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Dritte Gladbach-Niederlage Kater nach dem Rausch

Es ist die erste kleine Krise seiner Amtszeit: Gladbachs Coach André Schubert muss nach dem Siegesrausch nun mit einer Niederlagenserie umgehen. Manager Max Eberl kündigt bereits Winterzugänge an.

Wissenschaftler haben vor einiger Zeit ermittelt, dass es das Phänomen sogenannter "Läufe" im Fußball eigentlich nicht gibt. Statistisch ist die Chance, nach zwei, drei oder mehr Siegen ein weiteres Mal zu gewinnen nicht größer als nach einer Niederlage. Und umgekehrt gilt das Gleiche: Ein neuerlicher Misserfolg ist keineswegs wahrscheinlicher, wenn schon zuvor nicht gewonnen wurde. Allerdings gibt es in diesem Sport immer auch die gefühlte Wahrheit, und die besagt etwas anderes.

Wenn es läuft, dann läuft es. Und wenn nicht, dann landen eben Bälle am Pfosten, die in guten Phasen ins Tor springen. Genauso ist es Borussia Mönchengladbach beim aufregenden 3:4 im DFB-Pokal gegen den Abstiegskandidaten Werder Bremen ergangen.

Nach zehn ungeschlagenen Partien in der Bundesliga hat der Klub in den vergangenen sieben Tagen bei Manchester City verloren (2:4), in Leverkusen (0:5) und nun dieses erstaunliche Spiel gegen die Bremer. 13 Gegentreffer haben die Mönchengladbacher in diesen drei Duellen zugelassen, das sieht schon sehr nach einem schlechten Lauf aus.

"Da kommen mehrere Dinge zusammen"

Am Dienstagabend hatte die Mannschaft gute Phasen, sie ging in Führung und glich zum 2:2 aus, in anderen Momenten wirkte das Team hingegen kopflos und unreif. "Da kommen mehrere Dinge zusammen", erwiderte André Schubert nach der Partie auf die Frage nach den Gründen für die vielen Löcher in der Defensive.

Der Trainer sprach von "Konzentrationsfehlern", diagnostizierte aber auch einen Mangel an taktischer Stabilität. Das Team habe nach Rückständen zuletzt "die Kontrolle nicht bewahrt", stattdessen breche Hektik aus. "Insgesamt war das zu wild, nicht ruhig genug nach vorne", sagte Schubert.

Während der Siegesserie im Herbst passierten solche Fehler hingegen kaum. In den ersten Partien nach dem Rücktritt von Lucien Favre hatte das Team überhaupt keine Gegentore aus dem Spiel heraus zugelassen. Jetzt ist die Sicherheit im Spielaufbau verloren gegangen, was vor allem mit einem Substanzverlust in den vergangenen Wochen zu tun habe, sagte Schubert: "Die Jungs sind auch nur Menschen, bei den hohen Belastungen, die sie im Moment abrufen, passieren solche Fehler."

Wie geht Schubert mit der Krise um?

Ähnlich argumentierte Sportdirektor Max Eberl, der das kleine Leistungstief ebenfalls auf den Schwund von "geistiger und körperlicher Frische" zurückführte und für die Winterpause Spielerkäufe ankündigte. "Wir werden versuchen, dem Kader das zuzuführen, von dem wir glauben, dass es hilft", sagte er. Dabei fallen in der Rückrunde mit der Champions League und dem DFB-Pokal zwei Wettbewerbe weg und viele verletzte Spieler werden zurückkehren. Die Belastung sollte dann eigentlich kein Problem mehr sein.

Erheblich spannender als die Aktivitäten auf dem Transfermarkt wird daher die Entwicklung von Trainer Schubert sein. Die Borussia ist am Ende einer Hinrunde der Extreme immer noch dabei, den Normalzustand zu finden. Nach Wochen, in denen die Euphorie einer Erfolgsserie zusätzliche Kräfte freisetzte und ein enormes Selbstvertrauen erzeugte, steht der Trainer vor seiner ersten etwas komplizierteren Phase. Vor einer Situation, die er auf diesem Niveau noch nicht zu bewältigen hatte.

Der 44-Jährige hielt seinen Kritikern denn auch schon mal vorsorglich entgegen, dass die Entwicklung der Hinrunde selbst dann großartig bleibe, wenn auch die Partie gegen Darmstadt 98 am kommenden Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nicht gewonnen wird. In der überaus erfolgreichen Vorsaison hatten die Gladbacher nach 17 Partien 27 Punkte. Um diesen Wert erneut zu erreichen, benötigen sie noch ein Unentschieden, rechnete Schubert vor.

Doch wie bei der Sache mit den "Läufen", gibt es auch hier eine gefühlte Wahrheit: Wenn die Borussia auch gegen den Aufsteiger sieglos bleibt, blickt er Klub auf ein Halbjahr mit heftigen Schwankungen zurück. Mit einer eher trübseligen Schlussphase. Auf die fünf Niederlagen zu Beginn folgte die unglaubliche Euphoriephase von zehn Bundesligapartien mit acht Siegen und zwei Unentschieden, nun die drei Niederlagen. "Die Mannschaft hat einen starken Charakter, einen starken Willen", sagte Schubert.

Um die Glaubwürdigkeit dieser These zu stützen, wäre ein Sieg gegen Darmstadt sehr hilfreich.

Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 3:4 (1:0)
1:0 Stindl (32.)
1:1 Sternberg (52.)
1:2 Vestergaard (58.)
2:2 Hrgota (74.)
2:3 Pizarro (75.)
2:4 Ujah (78.)
3:4 Hrgota (90. + 3)
Mönchengladbach: Sommer - Korb (88. Elvedi), Christensen, Nordtveit, Wendt - Dahoud (63. Hrgota), Xhaka - Hazard (88. Drmic), Johnson - Stindl, Raffael
Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie, Lukimya, Vestergaard, Sternberg - Fritz (54. Ulisses Garcia), Bargfrede - Öztunali, Grillitsch (88. Santiago Garcia) - Pizarro, Ujah (79. Kroos)
Schiedsrichter: Günter Perl
Zuschauer: 53.106
Gelbe Karten: Dahoud, Stindl - Ulisses Garcia