BVB-Niederlage gegen Hoffenheim "Es ist dumm, es ist dumm"

Borussia Dortmund schenkt gegen Hoffenheim leichtfertig seine Führung her. Trainer Lucien Favre ist enttäuscht und hadert mit dem komplizierten Spiel seiner Mannschaft.
BVB-Trainer Lucien Favre: Kummer, Sehnsucht, Resignation oder Erleichterung?

BVB-Trainer Lucien Favre: Kummer, Sehnsucht, Resignation oder Erleichterung?

Foto: Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images

Der Duden kennt den Seufzer als "Ausdruck von Kummer, Sehnsucht, Resignation, Erleichterung". Lucien Favre seufzte, zweifelsfrei. Er seufzte gar tief, sehr tief, als er um eine Analyse gebeten wurde. Mal wieder musste er als Trainer von Borussia Dortmund erklären, warum seine Mannschaft nicht gewonnen, in diesem Fall sogar verloren hatte.

Also seufzte er und klagte, dass der BVB das 2:0 und 3:0 hätte machen können. Gemessen an den Chancen, der Klasse seiner Spieler und der überforderten Defensive des Gegners wäre das sogar sehr gut möglich gewesen. Aber der BVB versäumte es mal wieder, führte nur 1:0 und verlor am Ende.

30 Punkte aus der Hinrunde: Der BVB hadert mit vergebenen Punkten

30 Punkte aus der Hinrunde: Der BVB hadert mit vergebenen Punkten

Foto: Tom Weller/dpa

Lucien Favre ist nach dieser Hinrunde geübt darin, schlechte Ergebnisse zu erklären, die nach allgemeinem Empfinden gute Ergebnisse hätten sein müssen. Er kritisierte seine Mannschaft dabei durchaus, aber dass er ihr mehrfach bescheinigte, "dumm" gespielt zu haben, das war neu. "Es ist dumm, muss ich sagen, es ist dumm", sagte Favre, der - siehe Definition des Dudens - den Seufzer zuvor ganz gewiss aus "Kummer" hervorgebracht hatte.

Resignation oder Verzweiflung?

"Sehnsucht" wird er vermutlich nach Marco Reus gehabt haben, der neun Saisonstore erzielte, aber verletzt fehlte. Jadon Sancho, ebenfalls neun Saisontore, war zwar dabei, spielte aber schwach. Paco Alcácer war kurz dabei. Er ist der Torjäger a.D., sein letztes von bislang fünf Saisontoren schoss er am vierten Spieltag.

War der tiefe Seufzer auch Ausdruck von "Resignation"? Resignation wäre ein zu starker Begriff, aber Verzweiflung war zu sehen. Sie war vor allem zu sehen in Favres leerem Blick, seinem grübelnden Blick. Sie war besser zu sehen als zu hören, auch wenn Favre dieses Mal für seine Verhältnisse klar sprach: "Wenn ich mir vorstelle, wieviele Punkte wir schon dumm verloren haben."

Da kommt wirklich einiges beisammen. Mal waren es dumme Fehler wie drei Tage zuvor beim 3:3 gegen RB Leipzig, mal die dumme Vorstellung, einen Vorsprung locker halten zu können. Nach dem 1:2 bei der TSG Hoffenheim definierte Favre "dumm" so: "Wir müssen einfach spielen, nicht mit einem Kontakt zu viel. Das war zu kompliziert."

Bliebe also noch der Seufzer aus "Erleichterung". Könnte passen, denn die Hinrunde ist nun vorbei. Der BVB holte nur 30 Punkte, weil er so häufig Führungen verspielte.

"Das zu korrigieren, braucht seine Zeit", sagte Favre auf die Frage, wie sich die Schwäche abstellen lasse, Spiele nicht entscheiden zu können, bevor der Gegner merkt, dass er eine Chance hat.

Fast zwei Wochen Zeit bleiben Favre bis zum Trainingsbeginn am 3. Januar. Er kann nun grübeln, warum der BVB seiner bewusst gewählten Rolle als Meisterschaftsanwärter so selten gerecht wurde. Er kann grübeln, wie er einen Stürmer einbinden kann, der noch verpflichtet werden soll: groß, kopfballstark, bevorzugter Aufenthalt im Strafraum.

Am Samstag vor Weihnachten, das kündigte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl an, steht noch eine Analyse der Hinrunde bevor. Dann geht es in den Urlaub. "Wir wissen, dass wir uns strecken müssen", blickte Kehl auf die Rückrunde, die für den BVB am 18. Januar mit der Partie beim FC Augsburg beginnt. Nur zwölf Punkte holten die Dortmunder aus neun Auswärtsspielen in der Hinrunde.

Das ist sehr mäßig für eine Mannschaft, die den meisten anderen in der Bundesliga überlegen ist, dies aber häufig nicht im Ergebnis ausdrücken kann. Dumm ist das für das Team, aber auch für den Trainer.

TSG Hoffenheim - Borussia Dortmund 2:1 (0:1)
0:1 Götze (17.)
1:1 Adamjan (79.)
2:1 Kramaric (87.)
Hoffenheim: Baumann - Baumgartner, Nordtveit, Benjamin Hübner, Skov - Rudy, Grillitsch - Geiger (65. Locadia), Samassekou (46. Adamyan) - Bebou, Kramaric
Dortmund: Bürki - Akanji, Hummels (46. Piszczek), Zagadou - Hakimi, Weigl, Brandt, Schulz - Mario Götze - Hazard (46. Bruun Larsen), Sancho
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Gelbe Karten: - / Akanji
Zuschauer: 28.000