Gladbachs Aus im Europapokal Lust auf die nächste Qual

So richtig ärgern wollte sich nach der Niederlage in Manchester und dem Aus im Europapokal bei Borussia Mönchengladbach niemand: Zu beeindruckend war die Leistung bei dem englischen Top-Team.

Aus Manchester berichtet


Gerade hatte Gladbach 2:4 bei Manchester City verloren, der Klub war endgültig aus dem Europapokal ausgeschieden - und im Umkleideraum sah es aus "wie in einem Lazarett", berichtete Trainer André Schubert, "überall lagen Eisbeutel auf den Knien und Gelenken".

Überall traurige Gesichter. Denn natürlich waren es nicht nur körperliche Schmerzen, unter denen die geschlagenen Spieler litten. Die Niederlage fühlte sich in den ersten Minuten nach dem Schlusspfiff sicher noch etwas schlimmer an als die lädierten Körperteile.

Die Fußballer humpelten eine halbe Stunde später frisch geduscht zu ihrem Bus, es schien ihnen wieder etwas besser zu gehen. Manche waren sogar richtig stolz auf diesen Abend und die gesamte Europapokalsaison. "Das war eine tolle Mannschaftsleistung heute, wie auch schon in den anderen Spielen", sagte Torhüter Yann Sommer: "Das ist ein toller Klub, der auf diesem Niveau bestehen kann." Auch Trainer Schubert sprach von einer "guten Champions-League-Performance", während Sportdirektor Max Eberl sagte: "Die Mannschaft hat den Klub und Deutschland eindrucksvoll vertreten. Wir haben in einer sehr schweren Gruppe sehr guten Fußball gezeigt."

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Champions League: Zweite Niederlage für Schubert
Und vielleicht war die erste Halbzeit dieses Gastspiels in Manchester so etwas wie der fußballerische Höhepunkt dieser ersten Champions-League-Saison der Gladbacher.

Lange kontrollierten sie Spiel und Gegner, nicht einmal der frühe Rückstand durch David Silva (9. Minute) hinterließ Spuren am Selbstvertrauen. Julian Korb (19.) und Raffael (42.) drehten die Partie. In der ersten Hälfte habe er sich "kneifen müssen", sagte Eberl, der über den Gegner staunte: "Ich habe selten gesehen, dass eine Mannschaft, die seit Jahren berechtigte Hoffnungen hat, die Champions League zu gewinnen, in einem Heimspiel so an die Wand gespielt wird."

Je länger dieses Spiel dauerte, desto deutlicher wurde allerdings, was den Gladbachern noch zu einem richtig großen Team fehlt: Erfahrung und eine Bank mit Spielern, die auch auf diesem Niveau starke neue Impulse geben können. "Man hat der Mannschaft angemerkt, welchen Substanzverlust wir haben", sagte Schubert. Die Spieler auf den Rasen hatten irgendwann keine Kraft mehr, und auf der Bank fand sich niemand, der die Partie hätte beruhigen können, dem man zutrauen konnte, den stärker werdenden Druck der Engländer abzumildern. Der Kader von Manchester City ist da weit besser bestückt, das machte sich zum Ende der Partie mehr und mehr bemerkbar, und so bezeichnete Schubert das Ergebnis letztlich als "verdient".

Ein wenig tragisch bleibt aber, dass die konstant überzeugende Borussia am Ende der Gruppenphase nicht einmal Dritter wurde, was die Teilnahme an der Europa League ermöglicht hätte. Selbst in der zweiten Halbzeit hielt die Defensive dem Dauerdruck, der vor allem vom überragenden Raheem Sterling ausging, lange stand. Bis Sterling die Partie per Doppelschlag drehte (80., 81.).

"Wir haben nichts verloren, wir haben Erfahrung gewonnen"

City-Trainer Manuel Pellegrini schwärmte später von "einem der besten Europapokalabende in der Geschichte des Klubs", und hinter diesen Worten verbarg sich auch ein Lob an die Gladbacher, die Teil dieses mitreißenden Fußballspiels waren, von dem Schubert hofft, dass es sein Team "motiviert, das wieder zu erreichen". Ähnlich tröstete sich auch Sportdirektor Eberl: "Wir haben nichts verloren, wir haben sehr, sehr viel Erfahrung gewonnen."

Und tatsächlich passt diese internationale Saison irgendwie zum langsamen, aber stetigen Wachstum der Gladbacher. Auch Borussia Dortmund ist im ersten Champions League Jahr unter Jürgen Klopp trotz guter Leistungen in der Gruppenphase ausgeschieden, aber die Spieler haben damals viel gelernt und in den Jahren danach große Erfolge gefeiert. Eine ähnliche Entwicklung ist nun auch der anderen Borussia zuzutrauen.

Und für das Projekt einer erneuten Qualifikation für die Königsklasse ist dieses Aus vielleicht gar nicht so schlecht. Statt anstrengende englische Woche überstehen zu müssen, können Schubert und seine Spieler sich jetzt ganz auf die Bundesliga und auf die Arbeit an ihrem beeindruckenden Fußball konzentrieren.

Manchester City - Borussia Mönchengladbach 4:2 (1:2)
1:0 Silva (16.)
1:1 Korb (19.)
1:2 Raffael (42.)
2:2 Sterling (80.)
3:2 Sterling (81.)
4:2 Bony (85.)
Manchester: Hart - Clichy (81. Sagna), Otamendi, Mangala, Kolarov - Delph (65. Bony), Fernandinho - De Bruyne (65. Navas), Toure, Silva - Sterling
Mönchengladbach: Sommer - Elvedi, Christensen, Nordtveit, Wendt (84. Hazard) - Dahoud (67. Schulz), Xhaka - Korb, Johnson (72. Drmic) - Raffael, Stindl
Schiedsrichter: Makkelie (Niederlande)
Zuschauer: 41.829

insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
ossibomber 09.12.2015
1.
warum werde ich das gefühl nicht los, daß spon, hier unbedingt eine mannschaft und ihren trainer pushen will.
rainer60 09.12.2015
2. pushen,wieso
haben sie das spiel gesehen ? wenn ja, muessen sie zugeben das zumindest die 1.halbzeit erstklassig war. wenn sie das spiel nicht gesehen haben, sollten sie sich ihren Kommentar verkneifen.
wedding13347 09.12.2015
3. Gefühle täuschen?
@ Ossibomber
viwaldi 09.12.2015
4. Einfach:
Zitat von ossibomberwarum werde ich das gefühl nicht los, daß spon, hier unbedingt eine mannschaft und ihren trainer pushen will.
Weil SPON hier eine Mannschaft und ihren Trainer pushen will. Ist doch nichts verkehrt daran, nach so einem tollen Spiel.
bigmitt 09.12.2015
5. Hat auch was....
..Gutes...Borussia kann sich ganz auf Liga und auf den DFB Pokal konzentrieren. Nach 95 würde es endlich mal wieder Zeit.
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