop ist als gebürtiger Gelsenkirchener und ehemaliger Schalker gegen Dortmund stets besonders motiviert. Altintop machte sich zu Beginn des zweiten Durchgangs zu einem Solo auf, wurde von ungeschickten Borussen schlecht verteidigt und so vollendete Bobadilla den Angriff. Da waren noch 40 Minuten zu spielen, aber es dauerte bis in die Nachspielzeit, ehe die Dortmunder zur großen Ausgleichschance kamen. Eine der zahlreichen Flanken aus dem Halbfeld fand tatsächlich mal einen Abnehmer, aber Immobile setzte den Kopfball in die Arme von Augsburgs Torhüter Alexander Manninger. Und dazwischen? Machten die Dortmunder nahezu alles falsch, was man in Überzahl falsch machen kann.

Langsamkeit des Spiels: Die Überzahl kam zustande, weil Christoph Janker bei einem der wenigen Dortmunder Konter einen Vorsprung von gefühlten 20 Metern auf Aubameyang verlor. Der Innenverteidiger wollte sich nach dem Überholvorgang des Gabuners nicht von dessen Trikot trennen, Schiedsrichter Marco Fritz wertete das Vergehen zu Recht als Notbremse und zeigte Janker die Rote Karte (64.).

Augsburgs Janker (r.): Berechtigte Rote Karte
Getty Images

Augsburgs Janker (r.): Berechtigte Rote Karte

Wechsel des Spiels: Wenn es um die Dortmunder Aussichten im Abstiegskampf geht, ist immer von der - Klopp würde sagen: brutalen - Qualität im Kader des BVB die Rede. Beispiel gefällig? In der 72. Minute gingen Reus und Kampl vom Feld, es kamen Shinji Kagawa und Henrich Mchitarjan. Klingt toll, im Grunde war es aber der Sargnagel auf die Dortmunder Bemühungen um den Ausgleich. Vor allem Mchitarjan bleibt das Synonym für Harmlosigkeit.

Schubkarre des Tages: Da passt es doch, dass sich Mchitarjans Berater Mino Raiola vor dem Spiel zu Wort gemeldet haben soll. Im bulgarischen Onlineportal "Topsport" soll Raiola den Wunsch seines Spielers auf einen Wechsel im Sommer geäußert haben, mit Juventus Turin - passenderweise Dortmunds Gegner im Achtelfinale der Champions League - gebe es auch einen Wunschklub. Bei den BVB-Fans finden sich bestimmt ein paar Interessierte, die den Armenier mit der berühmten Schubkarre nach Turin bringen würden.

Emotionalität des Spiels: Bisher waren die Dortmunder Anhänger dafür bekannt, auch in der Krisenzeit für Mannschaft und Klub einzustehen. So langsam kippt die Stimmung im Ruhrgebiet aber, was die BVB-Spieler und auch Klopp nach der Niederlage staunend zur Kenntnis nahmen. Ehrfürchtige Blicke gingen Richtung Südtribüne, als Weidenfeller und Kapitän Mats Hummels den direkten Kontakt am Zaun suchten und sich lauthals kritisieren lassen mussten.

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Bundesliga: Keine Tore in Überzahl
Erkenntnis des Spiels: Will der BVB die Klasse halten, darf kein 0:1 mehr fallen. Die Dortmunder haben in dieser Saison noch kein Spiel nach Rückstand drehen können, nur gegen den VfB Stuttgart in der Hinrunde sprang noch ein Punkt heraus. Diese Verunsicherung hat sich in den Köpfen festgesetzt, Klopps Team wirkt nach Rückständen kopflos. Flanken aus dem Halbfeld war Dortmunds einzige Idee, das ist im Abstiegskampf nicht genug. Nun folgt in Freiburg ein Auswärtsspiel, in der Fremde konnte der BVB seit dem zweiten Spieltag nicht mehr gewinnen.

Borussia Dortmund - FC Augsburg 0:1 (0:0)
0:1 Bobadilla (50.)
Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz (60. Subotic), Sokratis, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Sahin - Kampl (72. Kagawa), Reus (72. Mchitarjan), Aubameyang - Immobile.
Augsburg: Manninger - Verhaegh, Janker, Klavan, Feulner - Baier, Höjbjerg - Bobadilla (84. Djurdjic), Altintop, Werner (62. Caiuby) - Ji (65. Kohr).
Schiedsrichter: Fritz
Zuschauer: 80.677 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Werner
Rote Karte: Janker (64./Notbremse)

insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
VacekKacek 04.02.2015
1. Heute
hat man gesehen, dass Kloppo genau der richtige Mann für den Abstiegskampf ist. Er wird den BVB sicher und geordnet in die 2. Liga führen. Die Mannschaft hat auf jeden Fall das Zeug dazu.
Klaus.Freitag 04.02.2015
2. Bin ja nun wirklich
kein BVB -Fan,aber was soll der Klopp machen.wenn der eigentlich engagierte Immobilie in zahlreichen Spielen klarste Chancen nicht im Tor unterbringt? Klopp hält an ihm fest und lässt Tamil auf der Bank versauern. Es ist schon unglaublich, dass eine Mannschaft mit derart vielen und hochvezshlten Klassespielern am 19. Spieltag auf Rang 18 steht. So etwas gab es wohl noch nie.
vicarius70 05.02.2015
3. Oje
Damit ist wohl die nächste Stufe der Eskalationsleiter erreicht. Vielleicht sogar zwei Stufen auf einmal erklommen, viele bleiben nicht mehr bis zum totalen Absturz. Als halbwegs neutraler Zaungast gesellt sich zur Ungläubigkeit mittlerweile auch so langsam Entsetzen über diesen Club. Vor zwei Jahren noch ein Blue Chip national und in der Champions League. Ohne Worte.
minga1972 05.02.2015
4. Zitat aus der Sportschau
"10 Augsburger verdienen nicht unverdient gegen 11 Dortmunder." Und das passiert der vor der Saison selbsternannten "klaren Nummer 2 in Deutschland"? Und wie man hört, gab es auch "vereinzelte" Pfiffe aus der "Wand". Am Ende doch nur die so belächelten "Erfolgsfans"? Keine echte Liebe (oder hatte die PR Abteilung der Aktiengesellschaft "wahre Liebe" als Slogan erkoren?)? Ab Herbst heißt es dann: Ahlen statt Arsenal, Sandhausen statt Real. Aber: Große Fehler wurden ja nicht gemacht und im Februar 2015 muss ja immer noch die WM als Entschuldigung herhalten...
wolf130749 05.02.2015
5. Vielleicht sollte der BVB es mal konventionell versuchen :
Kloppo raus ! Bei der allseits gelobten individuellen Qualität der Mannschaft kann der neue "Reiz" , der durch eine solche Änderung gesetzt wird, durchaus dazu führen, dass sich der Knoten löst und die Stars wieder treffen.
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