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Dortmunds Pleite in Lissabon Keine Spitzenmannschaft

Wieder Ärger um BVB-Fans, Aubameyang trifft das Tor nicht, aber Dortmunds Auftritt in Lissabon verriet noch mehr: Das Team ist mit zu wenig zufrieden. Alles Wichtige zum Duell.

Die Ausgangslage: Krawalle radikaler Fangruppen, Sperrung der Südtribüne und zuletzt eine desolate Vorstellung beim Bundesliga-Schlusslicht Darmstadt 98 (1:2) - die vergangenen Wochen waren für Borussia Dortmund ein Albtraum, das Pokal-Weiterkommen und der starke (sportliche) Auftritt gegen Leipzig scheinen bereits vergessen. Besser konnte der Zeitpunkt für das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale also nicht sein. Der Plan: endlich mal wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Gegner Benfica Lissabon ist in Portugal immerhin Erster und qualifizierte sich als Gruppenzweiter hinter Neapel für die K.-o.-Runde.

Ergebnis des Spiels: Dortmund unterliegt 0:1 in Lissabon. Hier geht's zum Spielbericht.

Die Startaufstellungen:
Benfica: Ederson - Eliseu, Lindelöf, Luisão , Semedo - Fejsa, Pizzi - Salvio, Rafa Silva, Carrillo - Mitroglou
Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Bartra, Schmelzer - Weigl - Durm, Guerreiro - Dembélé, Reus - Aubameyang

Vor der ersten Hälfte: Dortmunds Krawallmacher nerven weiter. Stunden vor dem Anpfiff sollen vier Mitglieder der Dortmunder Ultragruppe "Desperados" und eines der befreundeten Kölner "Boyz" verhaftet worden sein.

Danach spielten sich unwürdige Szenen vor dem Stadiontor ab. Wegen strikter Kontrollen warteten Hunderte Anhänger fast bis zum Pausenpfiff vor der Arena. Dortmunds Bitte, das Spiel später anpfeifen zu lassen, lehnte die Uefa ab. Beobachter sprachen auch von übertriebener Härte der portugiesischen Polizei gegenüber BVB-Fans. Aus anderen Kreisen hieß es, Dortmunder hätten versucht, Pyrotechnik ins Stadion zu schmuggeln. Auch Gerüchte über defekte Ticketscanner und zu wenige Ordner kursierten im Social Web.

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Die erste Hälfte: Hochstehende Abwehrreihen, riskante Pässe in die Spitzen und gute Torchancen - ein Großteil der Dortmund-Fans verpasste eine aufregende Anfangsphase beider Teams, in der Pierre-Emerick Aubameyang die beste Chance vergab. In der zehnten Minuten schoss der Gabuner nach Vorarbeit von Ousmane Dembélé freistehend über das Tor. Danach hatte Dembélé selbst Pech, als sein Versuch aus kurzer Distanz vor der Linie geblockt wurde (23. Minute) und ihm ein möglicher Elfmeter verwehrt blieb (40.). Es fehlte die Präzision für das Führungstor.

Die zweite Hälfte I: Begann mit einem Kunststück von Kostas Mitroglou. Mit einer artistischen (und wohl eher zufälligen) Ballannahme per Hacke schoss der Deutsch-Grieche aus wenigen Metern die Führung. Das reichte, um den BVB zu besiegen, der danach weiter reihenweise Großchancen vergab. Eine Auswahl: Zuerst scheiterte Dembélé an Torwart Ederson (51.), Aubameyang ließ die nächste Möglichkeit liegen (53.), und Lukasz Piszczek verpasste den Ausgleich aus der Distanz (57.). Geht's noch schlimmer? Klar: In der 58. Minute verschoss Aubameyang einen Handelfmeter. Ederson ahnte die Schussrichtung, blieb einfach stehen und wehrte den Ball mit den Fäusten ab, ein Kinderspiel. Zu diesem Zeitpunkt waren erst 15 Minuten in der zweiten Hälfte gespielt.

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Champions League: Chancenwucher in Schwarz-Gelb

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Die zweite Hälfte II: Zunehmend hektischere Dortmunder kamen gegen tiefstehende, aber wacklige Portugiesen nur noch selten zu Chancen.

Entdeckung des Spiels: Brasilien ist nicht bekannt für großartige Torwart-Talente. Im Gegenteil: Fast niemand steht im Land des fünfmaligen Weltmeisters freiwillig im Tor. Daraus hat sich ein einzigartiges Geschäftsmodell entwickelt, fürs Bolzen auf den sogenannten Peladas werden häufig Miettorhüter angeheuert. Mit Ederson Moraes scheint jedoch eine hochkarätige Lösung für die Nationalmannschaft von Trainer Tite gefunden zu sein. Lissabons 23 Jahre alter Schlussmann bot eine überragende Leistung.

Wiedersehen des Spiels: Fast vier Jahre ist es her, dass der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli letztmals ein BVB-Spiel pfiff - das Champions-League-Finale 2013 gegen Bayern München. Der Unparteiische blieb den Dortmundern in schlechter Erinnerung, damals übersah er eine Tätlichkeit von Franck Ribéry am früheren Borussen Robert Lewandowski. Heute blieb die Pfeife des 45-Jährigen wieder stumm, als Dembélé von Benficas Torwart auf der Strafraumlinie elfmeterwürdig gefoult wurde. An der Niederlage des BVB hatte er jedoch keine Schuld.

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Erkenntnis des Spiels: Nach dem Spiel ließ der BVB-Tross keine Möglichkeit aus, den eigenen Auftritt hochzujubeln. Trainer Thomas Tuchel sah eine "überragende Leistung" oder Julian Weigl eine "Top-Leistung", ein Hauch von Zufriedenheit schwappte mit. Eine Spitzenmannschaft sahen beide aber nicht, die hätte gegen ein schwaches Benfica Lissabon zumindest nicht verloren oder ein Auswärtstor geschossen. Das übertriebene Selbstlob wirkte eigenartig. Das Rückspiel steigt am 8. März (High-Liveticker SPIEGEL ONLINE).

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