Drei Thesen zum Bundesliga-Spitzenspiel Gladbach ist kein Titelkandidat

Borussia Mönchengladbach spielte in der Hinrunde schönen Fußball - bis zur Partie bei Borussia Dortmund. Das letzte Spiel des Jahres offenbarte aber auch Probleme bei den Dortmundern.
Von Tobias Escher und Henrik Bahlmann
Alassane Pléa

Alassane Pléa

Foto: DAVID HECKER/EPA-EFE/REX

1. So toll die Gladbacher Hinrunde war, so enttäuschend ist das Ende

33 Punkte aus 17 Spielen, dabei alle acht Heimspiele gewonnen: Es dürfte kaum einen Gladbacher geben, der diese Bilanz vor der Saison nicht mit Kusshand angenommen hätte. Eigentlich sollte eine 1:2-Niederlage gegen Tabellenführer Borussia Dortmund eine solche Bilanz nicht trüben.

Gladbachs Spieler nach der Partie

Gladbachs Spieler nach der Partie

Foto: Dean Mouhtaropoulos/ Bongarts/Getty Images

Es ist weniger das Ergebnis, das man Gladbach vorwerfen kann, es ist das Zustandekommen. Die Gladbacher igelten sich in der eigenen Hälfte ein, trauten sich kaum über den Mittelkreis. Einzig Stürmer Alassane Pléa verblieb in der gegnerischen Hälfte. Dort war er völlig auf sich allein gestellt. Gerade einmal drei Schüsse gab Gladbach ab, so wenige wie kein anderer Dortmunder Gegner in dieser Saison.

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All das, was die Gladbacher auf Rang zwei gebracht hat, vernachlässigten sie ausgerechnet im Spitzenspiel. Mutige Pässe ins Mittelfeld? Ball und Gegner laufen lassen? Nach Ballgewinnen mit Wucht in die Schnittstellen passen? Die Millionen Zuschauer, die Gladbach erstmals in dieser Bundesligasaison live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sehen konnten, kamen überhaupt nicht in den Genuss dieser Gladbacher Stärken. Das ist schade. Es bleibt das Gefühl, dass an diesem Abend mit einer mutigeren Ausrichtung mehr drin gewesen wäre - gegen einen BVB, der sich schwertat.

2. Gladbach ist kein Titelkandidat

Gladbach ist eine gute Bundesliga-Mannschaft, die mit taktischer Disziplin und mit einem spielstarken Mittelfeld auftrumpft. Ihnen fehlt aber sowohl die nötige Flexibilität als auch die psychologische Belastbarkeit, um ganz oben anzugreifen.

Das beweist ihre Auswärtsbilanz eindrucksvoll: Nur zwei Spiele auf fremdem Platz konnten sie gewinnen, viermal verloren sie. Sie trauen sich nicht, ihren mutigen Flachpass-Fußball auch auswärts aufzuführen. Solange das so bleibt, ist Gladbach nicht gemacht für den Titelkampf.

Sogar für das Ziel Champions League wird in der Rückrunde eine Leistungssteigerung nötig sein. Gladbachs phänomenale Bilanz im Borussia-Park dürfte angesichts von Heimspielen gegen Bayern, Leipzig, Hoffenheim und Dortmund Risse bekommen. Gerade auswärts werden sie sich steigern müssen, wollen sie in der kommenden Saison international antreten.

3. Dortmund wird in der Rückrunde Probleme bekommen

Borussia Dortmund pflügte in den vergangenen vier Monaten durch Fußball-Europa, feierte beeindruckende Siege gegen Leipzig (4:1), München (3:2) und Atlético Madrid (4:0). Nur: Es gibt ein Aber in der Dortmunder Hinrunde, das unter der Woche bei der Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf zum Vorschein kam.

Dortmunds Spieler jubeln

Dortmunds Spieler jubeln

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Dortmunds Spiel, um nicht zu sagen Favres Spiel, ist ausgelegt auf das schnelle, kollektive Umschalten bei Ballgewinn. Gewinnt die Defensive den Ball, braucht es meist nur wenige Sekunden, ehe der Abschluss auf der anderen Seite des Feldes erfolgt. Mit vertikalen Pässen in die Tiefe werden Dortmunds Supersprinter auf die Außenbahnen geschickt - und im Sturmzentrum: Paco Alcácer, der in der Bundesliga-Hinrunde pro Tor lediglich 39 Minuten brauchte, und Marco Reus, der verschont von Verletzungen ein Karrierehoch hat.

So einfach das Dortmunder Spiel nach vorne scheint, so einfach schien es in den vergangenen Spielen von Düsseldorf und Gladbach zu verteidigen zu sein. Das schnelle, vertikale Spiel in die Tiefe der Dortmunder stößt gegen Gegner an seine Grenzen, die bereits tief stehen, fast gar nicht aufrücken und so auch bei Ballverlusten wenig Räume für Konter lassen. Drei Torschüsse gegen Düsseldorf, vier gegen Gladbach. Die Liga scheint verstanden zu haben, wie der BVB zu verteidigen ist - und es in der Winterpause sicher nicht vergessen.

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