Borussia Mönchengladbach "Wir konnten nichts falsch machen"

Wie abhängig ist Borussia Mönchengladbach von Raffael? Diese Frage stellten sich viele, nachdem der Brasilianer sich jüngst verletzte. Gegen Berlin bewiesen die Gladbacher, wie stark der Kader ist.

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Von , Mönchengladbach


Borussia Mönchengladbach ist die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga: 5:0 im direkten Duell mit einem Konkurrenten um einen Champions-League-Platz, sechs Spieltage vor Schluss Tabellenvierter. Es gab reichlich Grund zu jubeln an diesem Sonntag.

Doch bei Gladbach wollte niemand von der Dominanz gegen Hertha schwärmen, oder von der Schönheit der Tore. Stattdessen sprachen alle Borussen von einem Thema: von der "Qualität im Kader". Torhüter Yann Sommer ebenso wie Trainer André Schubert, Defensivspieler Tony Jantschke oder Sportdirektor Max Eberl.

Es schien, als seien sie selbst ein wenig erstaunt über dieses so selbstverständlich vorgetragene Spektakel und über ihre eigene Mannschaft. Alle elf Spieler auf dem Platz spielten mindestens gut, eher sehr gut - und dann kamen von der Bank Profis dazu, die das Team immer weiter vorantrieben. Raffael, der gefährlichste Angreifer, fehlte ja noch wegen seines Muskelfaserrisses aus dem Spiel auf Schalke. Es klang in den vergangenen Tagen, als sei dieser feine Fußballer unersetzlich.

"Da konnten wir nichts falsch machen"

Trainer Schubert hatte sich entschlossen, André Hahn erstmals seit seiner schweren Verletzung aus der Hinrunde in die Startelf zu befördern, das sollte eine der Schlüsselpersonalien werden. "André hat besondere Stärken", sagte Schubert später und lobte Hahns "Kombinationsspiel, seinen Torabschluss" und seine Eignung als "Zielspieler für lange Bälle" aus der eigenen Hälfte.

All das zeigte Hahn eindrucksvoll, gekrönt von einem brillanten Schuss aus der Drehung zum 2:0. Schubert freute sich darüber, merkte aber auch an, dass "zwei, drei andere diese Position genauso hätten spielen können. Die hätten das alle gut gemacht, da konnten wir nichts falsch machen". Es muss für die Konkurrenz unter dem Eindruck dieses 5:0 wie eine Drohung geklungen haben.

Auf der Bank saßen zunächst Patrick Herrmann und Ibrahima Traoré, die später in die Partie kamen und das 3:0 und das 5:0 erzielten. Außerdem blüht Thorgan Hazard, der das 1:0 und das 4:0 zum höchsten Gladbacher Saisonsieg beisteuerte, mehr und mehr auf. "Schön, dass wir so viele Spieler haben, die Raffael ersetzen können", sagte Eberl und lächelte stolz.

Dass der Sportdirektor Gerüchten zufolge überlegen soll, Mario Götze vom FC Bayern an den Niederrhein zu holen, erscheint auch wegen dieser Pracht an ebenso talentierten wie entwicklungsfähigen Offensivkräften ziemlich absurd. Alleine Götzes Gehaltsvorstellungen würden jeden Rahmen sprengen, den die Gladbacher sich selbst gesetzt haben, um allzu große Ungleichheiten im Gehaltsgefüge zu vermeiden.

Im Gegensatz zur Konkurrenz rechtzeitig in Top-Form

Und weil der Klub mit großer Wahrscheinlichkeit auch im kommenden Jahr an einem Europapokal teilnimmt, gibt es wenige Gründe für die derzeitigen Spieler, andere Herausforderungen zu suchen. Sofern Werder Bremen nicht DFB-Pokalsieger wird, dürfte Rang sieben für die Teilnahme an der Europa League berechtigen, und "weil wir jetzt sieben Punkte Vorsprung auf Rang acht haben, war das ein sehr wichtiger Sieg für uns", sagte Eberl.

