Gladbacher Europa-League-Aus Glück ist endlich

Borussia Mönchengladbach ist in der Europa League jäh gescheitert - ein Rückschlag nach der Euphorie der Vorwochen. Die Reaktion auf die Niederlage ist ein guter Test dafür, wie weit das Team wirklich ist.
Man kann also auch in der letzten Minute verlieren, erfährt Borussia Mönchengladbach

Man kann also auch in der letzten Minute verlieren, erfährt Borussia Mönchengladbach

Foto: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Mit dem Glück ist es so eine Sache. Man kann sich nicht darauf verlassen. Borussia Mönchengladbach hatte in dieser Saison bisher einen Pakt mit dem Glück geschlossen. In der Europa League punktete das Team von Marco Rose allein in drei Spielen durch Tore in der Nachspielzeit. Da musste es am Donnerstagabend fast so kommen, wie es kam: Die Borussia schied gegen den türkischen Verein Basaksehir durch einen Gegentreffer in der letzten Minute aus der Europa League aus. Das Glück hatte sich abgekehrt.

Noch am vergangenen Samstag hatte der Bundesliga-Spitzenreiter gegen Bayern München eine Partie gewonnen, die er eigentlich nach dem Verlauf der ersten Stunde nie hätte gewinnen dürfen - durch ein Tor in der letzten Minute. Es ist diese Häufung knapper Resultate, die vor allem eines zeigt: Bei aller berechtigten Euphorie rund um den Borussia-Park ist die Borussia erst auf dem Weg, eine stabile Spitzenmannschaft zu werden. Was bei Licht betrachtet auch relativ normal ist.

Ein Sieg gegen den FC Bayern, zumal wenn er die Verteidigung der Tabellenführung bedeutet, ist normalerweise ein Ausweis dafür, dass man im Fußball zumindest in Deutschland jeden besiegen kann. In Mönchengladbach, dort wo die Fans an Enttäuschungen durchaus gewohnt sind und sie fast schon erwarten, hat dieser Erfolg und die Art, wie er zustande gekommen ist, die Bremsen gelockert.

Seit Samstag wird ohne große Skrupel von der möglichen Herbstmeisterschaft geredet, es ist auch nicht verboten, ein halbes Jahr weiter zu denken. Der Finger von Torwart Yann Sommer, der am Samstag ein Bayerntor artistisch verhindert hatte, wird in einem Vereinsvideo gefeiert. So etwas bleibt auch bei Spielern nicht ohne Eindruck. Dass ausgerechnet ein Fehler des sonst so zuverlässigen Sommer Basaksehir beim 1:1-Ausgleich ins Spiel zurückbrachte, kann man als Fingerzeig deuten.

Das Team balanciert seit Wochen auf dem Seil

"Wir haben ein Ziel verpasst, und das ist eine Riesenenttäuschung", kommentierte Trainer Marco Rose das Europa-League-Ausscheiden. In der 89. Minute der Partie war die Borussia noch Gruppensiegerin, eine Minute später nach dem Treffer von Istanbuls Enzo Crivelli ausgeschieden. Das zeigt nicht nur die Wechselfälle des Fußballs, sondern auch, wie sehr das Team in diesen Wochen auf dem Seil balanciert.

Auch bei den am Ende dann doch überzeugend ausfallenden Siegen in der Liga wie gegen Eintracht Frankfurt (4:2), Werder Bremen (3:1) oder den SC Freiburg (4:2) hatte das Team Phasen, in denen es defensiv anfällig war und das Spiel auch in die andere Richtung hätte kippen können. Das ist durch die überragende Offensive um Abschlussspieler Marcus Thuram verdeckt, teilweise dann auch in der Öffentlichkeit vergessen worden. Nach Negativerlebnissen wie am Donnerstag erinnert man sich wieder daran.

Nach der 0:4-Heimniederlage gegen den Wolfsberger AC im ersten Spiel der Europa League stand das Rose-Team allerdings auch von da an unter Druck. Dem hielt man in den Partien gegen den AS Rom und im Rückspiel bei den Österreichern zwar stand, aber es war von Beginn der Gruppenphase an klar, dass die Borussia sich keinen weiteren Ausrutscher hätte erlauben dürfen. Den gab es dann in der 90. Minute am Donnerstag.

Konzentration jetzt allein auf die Liga

Nach dem DFB-Pokal ist die Mannschaft jetzt auch in der Europa League früh gescheitert - in Mönchengladbach bleibt ihnen jetzt die Option, dies positiv umzudeuten. Der Klub muss jetzt allein die Konzentration auf die Bundesliga leisten - die Konkurrenz aus Dortmund, Leipzig und München hat dagegen die Dreifachbelastung aus Pokal, Europacup und Meisterschaft zu schultern. Das kann ein Vorteil sein, andererseits hat es auch schon genug Fälle gegeben, bei denen sich Teams gerade durch viele Spiele in den Rhythmus gespielt haben.

Das Aus im DFB-Pokal hat Gladbach relativ unbeeindruckt weggesteckt. Nach dem 1:2 in Dortmund setzte die Rose-Elf anschließend in der Liga ihre Siegesserie fort. Das Ausscheiden im Europacup, so knapp und so kurz vor dem Abpfiff, ist allerdings schmerzlicher. Ob es auch nachhaltiger ist, wird die Partie am Sonntag beim VfL Wolfsburg zeigen. "Wir haben in dieser Saison schon gezeigt, dass wir zurückschlagen können", sagt Offensivspieler Patrick Herrmann.

Spitzenklubs können solche Niederlagen wegstecken. Am Sonntag wird man sehen, wie weit Borussia Mönchengladbach auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft schon gekommen ist.

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