Schweizer Stürmer Warum Embolo bei Gladbach aufblüht

Verletzungen und Frust bestimmten die Schalker Jahre von Breel Embolo. Doch in Mönchengladbach läuft es für den hochgehandelten Angreifer. Für Trainer Marco Rose könnte er zum Schlüsselspieler werden.

Denis Zakaria und Breel Embolo (r.) feiern den Sieg in Köln
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Denis Zakaria und Breel Embolo (r.) feiern den Sieg in Köln

Von , Köln


Das entscheidende Tor fiel bereits in der 14. Spielminute. Der Gladbacher Alassane Pléa verwandelte eine unfreiwillige Vorlage von Kölns Kingsley Ehizibue. Doch möglich gemacht hatte den Treffer erst Breel Embolo: Mit hohem Tempo war der Neu-Gladbacher an zwei gegnerischen Spielern vorbeigestürmt und hatte einen feinen Pass Richtung Mitte gespielt - jenen Pass, den Ehizibue letztlich nur noch vor Pléas Füße klären konnte. Es war eine von vielen starken Szenen Embolos beim 1:0-Sieg in Köln.

Nach dem Spiel wurde Gladbachs Trainer Marco Rose gefragt, was er denn mit Embolo gemacht habe, der spiele ja plötzlich ganz anders als man das aus seiner Schalker Zeit von ihm gewohnt gewesen sei. "Ja, das wollte ich euch schon längst gesagt haben", antwortete Rose. "Wir waren drei Wochen zusammen im Urlaub."

Natürlich gab es keinen gemeinsamen Urlaub, ein Scherz. Doch was es gab, waren einige intensive Gespräche. Er habe Embolo gemeinsam mit dem Sportdirektor Max Eberl davon überzeugen können, dass ein Wechsel von Schalke nach Gladbach "ein Neuanfang" sein könne, sagte Rose.

1000 Tage auf Schalke, 650 Tage verletzt

Als der FC Schalke Embolo vor drei Jahren aus Basel geholt hatte, galt der damals 19-Jährige als eines der vielversprechendsten Talente in Europa. Damals hieß es, Manchester United habe besonders hartnäckig um Embolo geworben, auch Gladbach war sehr interessiert. Doch Embolo ging nach Gelsenkirchen. Bis heute ist er mit einer Ablöse von 26 Millionen Euro der teuerste Einkauf in Schalkes Vereinsgeschichte.

Embolo schoss dann auch einige tolle Tore, doch er war auch oft verletzt. Erst war es das Sprunggelenk, dann hatte er sich das Wadenbein gebrochen und später auch noch den Fuß. Von etwas mehr als 1000 Tagen auf Schalke war er rund 650 verletzt.

Breel Embolo im Spiel gegen Kölns Dominick Drexler
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Breel Embolo im Spiel gegen Kölns Dominick Drexler

"Breel ist immer noch jung", sagte sein neuer Trainer Rose über den 22-Jährigen. Man dürfe bei allem Lob aber auch nicht vergessen, "dass da noch Luft nach oben ist in verschiedenen Bereichen". Ein Satz, der auf Embolo ebenso zutrifft wie auf die gesamte Gladbacher Mannschaft.

Nach einer ganz starken ersten Hälfte, in der Gladbach die überlegene Mannschaft war, ließ das Team in der zweiten Hälfte einiges von dem vermissen, was es zuvor gut gemacht hatte. Das Pressing, wie es Rose gerne sehen möchte, hatte Kraft gekostet. Am Ende musste Gladbach noch einmal um den Sieg zittern. Auch Embolo war dann nicht mehr ganz so auffällig. Einmal, es lief die 66. Minute, kam er 16 Meter vor dem Tor an den Ball, doch er geriet in Rückenlage und sein Schuss deutlich zu hoch. "Wir gehen noch zu leichtfertig mit unseren Chancen um", sagte Embolo hinterher. "Auch heute hätte ich wieder zwei, drei Aktionen besser ausspielen können."

Der Spielmacher im Angreifer

In Gladbachs Mittelfeldraute nahm Embolo gegen Köln die offensivste Position ein. Oft rückte er vor, um das Aufbauspiel der Kölner zu unterbinden, manchmal aber tat er Dinge, die sonst nur Spielmacher tun. Er ließ sich fallen, verteilte die Bälle geschickt. Dabei ist Embolo eigentlich ein Spieler, den man bisher immer als Angreifer bezeichnet hatte. Doch in Gladbach sehen sie bei dem Schweizer offenbar noch ganz andere Talente. Auch deshalb haben sie ihn für rund zehn Millionen Euro vom FC Schalke geholt.

Kürzlich hat Schalkes neuer Trainer David Wagner mit den "Ruhr Nachrichten" über seinen Job gesprochen. Natürlich ging es dabei auch um die dünn besetzte Offensive, die bei den Schalkern noch zum Problem werden könnte. Wagner sagte: "Als ich mir den Kader nach meiner Verpflichtung angeschaut habe, war Embolo einer der Spieler, auf die ich mich am meisten gefreut habe."

1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:1)
0:1 Pléa (14.)
Köln: Timo Horn - Ehizibue, Bornauw, Czichos, Hector - Skhiri, Verstraete (86. Kainz) - Schaub (74. Risse), Drexler - Modeste (74. Terodde), Cordoba
Mönchengladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Zakaria - Kramer (83. Strobl), Neuhaus - Embolo - Pléa (87. Herrmann), Thuram (78. Benes)
Schiedsrichter: Aytekin
Gelbe Karten: Hector, Risse / Kramer, Elvedi
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)



insgesamt 3 Beiträge
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meresi 15.09.2019
1. Goldenes Händchen?
Nun, wie so oft hat man gesehen das gewisse Trainer einen anderen Zugang zu sogenannten Problemspielern haben (können). Auch Rose hat bei Salzburg schon bewiesen, dass er das drauf hat. Warum Embolo bei Schalke so verletzungsanfällig war? entzieht sich meiner Kenntnis. Ich hoffe für Rose, Embolo und Gladbach das er jetzt mal davon verschont bleibt und liefert. Vielleicht trägt auch die neue Position die er spielt dazu bei.
bigmitt 15.09.2019
2. Embolo hat mir....
...schon bei der EM 2016 gefallen. Ich wünsche ihm das er gesund bleibt, denn sein Potential ist riesig. Wieso manche Spieler bei dem einen Verein fit bleiben und beim anderen nicht wird nie zu beantworten sein. In Gladbach war ein gewisser Doucuré die letzten 2 Jahre fast durchgehend verletzt. Will damit sagen das es solche Fälle eben leider immer geben wird.
polza_mancini 16.09.2019
3. Luft nach oben
trifft es ganz gut, in der ein oder anderen Situation mangelt es noch an Gelassenheit und Ruhe beim Abschluss. Ansonsten kann man aktuell mit den Jungen im Team trotzdem sehr zufrieden sein als Gladbach-Anhänger - klasse Partie auch wieder mal von Neuhaus. Gottlob haben die anderen Vereine und ein Teil der Journaille noch nicht bemerkt, was für ein unfassbar abgezocktes Juwel Denis Zakaria ist!
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