Gladbachs Remis bei Inter Mailand Soll man sich darüber jetzt freuen?

Sie waren nicht überragend, aber führten bis in die Schlussminute: Gladbach hadert nach einem späten 2:2 bei Inter mit sich. Beim Serie-A-Klub ist zuerst das Coronavirus das Gesprächsthema - und dann Romelu Lukaku.
In der 90. Minute der Ausgleich: Romelu Lukaku schockiert Gladbach

In der 90. Minute der Ausgleich: Romelu Lukaku schockiert Gladbach

Foto: ULMER / imago images/ULMER Pressebildagentur

Kontrastprogramm: Die Aktion von Ramy Bensebaini in der 63. Minute passte nicht zum Spielgeschehen. Präzise und hart schoss der Profi von Borussia Mönchengladbach den Ball ins rechte Toreck, Samir Handanovic streckte sich, aber an diesen Schuss kam der Inter-Keeper nicht heran. Die Maßarbeit beim Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 fiel so auf, weil in vielen anderen Aktionen des Bundesligisten und auch des Serie-A-Klubs jede Präzision fehlte. Die Fußballfloskel "Fehlpassfestival" wurde für solche Spiele erfunden.

Plötzlich Spektakel: Der Auftakt in der Champions-League-Gruppe B zwischen Real Madrid und Schachtar endete in einer spektakulären Pleite für die Spanier, die Gruppengegner Inter und Gladbach zeigten lange das Gegenteil - es war ein schwaches Spiel. Dann brach die Schlussphase an: Sechs Minuten vor Schluss traf Jonas Hofmann zum überraschenden 2:1, in der 90. Minute antwortete - wer sonst? - Romelu Lukaku mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend. "Das ist extrem bitter", sagte Hofmann bei DAZN.

Ergebnis des Spiels: Borussia Mönchengladbach verlässt das legendäre Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion mit einem Punkt - 2:2 (0:0) lautete der Endstand. In einer schweren Gruppe und angesichts einer lange Zeit passiven Leistung ist das ein ordentliches Ergebnis für Gladbach. "In zwei, drei Stunden können wir mit dem Punkt leben, aber im Moment fühlt es sich nicht so gut an", sagte Verteidiger Matthias Ginter. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Inter infiziert: Das Coronavirus wütet auch im Profifußball, besonders gut kann man die Entwicklung bei Inter beobachten. Zu Beginn dieser Champions-League-Woche hatte der Klub bereits sechs Corona-Infektionen (vier in der Mannschaft, zwei im Betreuerstab) vermelden müssen, kurz vor Anpfiff kam die siebte hinzu: Der Ex-Dortmunder Achraf Hakimi wurde positiv getestet.

Der Fall Hakimi: Der Außenverteidiger zeigte offenbar keine Symptome und soll sich inzwischen in Quarantäne befinden. Das Sicherheitsprotokoll der Uefa sieht vor, dass eine Partie stattfindet, wenn mindestens zwölf Feldspieler und ein Torhüter negativ getestet worden sind. Der Fall Hakimi aber ist heikel, da er bei Inter in einem Umfeld vorgekommen ist, wo die Infektionskette bisher nicht unterbrochen werden konnte. Und, weil Hakimi bis zuletzt in Kontakt mit seinen Teamkollegen gewesen ist und erst am Spieltag isoliert wurde. Weitere Ansteckungen sind nicht ausgeschlossen.

Roses Beginn: Bei acht Champions-League-Qualifikationsspielen saß Coach Rose während seiner Salzburger Trainerzeit bereits auf der Bank, aber die Partie in Mailand war für ihn die erste echte in der Königsklasse: Er sei nun im "Konzert der Großen" (DAZN-Kommentator) angekommen, und zum Debüt setzte der Trainerneuling auf ein besonders offensives Ensemble: Mit Breel Embolo, Marcus Thuram und Alassane Pléa durften gleich drei Angreifer starten; nur gefährlich wurden sie nicht - kaum Zugriff im Mittelfeld, zu viele Fehlpässe, die Borussia kam nicht ins letzte Drittel.

Inters langer Weg zurück: Fast zehn Jahre nach dem bisher letzten Champions-League-Sieg (gegen Bayern München) gehört Inter wieder zum Kreis der Topteams in Europa. Kluge Transfers, ein taktisch exzellenter Trainer (Conte), überragende Einzelkönner (Lukaku) - auf so einem Fundament lässt sich etwas aufbauen. Aber noch ist nicht Richtfest: Nach der Niederlage im Europa-League-Finale gegen den FC Sevilla Ende August lief auch der Saisonstart in der Serie A mäßig, acht Gegentore in vier Spielen, Pleite im Mailand-Derby gegen die AC - und auch gegen Gladbach fiel der Eindruck eher in die Kategorie "ausbaufähig". Inter war spielerisch überlegen, wirkte aber nicht wirklich zielstrebig und wurde zunächst lediglich in der 41. Minute mit einem Schuss von Lukaku gefährlich.

Das sah man in der ersten Hälfte häufiger: Elvedi vor Lukaku

Das sah man in der ersten Hälfte häufiger: Elvedi vor Lukaku

Foto: Luca Bruno / dpa

Der Mann an Ginters Seite: Der eine Abschluss von Lukaku war gleichbedeutend mit seinem einzigen Ballkontakt im Strafraum in der ersten Hälfte. Viel wird bei Borussia Mönchengladbach über Nationalspieler Matthias Ginter gesprochen, aber die Abwesenheit des belgischen Angreifers in den ersten 45 Minuten hing eher mit dem zweiten Gladbacher Innenverteidiger zusammen: Nico Elvedi verteidigte gegen Lukaku aufmerksam und vorausschauend, zumindest bis zum Seitenwechsel.

Kurz mal hochfahren: Wie viel Qualität Inter aber besitzt, zeigte der Beginn der zweiten Hälfte: Lautaro Martínez, überraschend nur auf der Bank, kam ins Spiel, Marktwert: immerhin 70 Millionen Euro. Nach einem Traumpass von Arturo Vidal (Ja, der spielt jetzt auch bei Inter) köpfte der argentinische Angreifer scharf vor das Tor, am Ende einer langen Szene fiel der Ball Lukaku aus wenigen Metern vor die Füße - 1:0. Später folgte sein zweiter Treffer. Nach 34 Pflichtspieltoren in der Vorsaison (51 Einsätze) steht Lukaku in dieser Spielzeit bei sechs Treffern in fünf Partien.

Die "Hammergruppe": Der enge Terminplan in Zeiten der Coronakrise lässt keine großen Pausen zu. Bereits am kommenden Dienstag empfängt Gladbach Real Madrid (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL.de), auf dem Papier scheint das der stärkste Gegner zu sein. Aber nach Niederlagen gegen Cádiz in der Liga und Schachtar in der Champions League scheinen die Königlichen angeschlagen. Vielleicht hat Borussia Mönchengladbach das schwerste Spiel in seiner Gruppe bereits hinter sich.