Zumal die Dynamik der vergangenen Wochen dafür spricht, dass die Borussia sogar bis zum Schluss im Kampf um die Champions-League-Ränge mitmischen wird. Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Schalke, Hertha oder Wolfsburg ist das Team rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt bestens in Form, und die Rückkehr der vielen verletzten Spieler verleiht der Borussia eine Stärke, die noch einmal entscheidend sein könnte.

Nach Herrmann und Hahn kehrte mit Tony Jantschke ein weiterer Langzeitverletzter ins Team zurück, Raffael ist möglicherweise schon am kommenden Wochenende in Ingolstadt wieder einsatzfähig. Gut möglich, dass sich diese frische Energie aus dem Lazarett als bedeutsames Puzzlestück für die erneute Champions-League-Qualifikation erweisen wird.

Und dass diese Mannschaft reifer und wahrscheinlich auch besser ist als der Hauptstadtklub kann nach diesem Tag kaum noch jemand ernsthaft anzweifeln. Neun ihrer 32 Gegentore im bisherigen Saisonverlauf haben die Berliner alleine in den Spielen gegen Borussia Mönchengladbach kassiert.

Die drei Punkte Vorsprung, die nach diesem mittelschweren Debakel vom Borussia-Park noch übrig sind, wirken da ziemlich dünn.

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insgesamt 15 Beiträge
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retterdernation 04.04.2016
1. Hohn und Spott ...
trifft die Berliner zu Recht. Was eine blutleere Leistung der Hertha bei den Gladbachern - lässt die Fans an der Spree einfach nur noch frösteln. Und dabei hatte man doch zuvor "die beste Trainingsleistung der Saison" abgeliefert, nach Vereinsangaben. Gladbach zeigte der Hertha halt, wo der Hammer liegt. Danke an SPON, dass Ihr das jetzt schon mit dem dritten Artikel in rund 13 Stunden auf den Punkt bringt!!! So wird Hertha und den Fans deutlich gemacht, Ihr habt da oben nix verloren... grins und jaul :-)))
bigmitt 04.04.2016
2. Schöner. ....
...Artikel. Leider steht dort nichts von der Auswärtsschwäche des Teams. Es spielt in der Ferne oft beeindruckenden Fussball leider ohne jeglichen Ertrag ( In Mainz, Wolfsburg, auf Schalke ) Ohne eine Trendwende hier wird es mit der CL Quali schwer werden.
marten-j-bruns 04.04.2016
3. Ein fulminanter Sieg des VfL ja, aber
.. gegen diese Mannschaft aus Berlin hätte auch Hannover gewinnen können. Nicht unbedingt mit einem fünf zu Null aber immerhin. Es scheint, als hätte die Alte Dame Angst vor dem eigenen Erfolg. Schade, aber ein internationales Auftreten in der kommenden Saison wird es wohl trotzdem geben.
femtom1nd 04.04.2016
4. ...
"Wir konnten nichts falsch machen", denn das Ergebnis war wie immer abgesprochen. Wir haben zwar an den Wettmärkten nicht so viel Kohle generiert, wie bei den augenscheinlich verschobenen Spielen Bayern gegen Turin. Aber hey, wenn interessiert schon dieser Proletensport?
charly2708 04.04.2016
5. Noch lange nicht...
Bin zwar Gladbach-Fan seit Geburt aber man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. Ein schönes, gutes Spiel natürlich, aber in Ingolstadt muss man erstmal gewinnen (siehe Schalke) und auch sonst hat sich Gladbach auswärts einfach zu unkonstant und teilweise fahrlässig präsentiert. Und von den letzten sechs Spielen sind vier auswärts. Also Achtung! Platz 7 sollte drin sein und hoffentlich passt dass dann mit den Geschehnissen im Pokal...
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