Gladbachs Sieg gegen Schalke Episode I - Das Erwachen der Macht

Der erste Teil der BMG-Schalke-Trilogie ist gemacht. Gladbach war der Sieger. Das beste Rückrundenteam ist auch vor den Europa-League-Duellen der Favorit, weil Trainer Hecking ein simples Erfolgsrezept hat.

Torjäger Raffael in Ekstase
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Torjäger Raffael in Ekstase


Eine der strapaziertesten Floskeln der Fußballwelt ist die Weisheit von der Schnelllebigkeit dieses Spiels, das permanent die Möglichkeit zur unerwarteten Wendung enthält. Meist geht es in der Realität dann doch nicht so unberechenbar zu, doch der Blick auf Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach, die großen Duellanten dieser ersten Märzhälfte, taugt als wunderbares Beispiel dafür, wie flott die Dinge sich tatsächlich drehen können.

Mit einem imposanten 4:2 haben die Gladbacher den Revierklub am Samstagabend abgefertigt, nach einer Winterkrise haben sie sich zur Mannschaft der Stunde verwandelt, bleiben das beste Rückrundenteam und liebäugeln plötzlich sogar mit Titeln. Während die Gelsenkirchener, die vor drei Wochen noch deutlich besser als BMG standen, akute Abstiegängste bewältigen müssen. "Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass wir so schnell den Turnaround schaffen", sagte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, während der S04-Kapitän Benedikt Höwedes sagte. "Wir haben uns in die blöde Situation hineingebracht, dass wir auch nach unten schauen müssen."

Spätestens nach diesem Abend ist Borussia Mönchengladbach der klare Favorit für die Europa-League-Achtelfinal-Duelle der beiden Bundesligisten an den kommenden beiden Donnerstagen (High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). "In der zweiten Halbzeit haben wir eine Party im Borussia-Park gefeiert, da haben wir sie an die Wand gespielt", sagte Tony Jantschke, dessen Mannschaft immer stärker aufblüht. Und das erstaunliche Erfolgsrezept lautet: Vereinfachung.

Heckings Plan: Stammspieler statt Rotation

Nachdem der im Dezember entlassene André Schubert für jedes Spiel neue Aufstellungen und speziell auf den Gegner zugeschnittene Strategien austüftelte, lässt Nachfolger Dieter Hecking seine Mannschaft in einem klaren 4-4-2-System spielen. Oder besser: verteidigen. Denn "die defensive Stabilität ist der Schlüssel", sagte Eberl. Immer wieder bilden sich zwei sauber aufgereihte Viererketten, die die Räume vor dem eigenen Strafraum verengen, besetzt mit dem stets gleichen Personal. Rotiert wird allenfalls auf den offensiven Flügeln, für neun Positionen gibt es Stammspieler.

"Irgendwann wird der Tag kommen, wo wir rotieren müssen", sagte Hecking zwar, aber zum zweiten Teil der großen Gladbach-Schalke-Trilogie, die mit diesem Bundesliga-Duell begann, sind wohl keine Umbaumaßnahmen zu erwarten. Am Donnerstag sollten die Energiespeicher wieder voll sein, zumal die Borussia beflügelt wirkt von ihrem beeindruckenden Erfolgslauf. "Wir sind jetzt in Pokal und in der Europa League sehr gut positioniert, das gibt uns Rückenwind", sagte Eberl, der seit Jahren von dem Traum spricht, einmal "etwas Blechernes" an den Niederrhein holen zu wollen.

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Bundesliga: Heckings goldenes Händchen

Dass diese Fantasie plötzlich so realisierbar erscheint, ist eine kleine Sensation nach der krisenhaften ersten Saisonhälfte. "Wenn wir mal wieder in ein Finale kämen, wäre das schon großartig", versuchte der Sportdirektor Träumereien entgegenzuwirken, aber dieses Spiel nährt auch deshalb die Hoffnungen, weil der FC Schalke ein solch kümmerliches Bild abgab.

