Diskussionen um Trainer Schubert Gladbacher Phantomschmerz

Mönchengladbach hat Platz vier fast sicher - und doch wird über die Zukunft von Trainer Schubert geredet. Sportdirektor Eberl ist daran nicht unschuldig.
André Schubert

André Schubert

Foto: Sascha Steinbach/ Bongarts/Getty Images

Roel Browers wusste genau, was zu tun war, als er am Ende dieses herrlichen Fußballnachmittags ein letztes Mal vor die Tribüne mit den Mönchengladbacher Fans trat, um sich nach neun Jahren zu verabschieden. Er blicke auf eine großartige Zeit "bei einem supergeilen Verein" zurück, sagte der Innenverteidiger, dessen Vertrag nicht verlängert wird. Dann stimmte er den Gladbacher Fußballhit des vorigen Sommers an. "Auf, auf, auf in die Champions League", grölte Browers in das Mikrophon, die Leute hüpften fröhlich in der warmen Abendsonne und sangen mit.

Die Borussia hat sich durch den sehenswerten 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen und die gleichzeitigen Punktverluste von Schalke gegen Augsburg (1:1) und Berlin gegen Darmstadt (1:2) sehr wahrscheinlich den vierten Tabellenplatz erkämpft, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt. Drei Punkte und elf Tore Rückstand wird Mainz 05 am letzten Spieltag gegen Hertha BSC kaum aufholen können.

"Es ist Wahnsinn, wenn man sich die ganze Saison anschaut", sagte Trainer André Schubert. Nach fünf Spieltagen war die Borussia mit null Punkten Tabellenletzter. Der damalige Trainer Lucien Favre trat zurück, später hatte der Kader großes Verletzungspech.

Als Schubert die Mannschaft übernahm, handelte er nicht einmal eine Prämie für das Erreichen der Champions League aus, "daran habe ich wirklich nicht gedacht", sagte er. Niemand rechnete damals mit solch einer Auferstehung.

Auch gegen Leverkusen kämpften sich die Gladbacher am Samstag wieder zurück. Charles Aránguiz hatte Leverkusen in Führung gebracht (20. Minute), bevor die Borussia die Partie drehte. "Dieser Nachmittag spiegelt die ganze Saison", sagte der überragende André Hahn, der beide Gladbacher Tore geschossen hatte (43., 79.). "Wie ein Stehaufmännchen sind wir immer wieder zurückgekommen".

"Wir spielen nicht ganz unattraktiv"

Tatsächlich ist die Borussia ein würdiger Tabellenvierter. Auswärts haben sie in der Rückrunde zwar nicht viele Punkte erspielt, aber die Gesamtbilanz nach dem Trainerwechsel ist imposant. "Wir haben in der Zeit ab dem sechsten Spieltag Platz drei hinter Bayern und Dortmund, noch vor Leverkusen erreicht", sagte Schubert. "Wir haben auch ein paar Tore geschossen, außerdem spielen wir nicht ganz unattraktiv, finde ich."

Vor allem aber habe die Borussia seit seiner Amtübernahme "über 20 Punkte mehr erspielt als Wolfsburg und 10, 11, 13 Punkte mehr als Schalke oder Hertha", sagte der Trainer. Das klang ein wenig nach Selbstlob, aber Schubert hatte gute Gründe, seine Leistung in Erinnerung zu rufen. Denn dieser Nachmittag des Erfolges war überschattet von einer der seltsamsten Trainerdebatten der Bundesligageschichte.

Schubert sei "intern umstritten" und der Augsburger Coach Markus Weinzierl, um dessen Dienste auch der FC Schalke wirbt, sei "plötzlich Top-Favorit der Borussia", hatte die "Bild"-Zeitung am Donnerstag berichtet. Gerüchte dieser Art kursieren seit Wochen durch den Borussia-Park, und man kann sich schon fragen, warum es den Verantwortlichen nicht gelingt, das Trainertheater zu beenden. Eberl stützt Schubert zwar, aber seltsamerweise enthalten seine Aussagen immer eine Hintertür.

"Bodenlos, was hier passiert"

Auf der Mitgliederversammlung Mitte April verkündete der Sportdirektor, der Klub werde dem Trainer "Zeit" geben, und vor dem Spiel gegen Leverkusen sagte er, der Klub habe fest vor, mit Schubert, "Stand heute", in die neue Saison zu gehen.

Nach dem Abpfiff sagte er dann zu den Journalisten: "Ich habe doch, angefangen mit der Mitgliederversammlung, relativ klar zu unserem Trainer gestanden. Ich werde nicht jeden Tag etwas dazu sagen, es sei denn jeder von euch sagt eurer Frau jeden Tag von Neuem: Ja, Schatz, ich will dich heiraten. Das tut ihr auch nicht, und so halte ich es auch". Aber warum, enthalten diese Bekenntnisse immer einschränkende Satzbausteine wie "relativ" oder "Stand heute"?

Als irgendwann jemand fragte, ob Eberl nicht einfach sagen könne, Schubert bleibe auf jeden Fall, platzte dem Sportdirektor der Kragen. "Jetzt mal ganz ehrlich, wir sind heute Vierter geworden, und ich kriege nur diese Frage, es ist bodenlos, was hier passiert", zürnte er. "Habt ihr den Christian Heidel gefragt, ob Martin Schmidt nächste Saison auf der Bank sitzt? Sitzt Thomas Tuchel auf der Bank? Die Frage wird nur in Gladbach gestellt. Warum? Das müsst ihr euch fragen."

Es ist ein seltsames Spielchen, das dort läuft, wobei vieles auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit hindeutet. Aber ein paar leise Zweifel an Schubert scheinen trotz der großartigen Performance vorhanden zu sein.

Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 2:1 (1:1)
0:1 Aránguiz (20.)
1:1 Hahn (43.)
2:1 Hahn (79.)
Mönchengladbach: Sommer - Elvedi, Christensen, Nordtveit - Dahoud (77. Hazard), Xhaka - Traoré (80. Herrmann), Wendt - Stindl - Hahn, Raffael (87. Stranzl)
Leverkusen: Leno - L. Bender, Ramalho, Toprak (83. Frey), Henrichs - Kramer (46. Jedvaj), Aránguiz - Robbie Kruse, Calhanoglu (81. Mehmedi) - Hernández, Kießling
Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
Zuschauer: 54.010 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Wendt (5), Traoré - L. Bender (3), Jedvaj (5)

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