Wieder einmal kramte Trainer Markus Weinzierl die alte Erklärung von den fünf Niederlagen zu Saisonbeginn hervor, um die zu diesem Zeitpunkt schwächste Punktausbeute seit 18 Jahren zu erklären. Das wirkte erschreckend hilflos. Schließlich hatte die Mannschaft sich zwischenzeitlich von diesem Saisonstart erholt, Schalke schien sich zu stabilisieren, eine Handschrift des Trainers war erkennbar. Nun musste Sportvorstand Christian Heidel konstatieren: "Ich habe totales Verständnis, wenn Leute sagen: Die Entwicklung in den letzten Wochen ist nicht gut. Weil man sieht die Entwicklung nicht."

Zwei Klubs mit vergleichbaren Ambitionen und Potenzialen, die vor wenigen Wochen von einer ähnlichen Gefühlsmischung aus vager Hoffnung und Krisenfurcht bewegt waren, spielen nun in eindeutig verteilten Rollen um den Einzug ins Viertelfinale der Europa League. Gladbach geht als Favorit in die Paarungen, Schalke nur als Außenseiter. "Aber", warnte Eberl seine Spieler, "das sind Spiele mit anderem Charakter, wir haben etwas zu verteidigen."

Denn natürlich gilt weiter die Weisheit von der Schnelllebigkeit des Spiels.



insgesamt 14 Beiträge
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Freidenker10 05.03.2017
1.
Echt eine schwierige Entscheidung für das Management einen Trainer auszutauschen oder es weiterhin mit dem alten zu versuchen. In Gladbach scheint der Wechsel zu funktionieren. Bei Pauli wiederum finde ich es gut das man mit Zettel-Lienen weitermacht. Bei Schalke und Leverkusen hingegen scheint mir ein Ende der Trainer absehbar...
mbfishing 05.03.2017
2. Traurig
Boah, SPON hat seinen neuen Tiefpunkt erreicht, der Titel ist 1:1 aus dem transfermarkt.de-Forum geklaut... Starke Leistung vom Autor!
Nonvaio01 05.03.2017
3. bei schalke faellt mir auf
das die abwehr total von der rolle ist seit ein paar spielen. Der rest geht eigentlich.
passagenpassant 05.03.2017
4. Schnelllebigkeit
Als Gladbachfan freut es mich, wie diese Mannschaft es wieder und wieder krachen lässt. Erfrischender Fußball ohne Frage. Allerdings jetzt schon von Favorit im Eurocup zu sprechen, zumal es ja gegen den gleichen Gegner geht, halte ich für übertrieben. Gegen Ingolstadt und Werder war da eher Magerkost geboten worden. Nun hats mal wieder ordentlich geklingelt, aber Weinzierl und Co sind nicht dämlich, auch wenns Schalker sind ... Dennoch das 4:2 war schon ein Leckerchen.
starboy 05.03.2017
5. Weinzierl bitte aufwachen
Der Trainer sollte mal schauen wer das Schalker Spiel immer wieder im Umschaltspiel ausbremst. Das ist nämlich Bentaleb. Er glaubt vielleicht er ist der neue Zidane oder Micoud, aber von deren Qualität ist er so weit weg wie die Erde vom Mond. Immer erst einen Gegenspieler aussteigen lassen wollen und noch ne Pirouette und Hacke hier (böser Ballverlust vor BMG 2-1) tut beim zuschauen weh. Und 2 mal versucht er aus ca.35m ein Tor zu erzielen, wo ich mich frage ob er jemals ein Tor aus über 25m geschossen hat?! Weinzierl sollte mit ihm sprechen oder mal ne Denkpause verordnen. Meyer ganz vorne ist verloren, wenn man schon mit zwei Stürmern spielt dann sollte Weinzierl sich Hoffenheim gg Ingolstadt anschauen. Apropos Hoffenheim, entweder will man gg. Hoffenheim gewinnen oder man wechselt Aogo ein. Seit Aogo bei Schalke spielt hat er vielleicht eine Handvoll halbwegs erträgliche Spiele gemacht, von gut kann man nicht sprechen. Ich denke er ist der Spieler mit den meißten Querpässen in der Liga. Er kann nicht dribbeln, er kann keinen vernünftigen Pass über 10m spielen und auch defensiv absolut unterdurchschnitt. Ein besserer Zweitligaspieler. Wo wir zum nächsten Thema kommen.. Anspruch und Wirklichkeit. Noch kann man sich glücklich schätzen das die letzten 3 Mannschaften in der Tabelle so schwach sind...noch. Im Sommer hat Heidel ganz viele Baustellen.
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